"Wenn er das kann, kann ich das auch!"
Die erste Müllwagen-Fahrerin in der Domstadt: Diese Frau kennt keine Angst
Fotos: goa
01.08.2026 / FULDA -
Einen Lkw zu fahren, traut sich wahrlich längst nicht jeder Pkw-Fahrer. Und spätestens bei der Vorstellung, so ein Riesen-Fahrzeug tagtäglich auch durch die engsten Gässchen Osthessens bis zum entlegensten Wohnhaus zu manövrieren, selbst bei Eis und Schnee, winkt fast jeder ab. Die erste Frau, die seit zwei Jahren in der Fuldaer Niederlassung des Entsorgungsunternehmens Knettenbrech + Gurdulic Entsorgung GmbH "ihre Frau steht", stellt sich vor.
Alexandra Murgiuc ist heute 39 Jahre alt. Vor 15 Jahren kam sie aus Rumänien nach Fulda und fühlt sich sehr wohl. Ihr Cousin Gheorghe arbeitet seit sieben Jahren als Fahrer in der Niederlassung in Fulda-Rodges. "Gheorghe brachte mich vor zwei Jahren auf die Idee, den Lkw-Führerschein zu erwerben, damit ich mich hier als Fahrerin bewerben kann", erzählt Alexandra in mittlerweile nahezu perfektem Deutsch lächelnd. "Er ist mit seiner Tätigkeit und dem Arbeitgeber von Anfang an hier sehr zufrieden gewesen und hatte die Idee, ich solle das doch auch machen. Erst hatte ich ein wenig Angst, aber dann dachte ich mir: wenn er das kann, dann kann ich das doch auch!" Wer ihr zuhört, erkennt sofort, dass der Gedanke kein Scherz war, obwohl sie vorher noch nie in einem Lkw-Führerhaus saß.
Mit Mut und Führerschein zum Traumjob
Bei der ersten Fahrstunde sei sie schon etwas aufgeregt gewesen, bestätigt sie. "Aber es hat vom ersten Moment an Spaß gemacht und auch der Fahrlehrer war nicht nur mit der ersten Fahrstunde zufrieden!" Da sie nicht irgendwo Lkws fahren wollte, sondern genau hier beim Entsorgungsunternehmen, erkundigte sich Gheorghe bei der Niederlassungsleitung, ob Alexandra denn nach dem Erwerb der Lizenz eine Chance auf eine Einstellung habe. Mit dem Müllwagen durch den Landkreis
Im gesamten Landkreis Fulda ist Alexandra mit einem fest zugeteilten Müllwerker beim Einsammeln des Restmülls unterwegs, und neben den entlegensten Höfen mit entsprechend kleinsten Gassen hat sie auch bereits zwei Winter, zum Teil mit Schneeketteneinsatz, bravourös gemeistert. "Ich habe mich von Anfang an bei den Fahrten konzentriert und lasse mich nicht ablenken. Und die Fahrausbildung in der Fahrschule und die schrittweise Einweisung im Betrieb waren wirklich gut." Wert lege sie auch auf ein immer sauberes Fahrzeug, innen wie außen, verrät sie. Lena Weisbecker lacht bestätigend: "Wenn Alexandra aus dem Urlaub zurückkommt und ins Führerhaus des zwischenzeitlich von anderen Mitarbeitern genutzten Lkw schaut, kommt ihr Temperament zum Vorschein…"