So reagiert das Forstamt

Mit dem Klimawandel klar kommen: Auch der Wald schwitzt

Der stellvertretende Forstamtsleiter Jürgen Dickert vom Forstamt Burghaun
Fotos: Hans-Hubertus Braune

03.08.2026 / BURGHAUN - Die Laubfrösche quaken genüsslich, Libellen fliegen fast geräuschlos durch die Gegend und die Insekten nippen am Tümpel. Fast scheint es, dass die anhaltende Trockenheit und die Hitze der Tierwelt in unseren Wäldern nichts anhaben können. Diese Szenerie entdecken wir bei einem Waldspaziergang im Revier des Forstamtes Burghaun (Landkreis Fulda).



Auf den ersten Blick scheint die Welt in unseren heimischen Wäldern also in Ordnung zu sein. Doch dieser Schein trügt.

Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS-Chefreporter Hans-Hubertus Braune schildern Forstamtsleiter Sebastian Keidel und sein Stellvertreter Jürgen Dickert die aktuelle Situation und erklären, wie sich die Behörde auf den Klimawandel eingestellt hat.

"Die Bäume leiden. Je nachdem, wie lange die Trockenphasen andauern, kann es zu Absterberscheinungen kommen", sagt Keidel. Er ist seit dem Jahr 2017 Leiter des Forstamtes in Burghaun und war zuvor in Melsungen. "Die Buchen kommen mit der extremen Sonneneinstrahlung überhaupt nicht klar. Die Rinde verbrennt, es kommt dadurch zu Pilzbefall", beschreibt der aus Schlitz stammende Dickert. Der Wald hat das Ziel, ein komplettes Kronendach zu schaffen. Dadurch ist es in unseren Wäldern oftmals bis zu fünf Grad kühler als in den überhitzten Lagen der Städte.

"Wir reagieren seit Jahren auf die Klimaveränderungen"

Die Waldexperten arbeiten daran, die Lebensgrundlagen zu verbessern. "Wir reagieren seit Jahren auf die Klimaveränderungen. Bei Neuaufforstungen setzen wir beispielsweise auf verschiedene Baumarten", sagt Dickert, der als stellvertretender Forstamtsleiter im Jahr 2012 vielfältige Aufgaben in den unterschiedlichen Bereichen vom Management der Flächen und Immobilien bis hin zur Waldpädagogik übernommen hat. Drei bis fünf verschiedene Baumarten mit ihren unterschiedlichen Reaktionen werden angepflanzt. Dabei spielt natürlich auch die Zusammensetzung des Erdreichs eine wichtige Rolle. Das Forstamt Burghaun betreut mit seinen 40 Mitarbeitern rund 17.000 Hektar Fläche, davon rund 10.000 Hektar Staatswald. Das Gebiet reicht von Rasdorf an der hessisch-thüringischen Landesgrenze bis zum Hattenbacher Dreieck im Westen in drei Landkreisen und zwei Regierungsbezirken.

"Wir planen für Generationen"

"Wir planen für Generationen", machen Keidel und Dickert im O|N-Gespräch deutlich. Neben den bekannten Arten wie Kiefern, Lärchen, Eichen und Buchen werden Douglasien, Küsten- und Weißtannen sowie Esskastanien oder auch Ahorn und Kirsche in unseren Wäldern zu finden sein. Dabei beobachten sie die Reaktionen der einzelnen Bäume. Wer kommt mit welchem Wetter besser zurecht? Die Bandbreite ist groß. Weitere Informationen finden beispielsweise Privatwaldbesitzer auf der Internetseite der Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt.

Für die Tierwelt ist das trockene Wetter offenbar weniger ein Problem. Keidel nennt die Rehe als Beispiel. Zum Glück finden die Förster keine Anzeichen für erhöhte Zahlen von Fallwild. "Rehe sind Pflanzenfresser und nehmen über die Nahrung Feuchtigkeit auf", sagt Keidel. Nur selten würden sie zu Tümpeln oder Wasserläufen gehen. Trotzdem arbeitet das Forstamt an Möglichkeiten, auf die Klimaveränderungen zu reagieren. Dazu gehört vor allem der systematische Ausbau der Waldwege.

