Besondere Kunst an besonderem Ort
Werke von Demenzerkrankten im Homberger Schloss
Fotos: goa
03.08.2026 / HOMBERG (OHM) -
Dass das vom Zerfall bewahrte, vom Verein der "Schlosspatrioten" liebevoll Schritt für Schritt renovierte Homberger Schloss weit über die Stadtgrenzen hinaus als ein "besonderer Ort" umschrieben werden darf, ist sicher unbestritten. Bei der Kunst gehen die Meinungen vielleicht auseinander: Für die Allermeisten ist Kunst immer besonders, andere hingegen fragen: "Ist das Kunst oder kann das weg?". Selbst Kunstexperten dürften der These zustimmen, dass es bei aller künstlerischen Vielfalt doch einige Facetten gibt, die deutlich herausragen und "besonderer" sind als andere.
Die Ausstellung "Demenz hat viele Farben" gehört dazu: in Tagespflege befindliche Demenzpatienten erschufen unter künstlerischer Anleitung gemeinsam etwa 50 Werke, die nun bis Ende August jeden Sonntag in den Kunstausstellungsräumen des Schlosses bewundert werden können. Farbenfroh, kraftvoll, mit herausquellender Energie und Lebensfreude. Die Vernissage am Sonntag lohnte sich besonders, denn einige beteiligte Kunstsenioren hatten sich mit ihren Angehörigen eigefunden und genossen das wunderbare Ambiente.
"Im Zentrum steht die intuitive Malerei"
"Im Zentrum steht die intuitive Malerei – ein freier, nicht bewertender Prozess, in dem Farbe, Bewegung und Gefühl den Weg weisen", so Poopak Lemmer, die sich in aller Form dafür bedankte, dieses so bereichernde Projekt mit den Senioren gestalten zu dürfen, aber auch für die Möglichkeit, die Ausstellung bei ihrer vierten Station nun auch erstmals im Vogelsbergkreis zeigen zu dürfen. "Im Zentrum steht die intuitive Malerei – ein freier, nicht bewertender Prozess, in dem Farbe, Bewegung und Gefühl den Weg weisen." Auf dem seit 2024 beschrittenen innovativen Weg sei sie der Vision gefolgt, dass Kunst Türen öffnen könne, auch dort, wo Worte langsam verstummen.Betörende Farben und Formen, zwei- und dreidimensionale Bilder
"Demenz hat viele Farben" lädt dazu ein, innezuhalten und neu hinzuschauen. Die Ausstellung eröffnet einen Raum, in dem Menschen mit Demenz nicht erklärt werden müssen - sondern in ihrer Würde, ihrem Ausdruck und ihrer Menschlichkeit sichtbar werden. "Diese Ausstellung sieht man nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit dem Herzen", brachte es der AurA-Verwaltungsleiter Sven Makoviac auf den Punkt. Er verspricht nicht zuviel: betörende Farben und Formen, zwei- und dreidimensionale Bilder laden ein, sich zu vertiefen. "Manchmal sagen Farben mehr als Worte", schloss Poopak Lemmer ihre bewegende Eröffnungsrede treffend. Beim Rundgang begegnete man einigen der Künstler mit ihren Angehörigen. Toll anzusehen war die Freude und der berechtigte Stolz, Teil dieses sehenswerten Projektes zu sein, dessen Motto fast fünfzigmal erlebbar wird.