Nachwuchs blendend aufgestellt

SGB-Jugendvorstand im O|N-Interview: "Wir machen keine verrückten Sachen"

OSTHESSEN|NEWS-Chefreporter Hans-Hubertus Braune (links) und O|N-Sportredakteur Nicolas Kraus (rechts) haben sich mit Bastian Stumpf, Atilla Güven (beide Sportliche Leiter), SGB-Jugendvorstand Joachim Krienke und Alessandro Marino (Leiter Nachwuchsförderzentrum) getroffen
Fotos: Maurice Schumacher

09.08.2026 / FULDA - Sie sind das Aushängeschild im heimischen Nachwuchsfußball und zweifelsfrei sportlich auf Augenhöhe mit den Topteams in Hessen: Die Rede ist von den Juniorenfußballern der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Seit acht Jahren sind sie am Start und haben nun erstmals eine Mannschaft in der Regionalliga.



"Wir haben das Megaziel erreicht und waren uns sofort im Klaren, dass wir das durchziehen", sagt Joachim Krienke, Jugendvorstand bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Die Rede ist von den U15-Junioren. Sie wurden in der vergangenen Saison unter dem Trainerteam Adrian Veapi und Lennox Lötters Hessenliga-Meister. Nun warten solch klangvolle Namen wie der VfB Stuttgart, TSG Hoffenheim, SC Freiburg oder zum Saisonauftakt in wenigen Wochen Eintracht Frankfurt.

Der Aufstieg bedeutet für die Mannschaft unter der neuen Leitung von Dominik Rummel und Enis Adrovic sowie den Betreuern und Eltern einen enormen Aufwand inklusive Übernachtungen bei den Auswärtsspielen über 200 Kilometer Entfernung. Für die Jungs wird das ganz sicher ein bleibendes Erlebnis. Rein sportlich ist die Sache allerdings schon jetzt klar: Sie werden nach der Saison wieder in der Hessenliga spielen. Der Süddeutsche Fußballverband wird im nächsten Jahr eine NLZ-Nachwuchsliga der U15 einführen, die Regionalliga ist dann Geschichte.

NLZ kurzfristig nicht machbar

Um vom Deutschen Fußball-Bund als Nachwuchsleistungszentrum anerkannt zu werden, sind ein ganzes Buch voller Vorgaben zu erfüllen, die in Fulda allein schon aus infrastruktureller Sicht zumindest kurz- und wohl auch mittelfristig nicht leistbar sind. Trotzdem wird die Mannschaft komplett motiviert in die Saison gehen. "Wir gehen das mit Jungs aus unserer Region an und werden keine verrückten Dinge machen", sagt Basti Stumpf. Neuzugänge aus den NLZs gibt es also nicht. Die bisherige Vorbereitung macht zudem Mut: "Sie sind sehr, sehr gut gestartet", sagt Stumpf. Zusammen mit Atilla Güven (U16 bis U19) teilt sich Stumpf (U12 bis U15) die sportliche Leitung der Junioren. "Wir telefonieren täglich mehrfach und tauschen uns aus, natürlich auch über die einzelnen Altersklassen hinaus", sagt Güven.

Persönliche Entwicklung der Spieler steht im Fokus

Das Kernziel ist die persönliche Entwicklung der einzelnen Spieler und damit des Teams insgesamt. Alessandro Marino leitet das Nachwuchsförderzentrum und ist Ansprechpartner für die vielfältigen Aufgaben im Juniorenbereich. Vieles muss organisiert und koordiniert werden. Die SG Barockstadt ist auf der Führungsebene herausragend aufgestellt. Dies spiegelt sich im Erfolg und der Kontinuität der einzelnen Altersklassen wider. Immer wieder schaffen es Jungs aus Fulda in die Zentren der Profiklubs. Franz Wiekiera aus der U15 spielt beispielsweise künftig für den FSV Mainz 05. "Solche Entwicklungen sind auch ein Lob für unsere Arbeit", sagt Krienke.

Natürlich möchte die SG Barockstadt mehr Spieler für ihre eigenen Seniorenteams der U23 und der Regionalligamannschaft ausbilden. "Der Austausch zu den Trainern und der sportlichen Leitung im Seniorenbereich ist sehr gut", sagen Stumpf und Güven. Etwa mit Daniel Martella von der U23 besprechen sie sich. Und: Regelmäßig trainieren zehn bis 14 Spieler aus der U19 und U17 im Talentetraining mit dem Trainerteam um Daniyel Cimen, der sich selbst öfter Spiele des Nachwuchses anschaut.

