Nach Anschlag in Berlin

Innenminister Poseck betont: "Der CSD ist ein Starkes Zeichen für Vielfalt"

Innenminister Roman Poseck positioniert sich klar: Terror darf in der Gesellschaft keinen Platz haben.
Archivfoto: O|N / Carina Jirsch

04.08.2026 / HANAU - Hessens Innenminister Roman Poseck hat am Montag an der Solidaritätskundgebung zum Christopher Street Day (CSD) in Hanau (Main-Kinzig-Kreis) teilgenommen. Die Kundgebung stand in diesem Jahr auch im Zeichen des islamistisch motivierten Terroranschlags auf dem Christopher Street Day in Berlin, bei dem eine Frau aus Polen getötet und zahlreiche Menschen teils schwer verletzt wurden.



Innenminister Roman Poseck erklärte in Hanau: "Der Christopher-Street-Day ist ein starkes Zeichen für die Vielfalt unserer Gesellschaft und für das Recht jedes Menschen, frei und ohne Angst so zu leben, wie er ist. Dieses Recht ist kein abstraktes Ideal, sondern Kern unseres freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates, der die Würde und die Freiheit eines jeden einzelnen Menschen garantiert. Auch mir ist es wichtig, heute hier ein Zeichen zu setzen. Die Vielfalt, die sich hier in Hanau zeigt, ist ein Gewinn für Hessen und für ganz Deutschland."

Behörden wurden für die CSD-Veranstaltungen sensibilisiert

Er betonte, dass es in diesem Jahr schwer falle, unbeschwert zu feiern. "Der schreckliche, islamistisch motivierte Terroranschlag auf dem CSD in Berlin hat uns alle tief erschüttert. Eine Frau aus Polen hat ihr Leben verloren, zahlreiche Menschen wurden teils schwer verletzt. Deshalb steht auch heute hier in Hanau die Trauer im Mittelpunkt", so der Innenminister. Hessen habe aber schnell reagiert: "Wegen des Anschlags nehmen die hessischen Behörden die als Gefährder eingestuften Personen noch einmal besonders in den Blick. Zudem wurden die hessischen Polizeipräsidien im Hinblick auf anstehende Großveranstaltungen sensibilisiert. Das gilt insbesondere für CSDs. Wir werden alles in Hessen dafür unternehmen, dass diese sicher, friedlich und fröhlich stattfinden können. Diejenigen, die unsere Vielfalt und unsere Freiheit angreifen, dürfen und werden keinen Erfolg haben", betonte Poseck.

Der Anschlag auf den CSD in Berlin hat allen Menschen erschreckend vor Augen geführt, dass der Islamismus eine akute Gefahr für unsere Sicherheit darstellt. Das belegen auch die Zahlen: Hessen zählte laut Verfassungsschutz 2024 3.890 Islamisten. Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt im Bereich der politisch-motivierten Kriminalität "religiöse Ideologie" einen Anstieg von 2024 auf 2025 um 32,1 Prozent. "Der gewaltbereite Islamismus stellt mit seiner extremen Brutalität der Attacken und der in Teilen sehr schnellen Radikalisierung der Szene eine potenziell tödliche Bedrohung dar. Ein besonderes Gefahrenpotenzial geht hierbei vor allem von radikalisierten Einzelpersonen aus. Gefährlich ist auch die oft auf Jugendliche und Heranwachsende zielgerichtete islamistisch-jihadistische Propaganda im Internet. Soziale Medien tragen damit teilweise zu einer enormen Beschleunigung von Radikalisierungsprozessen bei", so Roman Poseck.

Nicht nur Islamismus, sondern auch Rechtsextremismus gefährdet die Gesellschaft

Der Islamismus stellt laut Poseck eine akute Gefahr für unsere Gesellschaft dar. "Er richte sich gegen Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung und damit gegen alles, wofür der Christopher Street Day steht", erklärte er. Diese Bedrohung müsse man klar benennen. "Gleichzeitig dürfen wir den Blick nicht verengen. Hass gegen queere Menschen kommt aus unterschiedlichen Richtungen. Dabei spielt aktuell auch der Rechtsextremismus eine große und gleichzeitig hochgefährliche Rolle. Deshalb ist es alles andere als glaubwürdig, wenn gerade jetzt der rechte Rand den Anschlag auf den CSD in Berlin für sich zu instrumentalisieren versucht. Der Islam gehört auch zur Vielfalt unserer Gesellschaft. Wir dürfen diesen nicht pauschal in die Ecke stellen, sondern müssen klar gegen diejenigen Position beziehen, die unsere Vielfalt angreifen; egal, ob sie dies aus religiösen oder politischen Gründen tun", betonte der Innenminister.