Abgerundete Waldwege: Zufahrt für Forst, Feuerwehr und Regenwasserabläufe

Natürlich müssen auch die Forstmaschinen in die Wälder, um die Holzwirtschaft zu beliefern. Die geschotterten Wege dienen aber auch den Einsatzkräften der Feuerwehren als notwendige Zufahrtswege. Dies hat der Waldbrand vor wenigen Tagen bei Lingelbach im angrenzenden Forstamtsbereich Romrod (Vogelsbergkreis) gezeigt. Zur Brandbekämpfung sind enorme Mengen an Löschwasser notwendig. Diese bringen die Feuerwehren mit riesigen, bis zu 10.000 Liter fassenden Behältern in die Wälder. Die Herausforderung bei Waldbränden ist, dass sich die Flammen auch unterirdisch ausbreiten können und deshalb aufwendige Löscharbeiten notwendig sind.

"Wir haben in jedem unserer Fahrzeuge einen Löschrucksack", sagt Dickert. Entdecken Forstmitarbeiter Entstehungsbrände, können sie sofort reagieren und so möglichst eine Ausbreitung im Keim ersticken. In diesem Zusammenhang appelliert die Leitung des Burghauner Forstamtes an alle Waldbesucher: Werfen Sie keine Zigarettenkippen achtlos in den Wald. Und: Zwar haben Forschungsergebnisse gezeigt, dass Glas wohl keine Brände verursachen kann, trotzdem haben auch die Scherben sowie sonstiger Müll rein gar nichts in unseren Wäldern zu suchen. Und: "Wenn Sie eine Rauchentwicklung entdecken oder vermuten, setzen Sie bitte einen Notruf ab oder informieren das Forstamt. Lieber einmal zu viel als zu wenig", sagen Keidel und Dickert. Sie hoffen inständig, dass sie von Waldbränden in ihren Regionen verschont bleiben. Sie machen aber auch deutlich, dass Ausmaße wie in Spanien oder Italien in unserer dicht besiedelten Landschaft und den größtenteils vorhandenen Mischwäldern kaum möglich sind.

Doch: Jeder noch so kleine Waldbrand verursacht immense Schäden für die Natur, die Tierwelt und letztlich natürlich auch für die Waldwirtschaft. Hitze und Trockenheit sind die eine Seite. Was den Forstämtern ebenso Sorge bereitet, sind die Extremwetterlagen wie Unwetter, Starkregen und Stürme. Umgestürzte Bäume, abgeknickte Äste und entwurzelte mächtige Stämme: Das alles hat deutlich zugenommen. Was das Thema Starkregen betrifft, sollen Maßnahmen wie die Gestaltung der Forstwege die schwierigen Lagen entschärfen. "Die Wege sind abgerundet. Bei Starkregen läuft das Wasser so in die angrenzenden Gräben", sagt Dickert bei einem Vor-Ort-Spaziergang nahe dem Mahlertshof.

"Wir versuchen, das Wasser im Wald zu halten"

Auch mit Hilfe eines entsprechenden Förderprogrammes der Landesregierung werden zudem immer mehr Tümpel in den Wäldern angelegt. "Diese werden vom Oberflächenwasser gespeist. Hier ist der Boden tonhaltig, das Wasser versickert nicht. Wir versuchen so, das Wasser im Wald zu halten", sagt Dickert. Dadurch soll zudem verhindert werden, dass Sturzbäche entstehen und diese dann auf den Straßen und im nächsten Ort für Überschwemmungen sorgen. Ein weiteres Phänomen war die Trockenheit im vergangenen Winter. "Das hat Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel. Dieser hängt von den Regenfällen im Winterhalbjahr ab", sagt Dickert.

Es sind also viele Faktoren, die auch unseren Wäldern in Zeiten des Klimawandels zu schaffen machen. Dickert fasst treffend zusammen: "Wetterveränderungen hat es geschichtlich schon immer gegeben. Man muss bereit sein, um das anzunehmen. Wo habe ich Chancen, wo habe ich Risiken und wie stelle ich mich dazu auf? Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft uns nicht weiter."

Das denken sich wohl auch die Laubfrösche im Waldtümpel vom Anfang. (Hans-Hubertus Braune) +++

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