Mammut-Sanierung in der Jakobikirche

Schimmel, 15.000 Einzelteile und 2.000 Pfeifen: Die Orgel wird zerlegt

Orgelbaumeister Peter Kozeluh (Inhaber der Orgelbauwerkstatt Rotenburg) und Pfarrer Michael Dorfschäfer
Fotos: Dorothee Stuckardt

24.07.2026 / ROTENBURG/F. - Rund 2.000 Pfeifen, etwa 15.000 Einzelteile und ein unerwarteter Schimmelbefall: In der Jakobikirche in Rotenburg an der Fulda hat eine aufwendige Sanierung begonnen. Die historische Orgel wird dafür in ihre Einzelteile zerlegt, gründlich untersucht und technisch umfassend überarbeitet. Für die Fachleute ist es ein außergewöhnliches Projekt - und zugleich eine Herzensangelegenheit.



Seit rund fünf Wochen arbeitet die Orgelbauwerkstatt Rotenburg unter der Leitung von Peter Kozeluh an dem traditionsreichen Instrument. Schon beim Betreten der Kirche am Marktplatz fällt die Orgel hoch oben auf der Empore ins Auge. Mit ihrem eindrucksvollen Prospekt prägt sie das Erscheinungsbild und die Atmosphäre des imposanten Kirchengebäudes.

Hinter der majestätischen Fassade verbirgt sich allerdings ein komplexes Bauprojekt. "Die Sanierung ist dringend notwendig geworden", erklärt Orgelbaumeister Peter Kozeluh, der interessierten Besuchern vor Ort regelmäßig Einblicke in die Arbeiten gibt.

Verstorbener Bezirkskantor brachte Projekt auf den Weg

Der Beginn der Sanierung geht maßgeblich auf das Engagement des inzwischen verstorbenen ehemaligen Bezirkskantors Christian Zierenberg zurück. Er hatte sich über einen längeren Zeitraum für die Instandsetzung der Orgel eingesetzt. Nach etwa zwei Jahren Vorbereitung konnte das Vorhaben nun beginnen. Dabei wartet auf die Fachleute eine enorme Aufgabe: Sämtliche rund 2.000 Pfeifen müssen ausgebaut werden. Die Spannweite reicht von nur wenigen Millimetern kleinen Pfeifen bis hin zu mehreren Meter langen Exemplaren.

Jede einzelne Pfeife wird geprüft, gereinigt und bearbeitet, bevor sie später wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehrt. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie aus Holz oder Metall besteht.

Schimmelbefall bei Demontage entdeckt

Während der Demontage machten die Orgelbauer jedoch einen zusätzlichen Fund: An Teilen des Instruments wurde Schimmel festgestellt. Die betroffenen Bauteile müssen deshalb einer speziellen Behandlung unterzogen werden. Eine besondere Herausforderung ist zudem die historische Technik der Orgel aus dem Jahr 1682. Rund 15.000 Einzelteile müssen kontrolliert, neu eingestellt und wieder funktionsfähig gemacht werden.

Wie komplex das Zusammenspiel der Bauteile ist, zeigt sich bereits bei einem einzigen Ton. Ein Tastendruck kann bis zu 50 mechanische Abläufe auslösen, bevor die entsprechende Pfeife erklingt. "Es ist faszinierend, mit welcher Ingenieurskunst solche Instrumente damals entwickelt wurden", so Kozeluh.

Neue Windversorgung für historischen Klang

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Orgel mehrfach umgebaut und verändert. Mit der aktuellen Sanierung soll unter anderem wieder eine gute Klangqualität hergestellt werden. Zugleich sollen spätere und weniger gelungene Veränderungen korrigiert werden. Die Orgel erhält außerdem eine vollständig neue Windversorgung. Dafür werden unter anderem aufwendig von Hand gefertigte Blasebälge eingebaut. Sie sollen künftig die notwendige Luft liefern, damit die mehr als 2.000 Pfeifen wieder harmonisch zusammenspielen können.

Pfarrer Michael Dorfschäfer verfolgt die Arbeiten mit großem Interesse. Als Orgelsachverständiger kennt er die Bedeutung und Dringlichkeit der Maßnahmen. Die fachliche Leitung wurde dennoch bewusst einem externen Sachverständigen übertragen. Dadurch sollen die Neutralität und die Qualität der Arbeiten sichergestellt werden. "Ich bin froh, dass die Sanierung nun begonnen hat und wir diese wichtige Nachricht mit unserer Gemeinde und den Förderern teilen können", betont Dorfschäfer.

Herzensprojekt mitten in Rotenburg

Bis die historische Orgel wieder vollständig erklingen kann, werden die Arbeiten noch einige Zeit dauern. Für die Mitarbeiter der Orgelbauwerkstatt Rotenburg ist die Restaurierung nicht nur ein Auftrag, sondern auch eine Herzensangelegenheit.

Mit großer Leidenschaft widmet sich das Team der anspruchsvollen Aufgabe. Selbst die kurzen Wege innerhalb Rotenburgs werden teilweise mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Am Ende soll die Orgel der Jakobikirche nicht nur äußerlich wieder in neuem Glanz erstrahlen. Vor allem klanglich soll das Instrument wieder überzeugen. Wenn alle Pfeifen nach Abschluss der Sanierung erneut harmonisch zusammenspielen, dürfen sich die Kirchengemeinde und die Besucher auf ein außergewöhnliches Musikerlebnis freuen. (Constantin von Butler) +++

X