"Wie eine zweite Ehe" in der Küche

30 Jahre "Zum Alten Forsthaus": Das Geheimrezept von Martin & Mirko

Seit 30 Jahren führen sie gemeinsam mit großartigem Erfolg das Restaurant "Zum Alten Forsthaus" in Niederaula: Küchenchef Mirko Klamke (links) und Forsthauswirt Martin Diebel
Fotos: Hans-Hubertus Braune

29.07.2026 / NIEDERAULA - Kaum zu glauben und doch wahr: Seit mittlerweile schon 30 Jahren führt Martin Diebel das Restaurant "Zum Alten Forsthaus" in der Ortsmitte von Niederaula (Landkreis Hersfeld-Rotenburg). Das erste Haus am Platze hat sich in dieser Zeit zu einem beliebten Anlaufpunkt für Genussliebhaber entwickelt. Die herausragende Küche, das Ambiente und das familiäre Flair sind Faktoren, die für den Erfolg der Forsthaus-Mannschaft stehen.



Dahinter stecken jede Menge Arbeit, viel Herzblut und ein Geheimrezept. Am Sonntag werden die beiden Macher Martin Diebel und Mirko Klamke mit allen Freunden, Partnern und Gästen zusammen anstoßen. Zünftig, versteht sich, ab 11 Uhr in der Starnberger Hütte. Die Kirchheimer Blasmusik spielt auf, im Ausschank gibt es Starnberger Helles und aus der Forsthaus-Küche Schäuffele und weitere deftige Speisen.

Urig, wie es im Alten Forsthaus eben so sympathisch zugeht. Die Küche besticht durch ihre Flexibilität auf der Speisekarte. Neben klassischer deutscher Küche sorgt Küchenchef Mirko Klamke für immer neue Kreationen. "Er hat immer die Ideen. Beim Fußball würde man sagen, er ist der Techniker und ich bin für das Gröbere zuständig", lacht Forsthauswirt Martin.

Angefangen hat alles im Gourmet-Tempel Bareiss im Schwarzwald

Die beiden gestandenen Familienväter und gelernten Köche sind die Doppelspitze im großartigen Team. Angefangen hat alles vor 30 Jahren, exakt 346 Kilometer südwestlich von Niederaula. Mirko arbeitete damals schon im Hotel Barreis in Baiersbronn, Martin kam hinzu. Dort, in einer der besten Sternenküchen Deutschlands, lernen sie sich kennen. Es entwickelt sich eine Freundschaft. Als in Diebels Heimatgemeinde ein Nachfolger für das Alte Forsthaus gesucht wurde, nutzte er mit damals 22 Jahren diese Chance und nahm den ein Jahr älteren Klamke gleich mit.

70.000 D-Mark musste Diebel auf den Tisch des damaligen Bürgermeisters blättern. "Meine Eltern haben für mich gebürgt, sonst hätten wir das damals als junge Kerle niemals machen können", erzählt er in einem eigens für das Jubiläum produzierten Video. "Mein Vater hat mich unterstützt, hat die Buchführung gemacht und mir gezeigt, wie das funktioniert", erzählt Martin. Vor 22 Jahren starb Vater und Ehemann Kurt, für die Familie natürlich ein Schock. Doch zusammen überstanden sie die schwere Zeit und machten auch in seinem Sinne weiter.

Seine Mutter Ingrid steht heute noch jeden Tag in der Küche und unterstützt. "Wir haben mit vier Mann angefangen. Das hat sich alles so entwickelt und ich bin immer noch da", sagt sie und ist unverzichtbarer Teil des Teams. Martins Schwester Andrea ist seit vielen Jahren ebenfalls fest im Team, seine Brüder Joachim und Wolfgang helfen, wann immer es geht. Das Teamwork ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Alten Forsthaus. Mit Steffen Ries und Thomas Panthen konnte Diebel zwei absolute Serviceprofis ins Forsthaus locken. Die Mannschaft besteht zudem aus vielen Aushilfen, die ebenfalls seit Jahren an Bord sind und dafür sorgen, dass der Service im Restaurant und bei den Feiern im großen und klimatisierten Saal perfekt funktioniert. Gerade an heißen Sommertagen sorgt die neue Klimaanlage für angenehme Temperaturen im rund 450 Gäste fassenden Saal.

Über ihren Chef: "Für uns würde er sein letztes Hemd geben"

Sina Schmidt arbeitet seit über 14 Jahren im Forsthaus, ihre Kollegin Sabine Steinberg seit acht Jahren. Sie schätzen ihren Chef wie alle anderen auch. "Er ist ein lieber Mensch, harte Schale, weicher Kern", sagen sie mit einem Lächeln im Gesicht. Er würde für seine Mitarbeiter sein letztes Hemd geben. Diese Leidenschaft ist es, die als weitere Zutat im Geheimrezept des Erfolges enthalten ist. Basis ist die enge Freundschaft von Martin und Mirko. "Man ist mehr im Forsthaus als zu Hause. Das ist wie eine zweite Ehe", lachen sie. "Es ist wie ins eigene Wohnzimmer zu kommen", schildert Mirko. Sie wissen aber ganz genau: "Ohne unsere Familien würde es gar nicht gehen."

Ohne diesen Zusammenhalt lässt sich ein Betrieb vom Format des Alten Forsthauses in der heutigen Zeit kaum mehr realisieren. Gerade in einer Branche, die von Fachkräftemangel, von hohen Kosten, von fehlenden Nachfolgern und immer neuen Vorgaben arg gebeutelt ist. Für die Zukunft wünschen sich die Forsthäusler, dass alle gesund bleiben und sie noch viele Jahre das Restaurant und den angeschlossenen Cateringbetrieb so fortführen können.

"Ich bin einfach dafür geboren", sagt Martin Diebel. Er ist seiner Frau Anja so dankbar, dass sie alle Herausforderungen meistert. "Ich wünsche mir, dass mein Sohn stabil bleibt, und viel Kraft für meine Frau. Was sie leistet, ist Wahnsinn", sagt der Familienvater, Forsthauswirt und Sportvereinspräsident über seine ganz persönlichen Wünsche.

Am Sonntag stoßen sie alle zusammen an und vielleicht gönnt sich der Schalke-Fan auch eine ordentliche Zigarre. Schließlich können er, können sie alle stolz darauf sein, was sie in den vergangenen Jahren geleistet und aufgebaut haben: Sie alle sind Teil des Geheimrezeptes vom Restaurant "Zum Alten Forsthaus" in Niederaula. (Hans-Hubertus Braune) +++

Ein Großteil des Team vom Alten Forsthaus in Niederaula kurz vor einem gemeinsamen Ausflug nach Thüringen zum Waldrestaurant und Hotel Hohe Sonne in Eisenach

Forsthauswirt Martin Diebel ist seit 30 Jahren Chef vom Restaurant \"Zum Alten Forsthaus\" in Niederaula

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