Backhandwerk aus der Region

"Ich will keine Fachkraft gehen lassen" - Landrat bei Vulkanbäcker Haas zu Gast

Landrat und Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak (rechts), ist gemeinsam mit Kathrin Janisch (von links) von der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises, und Susen Neumann, Arbeitgeberservice der KVA Vogelsbergkreis – Kommunales Jobcenter, zu Gast bei Bäckermeister Joachim Haas, Geschäftsführer des Vulkanbäckers Haas, in Schotten.
Fotos: Vogelsbergkreis / C.Lips

04.08.2026 / SCHOTTEN - "Mach’s gut und schlaf schön!" – morgens um 9 Uhr ist das eine ungewöhnliche Verabschiedung. Nicht so in der Backstube des Vulkanbäckers Haas in Schotten. Mit diesen Worten verabschiedet Bäckermeister und Geschäftsführer Joachim Haas einen Gesellen nach dessen Nachtschicht in den Feierabend. Diesmal begrüßte Haas allerdings Landrat und Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak, Kathrin Janisch von der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises sowie Susen Neumann vom Arbeitgeberservice der KVA Vogelsbergkreis – Kommunales Jobcenter.



Während die zweite Schicht Brot, Brötchen und mehr als 600 weitere Backartikel vorbereitet, entstehen mit rund 100 Mitarbeitenden in Produktion, Verkauf und Logistik täglich etwa 40.000 Backwaren. Landrat Dr. Mischak zeigt sich beeindruckt: "Trotz dieser imposanten Zahlen merkt man hier, dass echtes Bäcker- und Konditorhandwerk gelebt wird." Haas gibt den Gästen gerne Einblicke in seinen Betrieb, der seit 1993 am Ortseingang von Schotten produziert und jährlich mehr als 30 Besuchergruppen zu Führungen und Brotseminaren empfängt.

"Ich will keine Fachkraft gehen lassen"

Der Bäckermeister ist stolz auf sein Team, die gute Arbeitsatmosphäre ist in Backstube und Konditorei deutlich spürbar. Gleichzeitig steht auch der Vulkanbäcker vor Herausforderungen wie Bürokratie, Fachkräftemangel sowie steigenden Energie- und Einkaufskosten. Dennoch setzt Haas auf pragmatische Lösungen und entwickelt den Betrieb kontinuierlich weiter.

"Ich will keine Fachkraft gehen lassen", betont er. Deshalb unterstützt er Mitarbeitende unter anderem mit Werkswohnungen, wenn sie von weiter weg oder aus dem Ausland kommen. Das multikulturelle Team sei für den Betrieb unverzichtbar: "Hier wird Integration täglich gelebt." Ein weiteres Zeichen dafür sind die zehn Auszubildenden, die in diesem Jahr ihre Ausbildung in Backstube, Verkauf und Büro absolvieren.

Regionalität im Fokus, Nachfolge gesichert

Auch bei den Zutaten setzt Haas konsequent auf Regionalität – obwohl dies zunehmend schwieriger wird. Immer mehr Mühlen, Metzgereien und regionale Zulieferer geben auf. Als Gründe nennt er fehlende Nachfolger, Fachkräftemangel, steigende Kosten und umfangreiche gesetzliche Vorgaben. Hygiene-, Brand-, Arbeits- und Datenschutz seien wichtig, verursachten jedoch erheblichen Aufwand und zusätzliche Kosten. Hinzu kommen steigende Rohstoffpreise und Energiekosten. Rund 300.000 Euro investierte der Betrieb bereits in einen neuen Backofen und Wärmerückgewinnung, ein weiterer Ofen ist geplant. Dennoch liegen die Energiekosten bei etwa 40 Cent pro Kilogramm Backwaren. Deshalb, so Haas, brauche es Verbraucher, die regionale Qualität entsprechend wertschätzen.

"Der Vulkanbäcker Haas hat sich erfolgreich in der Nische zwischen Handwerk und Industrie etabliert", sagt Dr. Mischak. Der Betrieb verbinde handwerkliche Tradition und hohe Qualität mit moderner Produktion, Logistik und Verkauf. Umso erfreulicher sei, dass auch die Zukunft des Unternehmens gesichert ist: Sohn und Tochter wollen in den Familienbetrieb einsteigen und die Bäckereitradition in Schotten fortführen. (pg/pm) +++


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