1,7 Kilomter lange Leitung

Schnee im Hochsommer: So wird der Kanal ohne Bagger saniert

Eis und Schnee halten den Kunststoffschlauch bei der Kanalsanierung auch im Hochsommer flexibel.
Fotos: RhönEnergie Fulda GmbH 

29.07.2026 / BAD SALZSCHLIRF - Ein Lastwagen voller Eis und Schnee mitten im Hochsommer: Zwischen Bad Salzschlirf (Landkreis Fulda) und Wartenberg-Landenhausen (Vogelsbergkreis) sorgt eine Kanalbaustelle derzeit für einen ungewöhnlichen Anblick. Das gefrorene Material wird allerdings dringend benötigt - es hält einen Kunststoffschlauch kühl und flexibel, der in einen bestehenden Abwasserkanal eingezogen wird.



Die RhönEnergie Gruppe saniert auf diese Weise eine rund 1,7 Kilometer lange Leitung. Zum Einsatz kommt das sogenannte Schlauchliner-Verfahren, bei dem innerhalb des alten Kanals ein neues Rohr entsteht. Auf großflächige Grabungsarbeiten kann dadurch weitgehend verzichtet werden.

Eis hält Kunststoffschlauch flexibel

Der Kunststoffschlauch wird zunächst in die vorhandene Leitung eingezogen. Damit das Material trotz der hohen Außentemperaturen nicht vorzeitig aushärtet, wird es mit Eis und Schnee gekühlt. Erst an seinem vorgesehenen Platz härtet der Schlauch aus. Im bestehenden Kanal entsteht so eine neue, widerstandsfähige Innenauskleidung. Das Verfahren spart nach Angaben der Verantwortlichen Zeit und Kosten und reduziert zugleich die Belastungen für Anwohner und Umwelt.

"Das Schlauchliner-Verfahren vereint gleich mehrere entscheidende Vorteile", sagt Roland Hilfenhaus, Prokurist der RhönEnergie Effizienz + Service GmbH. "Da keine großflächigen Aufgrabungen erforderlich sind, bleiben Straßen, Wege und Grundstücke weitgehend unberührt. Das verkürzt die Bauzeit, senkt die Kosten und reduziert Lärm sowie Verkehrsbehinderungen erheblich."

Kanal führt durch Wasserschutzgebiet

Besondere Bedeutung hat die Sanierung, weil der größte Teil der Leitung durch ein Wasserschutzgebiet verläuft. Dort gelten erhöhte Anforderungen an die Dichtheit von Abwasserkanälen, damit kein Abwasser ins Grundwasser gelangen kann. Die Gemeinden Bad Salzschlirf und Wartenberg betreiben das Klärwerk an ihrer Gemeindegrenze gemeinsam. Zusammen mit der RhönEnergie Gruppe entschieden sie sich für das grabenarme Verfahren. Die RhönEnergie übernimmt auch die technische Betriebsführung der Kläranlage.

Nach dem Aushärten soll das neue Rohr dauerhaft dicht sein und unter anderem Chemikalien, Abrieb sowie Wurzeleinwuchs widerstehen. Auch Risse, undichte Stellen und kleinere Rohrversätze können damit ausgeglichen werden. Der Innendurchmesser des Kanals bleibt trotz der zusätzlichen Schicht nahezu vollständig erhalten.

Rund 290.000 Euro werden investiert

Die Lebensdauer des neuen Rohres wird mit bis zu 50 Jahren angegeben. Insgesamt kostet die Sanierung rund 290.000 Euro. Die Bürgermeister Peter Klug aus Bad Salzschlirf und Dr. Olaf Dahlmann aus Wartenberg informierten sich vor Ort über die Arbeiten. Peter Klug sagte: "Für unsere beiden Gemeinden ist das eine Investition in den langfristigen Schutz unseres Trinkwassers. Gleichzeitig zeigen wir, dass sich moderne Technik und ein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Geldern sehr gut miteinander verbinden lassen."

Dr. Olaf Dahlmann ergänzte: "Unsere Bürgerinnen und Bürger profitieren gleich doppelt: Die Arbeiten können deutlich schneller abgeschlossen werden als bei einer klassischen Kanalsanierung, und die Belastungen durch Baustelle, Lärm und Verkehr bleiben auf ein Minimum beschränkt. Das ist eine nachhaltige Lösung für Mensch und Umwelt." (Constantin von Butler/pm) +++

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