Die Zahlen der queerfeindlichen Straftaten seien laut Poseck alarmierend. Innerhalb von nur vier Jahren habe sich die Zahl queerfeindlicher Straftaten in Hessen mehr als vervierfacht und im Jahr 2025 mit 141 Fällen einen neuen Höchststand erreicht. Dabei gehe es um mehr als bloße Zahlen. "Hinter jeder Zahl steht ein Opfer. Außerdem haben wir es wahrscheinlich mit einem relativ großen Dunkelfeld zu tun, weil Betroffene aus unterschiedlichen Gründen auf Anzeigen verzichten. Über die konsequente Ahndung der Straftaten hinaus braucht es endlich wieder ein Klima in unserer Gesellschaft, in dem sich queere Menschen akzeptiert und sicher fühlen können", sagte Poseck in Hanau.

Konsequentes Handeln ist gefordert

"Wer Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität beleidigt, bedroht oder angreift, greift deshalb immer auch unsere freiheitliche Ordnung und uns alle an. Niemand darf durch Gewalt oder Terror darüber entscheiden, wer sich im öffentlichen Raum zeigen darf und wer nicht - keine Islamisten, keine Rechtsextremisten und auch keine sonstigen Menschen, die andere wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität hassen und angreifen. Unsere Antwort auf Hass darf und wird niemals Rückzug sein. Unsere Antwort ist eine freie, vielfältige und zusammenstehende Gesellschaft", stellte der Innenminister klar.

Sicherheit entsteht nach Posecks Ansicht nicht nur durch Worte, sondern durch konsequentes Handeln. In allen hessischen Polizeipräsidien gibt es besondere Ansprechpersonen für lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen. Sie stehen Betroffenen vertraulich zur Seite, pflegen den Austausch mit Vereinen und Initiativen und sind regelmäßig auch auf Christopher Street Days präsent. Gerade weil viele Übergriffe noch immer nicht angezeigt werden, sei dieses Vertrauensverhältnis von großer Bedeutung. Jeder angezeigte Fall helfe dabei, Täter zu identifizieren, Entwicklungen zu erkennen und weitere Straftaten zu verhindern.

Täter hätte für vorherige Taten härter bestraft werden sollen

Der Rechtsstaat müsse zugleich seiner Verantwortung für die Sicherheit der Bürger nachkommen. "Es ist für mich absolut unverständlich, wie der Täter in Berlin für seine vorherigen Taten nur nach Jugendstrafrecht und dann noch zur Bewährung verurteilt werden konnte. Das Vorbereiten einer schweren staatsgefährdenden Straftat und der Versuch, sich dem Islamischen Staat anzuschließen, sind keine jugendtypischen Verfehlungen", zeigt sich Poseck erschüttert. "Terroristen verdienen die volle Härte des Erwachsenenstrafrechts, insbesondere dann, wenn sie bei der Tat bereits volljährig waren. Der Anschlag von Berlin zeigt zugleich, dass wir unsere Sicherheitsarchitektur ständig weiterentwickeln müssen. Mit dem neuen Polizeirecht und dem neuen Verfassungsschutzgesetz hat Hessen seine Behörden bereits gut aufgestellt. Für weitere Schlussfolgerungen aus dem Berliner Attentat im Interesse unserer aller Sicherheit bin ich offen", ergänzte er hierzu.

"Die heutige Solidaritätsveranstaltung in Hanau ist auch deshalb eine besondere, da die Stadt wie kaum eine andere erfahren hat, wohin Hass und Menschenverachtung führen können. Die Erinnerung an den Terroranschlag vom 19. Februar 2020 verpflichtet uns gerade in dieser Stadt bis heute, jeder Form von Menschenfeindlichkeit entgegenzutreten und Extremismus entschlossen zu bekämpfen", so Poseck.

Der Innenminister erklärte, dass Vielfalt nicht von selbst entstehe. Sie brauche Menschen, die Haltung zeigen, und eine starke Zivilgesellschaft. Aus diesem Grund dankte er allen, die die Veranstaltung möglich gemacht haben. "Der Christopher Street Day ist weit mehr als ein Fest. Er ist ein sichtbares Bekenntnis zu unserer freiheitlichen Demokratie", betonte er abschließend und warb dafür, gemeinsam ein Zeichen zu setzen und dafür zu sorgen, die Angst niemals stärker als die Freiheit werden zu lassen. (pg/pm) +++

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