Egal, wie schwierig und verletzt
Hier zählt jedes Leben: Das ist der Tierschutzverein "Verantwortung Leben"
Fotos: Carina Jirsch
02.08.2026 / HOSENFELD -
Hier geht es oft um Leben und Tod. Ein verletzter Kater, ein vernachlässigtes Pferd, ein Tier, das niemand versorgen kann. Und jedes Mal sagt Silke Gramatzki-Wieczorek: "Wir schaffen das." Seit Jahren ist der Lebenshof in Hosenfeld-Hainzell (Landkreis Fulda) ein sicherer Hafen für die Tiere, die sonst keine Chance mehr hätten. Es ist ein Ort, an dem Folgendes gelebt wird: "Jedes Tier darf hier so sein, wie es möchte und wie es ihm möglich ist."
Gemeinsam mit ihrem Mann, dem früheren Polizisten Joachim, und ihrem Team kümmert sich Silke jedes Jahr um hunderte Tiere - die dann auch ein neues Zuhause bekommen. Bei einer exklusiven Führung erhält OSTHESSEN|NEWS einen genauen Einblick in die Arbeit des 2006 gegründeten Tierschutzvereins. Dabei wird schnell klar: Hier leben Tier und Mensch auf Augenhöhe.
Eigene Palliativstation für Katzen - jedes Lebewesen verdient ein würdiges Ende
Aktuell leben acht Pferde auf dem Lebenshof. Sie sollen ihren Lebensabend in Hosenfeld verbringen und werden nicht mehr vermittelt. Sechs von ihnen lassen sich auch noch reiten, auch wenn die Hofbetreiberin betont: "Das steht bei uns nicht im Vordergrund." Zusätzlich bietet das Gelände ein Zuhause für zahlreiche Katzen. Dabei macht die gelernte Einzelhandelskauffrau klar: "Wir würfeln keine Tiere zusammen. In unseren Katzenzimmern leben nur Tiere, die vorher in einem Haushalt gewohnt haben." Im derzeit größten Katzenzimmer, der "Palliativstation", leben die schwer kranken Tiere. So beispielsweise Fritzi, Rosa und Peterle. Fritzi ist seit drei Jahren bei "Verantwortung Leben" und leidet an einem Lebertumor. Die verschmuste Rosa hat einen Bauchspeicheldrüsentumor und bekommt hier einen schmerzfreien Lebensabend. Wie Fritzi ist sie über 15 Jahre alt. Ebenfalls Teil der Gruppe ist Peterle. Nach einem Autounfall sind seine Hinterbeine in X-Stellung, was ihm das Laufen erschwert. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, sich vor unserer O|N-Linse zu präsentieren.
Über 150 Tiere finden im Jahr ihr liebevolles Zuhause
"Oft kommen die Tiere in einem schrecklichen Zustand zu uns. Wir tun dann alles, um ihnen zu helfen und ein neues Zuhause zu ermöglichen", erklärt Silke. Ihr Ehrgeiz, ihre Liebe und ihre Zuneigung führen dann oft zum gewünschten Happy End: Im Laufe der Jahre wurden über 3.000 Tiere vermittelt - das entspricht über 150 Tieren im Jahr. Sie alle bekommen eine liebende Familie. Mit dem Ehrenamt und Spenden bis zum Bundesverdienstkreuz
Eine entscheidende Stütze bei der täglichen Arbeit: die zahlreichen Ehrenamtler. Insgesamt arbeiten 42 Personen für "Verantwortung Leben" - und geben jeden Tag ihr Bestes, um den Tieren eine fantastische Zeit zu schenken. "Wir brauchen die Ehrenamtler", betont Silke im Gespräch mit O|N. "Auch sie haben ihre 40-Stunden-Woche und helfen dann hier am Hof - beim Vermitteln, Pflegen und einfach für die Tiere da zu sein." Der Tierschutzverein finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Folgender Fall zeigt beispielsweise, was mit dem Geld passiert: "Wir haben einen 18-jährigen Kater mit faulen Zähnen bekommen und ihn zu unserer Zahnärztin gebracht und 1.900 Euro unserer Spenden für ihn investiert. Jetzt lebt er in Köln und wir bekommen regelmäßig Bilder geschickt." Genau für solche aufmunternden Geschichten lohnt sich die Arbeit des Tierschutzvereins. Der alte Kater lebt jetzt schmerzfrei und hat angefangen zu spielen.
Ein Herz für die, die oft übersehen werden
Beim Besuch zeigt sich, was alle Beteiligten mit "Verantwortung Leben" erreichen möchten: Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren sensibilisieren und ihnen vermitteln, dass jedes Leben zählt. Der religiöse Leitsatz begleitet sie dabei täglich: "Gott hat uns die Tiere anvertraut und nicht ausgeliefert." Silkes eigenes Herz schlägt dabei besonders für die Alten, die Kranken und die Schwachen, die hier einen geschützten Platz finden.
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