Kommentar von Hans-Hubertus Braune

O|N-Chefreporter meint: Wenn einer Nationaltrainer kann, dann "Kloppo"

O{N-Chefreporter Hans-Hubertusa Braune ist selbst im Fußball-Umfeld aktiv
Archivbild: O|N/André Söllner

24.07.2026 / REGION - Jürgen Klopp ist zurück auf der großen Fußballbühne und macht sofort klar, dass ab sofort ein anderer Wind durch die mächtige Zentrale des deutschen Fußballs wehen soll. Fulminant, wortreich und voller Begeisterung: Diese Pressekonferenz am Freitagvormittag auf dem DFB-Campus hat definitiv neue Lust für die Fußball-Nationalmannschaft entfacht.



Lust, die man im politischen Berlin schmerzlich vermisst. Was dort abläuft, ist gefühlt das krasse Gegenbeispiel. Leider. Dieser kleine Seitenblick muss sein. Denn fast zeitgleich präsentierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine Kabinettsumstellung, ohne einen neuen Verkehrsminister für den kurzerhand entlassenen Patrick Schnieder. Bitter, der Nachfolger hatte laut BILD-Zeitung morgens um vier Uhr einfach abgesagt. Das blieb dem Fußball erspart. Klopp will und die DFB-Gremien haben natürlich auch "Ja" gesagt. Gut so.

Was Mut macht: Der Deutsche Fußball-Bund hat mit der Personalie Klopp eindrucksvoll gezeigt, dass nur wenige Wochen nach dem desaströsen Aus im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaften (1:2 gegen Paraguay) eine neue Führungspersönlichkeit an der sportlichen Spitze installiert wurde. Und das, obwohl Klopp einen laufenden Vertrag beim mächtigen Red-Bull-Konzern hatte. Dieser hat ihm die Flügel zum Fliegen Richtung A-Team verpasst und damit clever ganz nebenbei das eigene Image aufpoliert. Also, Gewinner auf ganzer Linie. Übrigens auch die medizinische Rückenmarksforschung "Wings for Life". Dieser RB-Stiftung hat der DFB eine Million Euro gespendet.

"Wer Jürgen holt, kriegt ihn"

"Wer Jürgen holt, kriegt ihn", sagte der 59-jährige Erfolgscoach, der mit Borussia Dortmund sowie dem FC Liverpool national wie international Titel holte und seine Trainerkarriere übrigens im Jahr 1987 bei den D-Junioren von Eintracht Frankfurt begann.

Jetzt, knapp 40 Jahre später, steht er vor einer ganz anderen, einer besonderen Herausforderung: Jürgen Klopp soll den deutschen Fußball wieder salonfähig machen. Derzeit ist Deutschland auf Platz elf der Weltrangliste abgetaucht. Zu wenig für das Anspruchsdenken. Aber auch hier muss ein neuer Ansatz her.

Ich bin mir sicher, wenn es einer schaffen kann, dann nur "Kloppo", so Jürgen Klopps Spitzname.

Die Art und Weise, wie er gegenüber den Medien am Freitagvormittag aufgetreten ist, imponiert. "Ich mache das nicht für mich, ich mache das für Euch alle", sagt Klopp. Da sitzt einer zwischen DFB-Präsident Bernd Neuendorf und dem ersten Vizepräsidenten Jürgen Watze, der sofort die Szenerie voll im Griff hat. Einer, der Begeisterung, Mut und positives Denken verlangt. Keine Miesepeter, kein Negativmensch. "Die Erwartungshaltung in Deutschland ist Wahnsinn", sagt Klopp. Trotzdem hat er "Lust auf diese Nummer" und hat sich dafür "das perfekte" Paket zusammengestellt.

Dass er beispielsweise seinen langjährigen Berater Marc Kosicke mit ins Boot geholt hat, zeigt: Auch das öffentliche Auftreten, das Bild des Teams soll sich positiv verändern. Unter Jürgen Klopp wird ganz sicher kein Spieler mehr öffentlich gedemütigt. Und, dass er tiefer reinschaut in die Struktur des Verbandes, und Hannes Wolf für den Juniorenbereich stärken will, das glaube ich ihm komplett.

Nicht das Ergebnis, die Art und Weise zählt

Jürgen Klopp ist die Spitze eines Teams, welchem der neue Nationaltrainer vertraut - das ist logisch. Er sieht sich nicht als Einzelkämpfer, sondern will uns alle abholen. Es gehe darum, wieder neue Lust auf die Spiele der Nationalmannschaft zu wecken. Mutigen, schönen Fußball sollen sie spielen. Zuletzt war das Interesse insbesondere an den Freundschaftsspielen der Nationalmannschaft eher dürftig. Ehrlich gesagt haben mich diese Spiele null interessiert.

Mit Jürgen Klopp an der Seitenlinie wird das anders. Wir müssen aber bereit sein, die Entwicklung zu sehen. Nackte Ergebnisse sind nicht alles. Jürgen Klopp ist das einzig Richtige, was dem deutschen Fußball passieren konnte. Davon bin ich überzeugt. (Hans-Hubertus Braune) +++


Symbolbild: Hans-Hubertus Braune
O|N-Chefreporter Hans-Hubertus Braune
Archivbild: O|N/Bernd Vogt

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