Hessen- und Verbandsliga pro Altersklasse

Für die in wenigen Tagen beginnende Saison sieht sich die SGB sehr gut aufgestellt. Alle Trainerposten von den Bambinis bis zu den U19 sind qualitativ sehr gut besetzt. Die U19 hat die Rückkehr in die Hessenliga geschafft und damit eine Lücke geschlossen. "Unser Ziel ist es, jeweils mit einer Mannschaft in der Hessenliga und in der Verbandsliga zu spielen", sagt Marino. Bei der U14 und U16 sei es das Grundziel, die Klasse zu halten. Bei der U15 in der Regionalliga heißt es einfach, das Jahr "zu genießen". Der U17 trauen die Verantwortlichen in der Hessenliga viel zu. Und auch die U19 hat eine leistungsstarke Truppe in der höchsten hessischen Liga zusammen. Eine U18 ergibt im leistungsorientierten Bereich weniger Sinn und wurde entsprechend nicht gemeldet.

Gute Erfahrungen haben die Verantwortlichen bei den U11- und U13-Junioren mit dem Verzicht, am Ligabetrieb teilzunehmen, gemacht und weiten dies auf die Mannschaften von der U10 bis zur U13 aus. "Hintergrund ist, dass wir allen Jungs genügend Spielzeiten geben wollen. Das klappt bei Freundschaftsspielen besser", sagt Stumpf. Dort können beispielsweise längere Spielzeiten vereinbart werden. "Eine Auswertung hat ergeben, dass wir den Jungs in der vergangenen Saison jeweils 600 Minuten mehr Spielzeit geben konnten", sagt der sportliche Leiter. Angetan sind sie aber auch vom Engagement der ehrenamtlichen Trainer und Betreuer bei den Jüngsten, etwa den Bambinis oder F-Junioren. "Da geht mir das Herz auf", sagt Krienke.

Teil von Team Musiala-Foundation

Neben der sportlichen Entwicklung stehen soziale Aspekte im Fokus der SGB. Entsprechende Leitlinien werden gelebt. "Wir legen großen Wert auf gemeinsame Aktivitäten", sagt Stumpf. Trainingslager in Österreich, die Fahrt nach Großbritannien oder an die Ostsee sind Beispiele. Zudem ist die SG Barockstadt Teil des Projektstarts der Team Musiala Foundation, wie Marino schildert. "Menschsein", "Reflexion" und "Wertevermittlung" sind Inhalte, welche die Foundation des Bayern-Stars mit Fuldaer Vergangenheit, den Vereinen in Kursen kostenfrei anbietet. Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz kooperiert zudem mit Eintracht Frankfurt. "Das wird mittlerweile wesentlich besser gelebt", sagt Krienke. Kooperationsspieltage, Trainerschulungen und der Adlertag werden organisiert. Der nächste Adlertag ist bereits am kommenden Sonntag. Weitere Informationen zum Sichtungstrainer für die jüngeren Jahrgänge gibt es hier.

Zwischen dem regionalen Talentzentrum am Domgymnasium und dem Nachwuchsförderzentrum der SG Barockstadt wurde zudem eine zukunftsweisende Kooperationsvereinbarung beschlossen. Johannes Vey, der als Lizenztrainer bereits an einer DFB-Eliteschule des Fußballs in Wiesbaden Erfahrungen sammelte und nun neben seiner Tätigkeit als Lehrertrainer Studienrat an der Rabanus-Maurus-Schule ist, betreut die Kooperation von Seiten der Schule. Rund 110 Kinder trainieren beispielsweise dienstags in sechs Gruppen im Bio-Banding-Training ihrem biologischen Alter entsprechend.

Die vielfältigen Angebote erfordern natürlich ein großes Platzangebot. "Wir kommen an unsere Grenze", sagen die Verantwortlichen. Von 15 bis 21 Uhr sind die Plätze während der Woche teils mehrfach belegt, zumal auch die Damenmannschaft mit künftig zwei Mädchenmannschaften eine erfreuliche Entwicklung nimmt. Trotz dieser infrastrukturellen Herausforderungen blickt die Führungsetage der SG Barockstadt optimistisch in die Zukunft. "Wir wollen uns Schritt für Schritt und vor allem nachhaltig weiterentwickeln", fassen sie zusammen und freuen sich nun erstmal auf den Saisonstart. Es warten viele interessante Duelle in den einzelnen Nachwuchsligen. Ein Besuch lohnt sich auch bei den Spielen der Nachwuchsmannschaften oben auf der Anlage in Lehnerz oder in der Johannisau. (Hans-Hubertus Braune) +++

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