Menschenverachtende Worte zum CSD
"Unfassbare Zeilen" - Fall Pfarrer Abel macht deutschlandweit Schlagzeilen
Collage: O|N
04.08.2026 / FULDA -
Die Worte des ehemaligen Fuldaer Pfarrers Winfried Abel zum CSD-Anschlag sorgten in der vergangenen Woche für Empörung. In einem Leserbrief in der Fuldaer Zeitung bezeichnete der 87-Jährige den Anschlag in Berlin als "Signal des Himmels". Übers Wochenende macht der Fall nun bundesweit Schlagzeilen, auch in namhaften Medienhäusern.
Der Leserbrief des Pfarrers war am vergangenen Freitag in der Fuldaer Zeitung unter der Kategorie "Die Meinung des Lesers" gedruckt worden. In dem Text bezeichnete der ehemalige Pfarrer von St. Andreas in Fulda-Neuenberg ihn als "einen Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr". Bei dem terroristischen Attentat auf den Berliner Christopher-Street-Day (CSD) waren eine Frau getötet und 31 weitere Personen zum Teil schwer verletzt worden.
Bundesweite Medienempörung
OSTHESSEN|NEWS hatte bereits in einem Artikel vom Freitag die Worte des Pfarrers verurteilt. Über das Wochenende machte der Fall nun bundesweit Schlagzeilen. Überregionale Medienhäuser wie Deutschlandfunk, die Tagesschau, BILD und auch der Spiegel berichteten über den Fall, der vor allem in den sozialen Medien unter den jeweiligen Posts diskutiert wurde. Die BILD schreibt von "unfassbaren Zeilen" in diesem Zusammenhang.Chefredaktion verteidigt Veröffentlichung
Nach einer ersten deutlichen Distanzierung am Samstag durch den Chefredakteur Tobias Farnung, hat die Fuldaer Zeitung am Montag die Worte scharf kritisiert, die Entscheidung für die Veröffentlichung aber verteidigt. "Wenn sich ein Pfarrer mit der Autorität eines Gottesmanns derart abwertend, ja menschenverachtend äußert, dann ist das eine Nachricht, die in die Öffentlichkeit gehört. Wer so spricht, muss sich dem öffentlichen Diskurs stellen – und er muss gestellt werden", so Chefredakteur Bernd Loskant.Stefan Niggemeier kritisierte diese Begründung in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung am Montagnachmittag. Als "wenig überzeugend" bezeichnet der Gründer des Online-Portals Übermedien die aus seiner Sicht nachträgliche Rechtfertigung. "Sie nimmt die Empörung über eine redaktionelle Entscheidung zum Beleg dafür, dass diese Entscheidung richtig war." (Nikolas Krudewig) +++