Die Statistiken sprechen Bände

295.000 gehen bald in Rente: Braucht Osthessen internationale Arbeitskräfte?

In Hessen werden in den kommenden sieben Jahren rund 295.000 Menschen die Altersgrenze erreichen.
Symbolbild: Pixabay

29.07.2026 / REGION - Hunderttausende Beschäftigte stehen vor dem Ruhestand, der Nachwuchs reicht vielerorts nicht aus - doch gerade in Osthessen beschäftigt ein vergleichsweise geringer Anteil der Betriebe internationale Arbeitskräfte. Während es landesweit fast jedes zweite Unternehmen ist, liegen der Vogelsbergkreis, Fulda und Hersfeld-Rotenburg deutlich unter dem hessischen Durchschnitt.



Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Bundesagentur für Arbeit hervor. Die Zahlen beziehen sich auf September 2025. Demnach beschäftigen 49 Prozent der hessischen Betriebe mindestens einen ausländischen Arbeitnehmer.

Main-Kinzig-Kreis liegt in Osthessen vorne

Innerhalb Osthessens weist der Main-Kinzig-Kreis mit 44 Prozent den höchsten Anteil auf. In den Landkreisen Fulda und Hersfeld-Rotenburg beschäftigen jeweils 37 Prozent der Betriebe ausländische Arbeitskräfte. Der Vogelsbergkreis kommt lediglich auf 35 Prozent.

Damit liegen alle vier osthessischen Kreise unter dem hessischen Durchschnitt von 49 Prozent. Besonders groß ist der Abstand im Vogelsbergkreis mit 14 Prozentpunkten. Eine Übersicht der Bundesagentur zeigt zugleich ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: In Offenbach beschäftigen 69 Prozent der Betriebe ausländische Arbeitnehmer, in Frankfurt sind es 61 Prozent.

295.000 Beschäftigte erreichen Altersgrenze

Die Entwicklung gewinnt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels an Bedeutung. Nach Angaben der Bundesagentur werden in Hessen innerhalb der kommenden sieben Jahre rund 295.000 Menschen die Altersgrenze erreichen und aus dem Berufsleben ausscheiden. 90 Prozent von ihnen sind deutsche Beschäftigte.

Viele dieser Stellen könnten wegen fehlenden Nachwuchses nicht wieder besetzt werden. Zuwanderung und die Integration ausländischer Menschen seien daher ein wichtiger Teil der Lösung.

"Der hessische Arbeitsmarkt ist angesichts der demografischen Entwicklung auf Zuwanderung angewiesen. Umso wichtiger ist es, dass immer mehr Betriebe ausländische Arbeitnehmer beschäftigen. Deren Anteil ist in den letzten 5 Jahren kontinuierlich gestiegen. Die über 80.000 hessischen Arbeitgeber sind Chancengeber, denn sie ermöglichen ausländischen Arbeitskräften in Deutschland zu arbeiten und tragen so dazu bei, die dringend benötigten Arbeits- und Fachkräfte langfristig für ihren Betrieb und für unsere Gesellschaft zu sichern.", sagt Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit.

Ausländische Beschäftigte tragen Wachstum

Hessenweit arbeiten mehr als 567.400 ausländische Staatsbürger in rund 80.500 Betrieben. Insgesamt gab es zum Erhebungszeitpunkt 163.693 Betriebe. Vor zehn Jahren beschäftigten lediglich 37 Prozent der Unternehmen ausländische Arbeitskräfte, inzwischen sind es 49 Prozent.

Auch beim Beschäftigungswachstum spielen internationale Arbeitnehmer eine entscheidende Rolle. Die Zahl aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen ist seit 2015 um rund 345.000 gestiegen. Etwa 247.000 dieser zusätzlichen Beschäftigten waren ausländische Staatsbürger.

Damit entfielen 72 Prozent des Beschäftigungsaufbaus auf ausländische Arbeitskräfte. Von den ausländischen Beschäftigten arbeiten 43 Prozent in qualifizierten Tätigkeiten - als Fachkräfte, Spezialisten oder Experten.

Betriebsgröße macht deutlichen Unterschied

Je größer ein Unternehmen ist, desto häufiger gehören internationale Arbeitskräfte zur Belegschaft. Bei Betrieben mit einem bis vier Mitarbeitern liegt der Anteil bei 33 Prozent. Bei fünf bis 19 Beschäftigten steigt er bereits auf 63 Prozent. Von den Betrieben mit 20 bis 99 Mitarbeitern beschäftigen 89 Prozent ausländische Arbeitnehmer. Bei 100 bis 499 Beschäftigten sind es 99 Prozent, ab 500 Mitarbeitern praktisch alle Unternehmen.

Als Hürden nennt die Bundesagentur unter anderem Aufenthaltstitel, Arbeitsgenehmigungen, zusätzlichen Verwaltungsaufwand, Kosten sowie sprachliche und kulturelle Unterschiede. Die Erfahrung zeige jedoch, dass Betriebe nach der ersten Einstellung häufig weitere internationale Mitarbeiter beschäftigten. (Constantin von Butler) +++

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