Tipps vom Experten
Steppenlandschaft statt Rasen: So trotzt Ihr Garten dem Hitze-Wahnsinn
Fotos: Rene Kunze
04.08.2026 / FULDA -
Der Rasen braun, die Beete tot, der Schlauch läuft und läuft, und trotzdem wächst nichts mehr. Viele Gärten in Osthessen sehen im Sommer aus wie die Steppe. Die Lösung hat wenig mit mehr Wasser zu tun. Wir haben sieben Tipps vom Experten zusammengetragen.
"Wenn ich in viele Gärten reingucke, sehe ich eine Steppenlandschaft", sagt Florian Ridder. "Die Leute wässern wie verrückt und kommen trotzdem nicht mehr hinterher. Am Ende geht alles ein." Der Grund dafür sind fast immer dieselben drei Fehler: falsche Pflanzen, falscher Boden, falsches Gießen. OSTHESSEN|NEWS hat sich mit dem Experten am WirGarten getroffen, wo im Rahmen der LGS 2023 einige Staudenbeete angelegt worden waren.
Tipp 1: Stauden statt Rasen
Klingt radikal, ist aber logisch. "Ich würde immer Stauden anstelle von Rasen beziehungsweise Wechselflor empfehlen", sagt Ridder. Der Grund: Klassische Blumenbeete, sogenannter Wechselflor, sehen zwar toll aus, sind aber Diven. Sie brauchen ständig Wasser und frieren im Winter meistens komplett ab. "Das ist eine sehr intensive Bepflanzung, die ich ständig wässern muss", so Ridder. "Sie ist natürlich schön und wirkt gut, aber eben auch sehr pflegeintensiv." Stauden dagegen kommen jedes Jahr wieder, von allein, ohne Drama. Wer trotzdem bunte Blumen will, pflanzt sie einfach in den Kübel, fertig. Tipp 2: Rasenmäher öfter mal stehen lassen
Für alle, die noch nicht auf Stauden umsteigen wollen, gibt es einen einfacheren Trick: Der Rasen darf einfach wachsen. Fünf, sechs Zentimeter stehen lassen, nicht mehr mähen, das reicht schon. Auch die Stadt Fulda macht es so: An Rad- und Gehwegen wird nur ein schmaler Streifen kurz gehalten, der Rest bleibt stehen. "Die Wiesen sind resistenter gegen Austrocknung und erholen sich schneller als ein kurz gemähter Rasen, der buchstäblich verbrennt", so Ridder. Tipp 3: Boden zudecken - aber richtig
Nackter Boden ist der Feind. "Das Schlechteste ist offener Boden, auf den die Sonne draufbrezelt und alles verdörrt", warnt Ridder. "Dann entstehen Risse im Boden, und das ist eigentlich das Schlimmste, was passieren kann." Die Lösung heißt Mulch. Ridder setzt auf Mineralmulch, kleine Steinchen, die aussehen wie ein Schottergarten, aber keiner sind. Der Mulch hält die Feuchtigkeit im Boden und unterdrückt gleich noch das Unkraut. "Ist der Boden komplett trocken und knallhart, fließt das Wasser bei Regen einfach ab", erklärt Ridder. "Deshalb ist eine geschlossene Pflanzendecke so wichtig."
Tipp 4: Nicht alles wegschneiden
Verblühte Pflanzen sollen im Winter einfach stehen bleiben. "Es heißt immer: Vertrocknetes Zeug im Garten muss sofort runtergeschnitten werden, es muss ja alles ordentlich aussehen", sagt Ridder. "Aber es lohnt sich, das einfach mal auszuprobieren - das Bild wird dadurch spannender." Sein Argument: Auch im Winter soll der Garten wirken. Schnee sammelt sich in den trockenen Blütenständen, und es entsteht Struktur, wo sonst nur eine kahle Fläche wäre. "Für mich als Landschaftsarchitekt gibt es eigentlich vier Jahreszeiten, in denen jeweils etwas anderes wirkt", so Ridder. "Ein gutes Beet wirkt über alle vier Jahreszeiten hinweg." Erst im Frühjahr wird zurückgeschnitten. Tipp 5: Der Gieß-Fehler, den fast alle machen
Kurz und oft gießen ist der falsche Weg. "Wässere ich immer nur oberflächlich, haben die Stauden gar keinen Anlass, tiefer zu wurzeln, und bleiben in den obersten Bodenschichten", so Ridder. "Die trocknen aber zuerst aus, und dann geht die Pflanze schneller kaputt." Die Lösung ist durchdringendes Gießen: selten, dafür richtig, den Boden komplett durchfeuchten statt nur die Oberfläche zu benetzen. "Das ist keine Wasserverschwendung, sondern sinnvolles Gießen", sagt Ridder. Die beste Uhrzeit dafür ist frühmorgens oder abends, wenn nachts am wenigsten verdunstet.Tipp 6: Der Herbst ist die beste Pflanzzeit
Wer im Sommer neu pflanzt, macht es sich schwer: Die Pflanzen stehen "im Saft", kommen frisch aus der Gärtnerei und kämpfen dann im neuen Beet ums Überleben. Besser ist der Herbst, Oktober oder November, solange es frostfrei ist. "Die Pflanzen danken es einem, weil sie richtig einwurzeln können, bevor im nächsten Frühjahr die Wachstumsperiode losgeht", erklärt Ridder. "Und dann kommen sie umso stärker." Tipp 7: Die Pflanzen, die Trockenheit lieben
Nicht jede Pflanze verträgt Hitze, aber einige kommen bestens damit klar: Schafgarbe, Fetthenne (Sedum), Gräser, Thymian, Salbei und Sonnenhut. Ridders persönlicher Favorit ist die Purpur-Witwenblume, deren rote Blüten weit über dem Laub zu schweben scheinen: "Hat man größere Bestände davon, ergibt das ein sehr schönes Bild." Am dankbarsten für Insekten ist die Katzenminze: "Steht sie voll in Blüte, gehen Hummeln und Bienen dran, das bringt auch etwas für die Insektenwelt."