Notfälle haben Vorrang - nicht das Telefon
MVZ Osthessen oft der Lückenbüßer und dafür unberechtigt in der Kritik
Das MVZ Osthessen am Klinikum Fulda ist stark gefragt – und an der Kapazitätsobergrenze.
Fotos: Hendrik Urbin
24.07.2026 / FULDA -
Viele Hausarzt- und Facharztpraxen schließen, einen Nachfolger gibt es nicht. Ärztliche Kollegen sollen dann übernehmen, sind aber schön völlig überlastet und nehmen meistens keine Neupatienten mehr auf. Die Folge: Die Patienten landen fälschlicherweise in den Notaufnahmen der Krankenhäuser oder in großen Medizinischen Versorgungszentren – wie dem MVZ Osthessen am Klinikum Fulda.
Das osthessische Krankenhaus der Maximalversorgung, das sich im Eigentum der Stadt Fulda befindet, betreibt ein solches MVZ als 100-prozentige Tochtergesellschaft. Auch dort sind die Ärzte und medizinischen Angestellten am Limit, denn nicht selten ist das MVZ Osthessen für die Patienten die letzte Anlaufstelle. In den 23 Fachbereichen werden jährlich rund 75.000 Patienten behandelt. Insgesamt registriert das MVZ mehr als 200.000 Patientenkontakte pro Jahr: am Tresen, am Telefon und in den Sprechstunden. Tendenz weiter steigend.
"Wir haben grundsätzlich immer von Montag bis Freitag geöffnet, auch in den Ferien, und schicken keine Patienten weg", sagt Simone Del-Duca, Geschäftsführerin der Medizinischen Versorgungszentrum Osthessen GmbH, auf OSTHESSEN|NEWS-Nachfrage. Kritik wird immer mal wieder aufgrund "schlechter Erreichbarkeit" laut. Doch Del-Duca stellt sich hinter ihr Team und betont: "Allein im MVZ Osthessen gehen täglich zwischen 800 und 1.000 Anrufe ein. Dabei kann es zu Engpässen bei der telefonischen Erreichbarkeit kommen, aber wir sind nicht untätig: Die Nachfrage nach einem Termin ist extrem groß und Notfälle haben eben Vorrang, denn die Versorgung unserer Patienten hat höchste Priorität. Selbstverständlich arbeiten wir permanent daran, noch besser zu werden."
Maximal könnten acht Gespräche gleichzeitig angenommen werden. "Ist diese Anzahl überschritten, erfolgt automatisch eine Bandansage oder das Besetztzeichen ertönt." Die Mitarbeiter würden die Anrufe parallel zum täglichen Praxisbetrieb annehmen. Unsere Teams sind zwar in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, aber die ständig steigende Anzahl von Anrufen im laufenden Betrieb lässt sich nicht vollständig auffangen."
Patienten kommen aus ganz Osthessen, dem Main-Kinzig-Kreis, Südthüringen und Unterfranken ins MVZ am Klinikum Fulda. "Wir stehen zu unserem Versorgungsauftrag", sagt Simone Del-Duca und kündigt technische Veränderungen an, die Erreichbarkeit und Terminvergabe erleichtern sollen.
"Eine direkte Online-Terminvergabe per App oder Website wird im Laufe des Jahres implementiert werden. Gemeinsam mit dem Klinikum Fulda wird dafür ein sogenanntes Patienten-Portal eingeführt", berichtet die MVZ-Chefin und erklärt weiter: "Auch die Einführung eines KI-basierten Telefonassistenten wird voraussichtlich gegen Ende des Jahres 2026 abgeschlossen sein. Damit werden Anrufe intelligent angenommen und Standardprozesse wie Terminvereinbarungen oder Rezeptbestellungen direkt erledigt werden können."
Das MVZ Osthessen ist also oft der Lückenbüßer der Arztpraxen, die geschlossen, teilweise ihre Sprechzeiten eingeschränkt haben oder den Fokus vermehrt auf Privatpatienten legen und telefonisch gar nicht mehr erreichbar sind. Dafür erntet die über 60 Ärzte große Mega-Praxis am Klinikum dann viel Kritik, die allerdings nur wenig berechtigt ist. Klar ist auch, dass die aktuelle Versorgungssituation, auch im Hinblick auf das neue GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, neuer Standard sein wird: Viele Patienten müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen – nicht nur am Telefon. (Christian P. Stadtfeld) +++