Im kleinsten Ortsteil der Gemeinde

Feuerwehr ist für das Dorffest zuständig - Stimmungsvolle Kirmes in Breunings

Zwei Tage richtete die örtliche Feuerwehr Breunings im kleinsten Ortsteil von Sinntal (Main-Kinzig-Kreis) traditionell die Kirmes aus.
Fotos: Walter Dörr

03.08.2026 / SINNTAL - Zwei Tage richtete die örtliche Feuerwehr Breunings im kleinsten Ortsteil von Sinntal (Main-Kinzig-Kreis) traditionell die Kirmes aus. Im Dorfgemeinschaftshaus und einem Zeltanbau ging es rund. Für das leibliche Wohl war mit Spießbraten und Grillspezialitäten bestens gesorgt. Und für eine stimmungsvolle Unterhaltung sorgten die Partyband Kinzigtaler und die Wolperthaler Musikanten des Musikvereins 1924 Weiperz.



Ein Höhepunkt war natürlich das Aufsagen des Kirmesspruches. Mit Blasmusik der Wolperthaler holten die sieben Blooburschen und Mädchen den riesigen, mit schwarz-rot-goldenen Bändern dekorierten Kirmesstrauß ab und brachten ihn in das Zelt am Dorfgemeinschaftshaus. Dort warteten schon zahlreiche Bürgerinnen und Bürger auf die Dorfchronik. Jahrhundert-Bloobursch Hans-Jürgen Eyring hatte wieder alles aufnotiert, was sich in Breunings ereignet hat. Freundlich grüßte er: "Ihr Leut, ich sein hier hergeschritten, hätt ich`n Gau gehabt, wär ich geritten. Liebe Gäste aus Nah und Fern, ich grüße euch von Herzen gern.

"Wesst ihr noch, wie es domols woar"

Willkommen hieß er Minister, Abgeordnete und Praktikanten, Pfarrer, Priester und Ministranten, Ärzte und Professoren. Seelenklempner und Doktoren, Handwerksmeister und Gesellen, die letzten Urlauber von den Seychellen, Jungfrauen und solche, die es waren, Nordlichter, Sachsen, Bajuwaren, österreicher und Amerikaner, Schweizer und Japaner, Arbeiter, Hausfrauen, kurzum alle Leut, ihr alle seid willkommen heut." "Durch ganz Hessen, ach was, durch ganz Deutschand klingt`s wie Donnerhall: die Breuningser wolle Kirmes hall," so Eyring. Und dann fragte er: "Wesst ihr noch, wie es domols woar, heut genau vür 52 Joar, wer hätt doas doamols gedocht, die Lindenwirtin hoat die letzt Kirmes im Soal gemocht. Der Soal is baufällig honse gesaht, viele woarn traurich, es dutt uns so laht."

Seit 55 Jahren veranstalte die Feuerwehr nun schon die Kirmes – und der angeblich baufällige Saal stehe immer noch. Fachkräftemangel herrsche bei der Feuerwehr in Bezug auf Kirmes, denn keiner wolle Dienst schieben. "In e boar Joar isses dann vielleicht vorbei, mit de Kirmesfeierei," befürchtete der Bloobursch. "Doas is net zum Lache, nur weil die Breuningser nett genuch Noachwuchs mache." Die erste Geschichte der Ereignisse lieferte ein Bürger, der sich ein E-Trike gekauft hat und damit zu einem Dämmerschoppen gefahren ist.

Auf der Heimfahrt zu später Stunde verspürte er ein menschliches Bedürfnis. "On weils em so hoatt pressiert, haare die erscht Ecke anvisiert. Vom Rollerje roah und losgepullert – un der Roller, der is de Barch nohgekullert." Vom Bloo deshalb der Rat: "En Tipp, beim nächsten ungeplanten Stopp, Handbremse nei, das wäre top." Dass es der Wehrführer schwer hat, zeigt die nächste Geschichte. Ganz spät abends alarmierte ihn nämlich eine Frau von der Ziegelhütte, weil überall Rauchmelder gehen würden. Vorort wurden die Übeltäter gleich gefunden: der Marjosser Bauer hatte nämlich überall Rauchmelder verteilt, um Schwarzwild zu vertreiben. Der Jäger "is gleich off die Pirsch gegange, on koar Säu nur die Rauchmelder gefange." "Für die Ziechelhütter woar doas e kurze Nacht, on die welle Säu honn sich halb totgelacht." Probleme wegen Haarausfall habe ein Breuningser gehabt. Als Ursache "hoare er es dann kapiert, doas is beim Überkoppschweiße passiert." Oberbloo Eyring wusste: "Hoar ist eine Sumpfpflanze – wächst nur auf Wasserköpp."

"Woas hier passiert im deutschen Lande, es is einfach eine Schande"

Das Füttern ihrer Tiere verlief für zwei Breuningser Männer nicht wie geplant. Ihren Säuen gaben sie nämlich Essensreste zu Fressen – dabei auch Steaks und Würstchen. Ein Steak habe sich im Hals verkeilt und da sind die zwei zur Erten Hilfe geeilt. Mit Mund zu Nasebeatmung wurde das Vieh gerettet. "Zwah Doach später lach e anner Sau tot im Stall, die koam aach weche em Steak zu Fall." "In Breunings, der Glasfaserbau, doas woar schon e dolle Schau. Kaum woarn die Arbeiter doah, hatts schon geknallt, on es Internet woar abgeschalt. Kaum woar doas Malleur wiere repariert, is schoa wiere woas passiert. E Stromkabel, doas woar abgeresse un die Leut hon ohne Strom dogesesse. Kaum anner, der sich net hat gerecht, es woar regelmäßig ebbes lahmgelecht," berichtete der Bloo. "Woas hier passiert im deutschen Lande, es is einfach eine Schande. Es is alles nur noch Schrott, es Durf is verkabelt, aber die Firma is Bankrott."

Ein aktuelles Thema griff der Kirmesspruch auch auf: "Für e boar Woche woar die Volksseele hier am Koche. Es heißt, die Breuningser Kirche wird verkafft, doa hott kanner meh im Durf gelacht. Es ginge zu weniche Leut in de Gottesdienst nei, on doah fällt dene Obere nix besseres ei. Die Breuningser Kirchenampel steht of Rot, on doas is schlimmer als es 11. Gebot." Der Kirchenvorstand habe die Bürger in einer Sitzung informiert. Über 70 Jahre sei mit der Friedenskirche nichts passiert und so gab sich der Bloobursch kämpferisch: "Die Kohle wird lieber ins Ausland gebrocht, ich soach nur Deutschland gute Nocht. Doch so oarfach krieche die ons net klein, mir gründen etz en Kircheförderverein. Die Breuningser sein sich für nix zu schade, mir gehen notfalls of die Barrikade. Wer die Berge hat begipfelt, wer die Buben hat bezipfelt, wer die Mädchen hat gespalten, der soll uns die Kirche erhalten. Amen."

Und am Schluss noch eine Hiobsbotschaft: weil er ein nicht mehr so junger Mann sei, dem es nach Stürzen überall weh tue und er nicht mehr viel mitbekomme, was im Dorf passiert, verkündete Hans-Jürgen Eyring, seinen letzten Kirmesspruch gehalten zu haben. (Walter Dörr) +++

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