Kontrollen in Osthessen

Deutlich mehr E-Scooter-Unfälle: Polizei zieht Bilanz nach Kontrolltag

Im Jahr 2025 registrierte die Polizei in Osthessen einen Anstieg an Verkehrsunfälle von rund 109 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Symbolfoto: O|N/Carina Jirsch

24.07.2026 / REGION - Immer mehr Menschen nutzen E-Scooter für kurze Wege im Alltag. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Elektrokleinstfahrzeuge beteiligt sind. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei in Osthessen 92 Unfälle unter Beteiligung von E-Scootern – ein Anstieg von rund 109 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei wurden 73 Menschen verletzt – 13 von ihnen schwer und 60 leicht.



Vor diesem Hintergrund führte die osthessische Polizei am Dienstag gezielte Verkehrskontrollen in den Landkreisen Fulda, Hersfeld-Rotenburg und Vogelsberg durch. Ziel der Kontrollaktion war es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, Verstöße konsequent zu ahnden und gleichzeitig über die geltenden Vorschriften für die Nutzung von Elektrokleinstfahrzeugen aufzuklären.

Unfallzahlen haben sich mehr als verdoppelt

Während der Kontrollen überprüften die Einsatzkräfte insgesamt 81 E-Scooter sowie deren Fahrerinnen und Fahrer. Davon beanstandeten sie 23 E-Scooter und stellten 45 Verstöße fest. Diese reichten von Ordnungswidrigkeiten bis hin zu Straftaten, wie etwa der verbotswidrigen Nutzung von Gehwegen und Fußgängerzonen, Fahren unter dem Einfluss berauschender Mittel oder Fahrten ohne gültigen Versicherungsschutz.

Zahlreiche Verstöße bei Kontrollaktion festgestellt

Polizeioberkommissar Benjamin Reith vom regionalen Verkehrsdienst Fulda zieht eine positive Bilanz der Kontrollaktion: "Die deutliche Zunahme der Unfallzahlen zeigt, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht. E-Scooter-Fahrer sind bei einem Zusammenstoß oder Sturz weitgehend ungeschützt und tragen deshalb ein besonders hohes Verletzungsrisiko. Mit unseren Kontrollen wollen wir Regelverstöße konsequent verfolgen, zugleich aber auch für eine verantwortungsbewusste und rücksichtsvolle Nutzung sensibilisieren." Die Polizei wird auch künftig gezielte Kontrollen durchführen. Neben der konsequenten Verfolgung von Verkehrsverstößen setzt sie weiterhin auf Aufklärung, um die Zahl der Unfälle nachhaltig zu reduzieren.

Befähigungsnachweis und Erhöhung des Mindestnutzungsalters gefordert

Um eine sichere Mobilität zu ermöglichen, fordert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) einen Befähigungsnachweis für die Fahrer von E-Rollern. "Wir müssen sicherstellen, dass alle, die mit einem E-Scooter unterwegs sind, die wichtigsten Regeln kennen und ihr Fahrzeug sicher beherrschen", betonte DVR-Präsident Manfred Wirsch. "Deshalb brauchen wir einen Befähigungsnachweis, vergleichbar mit der Mofa-Prüfbescheinigung. Dabei sollten grundlegende Verkehrsregeln ebenso vermittelt werden wie die sichere fahrphysikalische Beherrschung des Fahrzeugs. Jugendliche könnten eine solche Ausbildung bereits im schulischen Kontext absolvieren."

Ein besonderes Risiko besteht vor allem bei jüngeren Altersgruppen. Im vergangenen Jahr waren bundesweit 2.200 der Verunglückten jünger als 15 Jahre. Sehr oft handelte es sich dabei auch um unerlaubte Mitfahrer oder Mitfahrerinnen. Der DVR fordert aus diesem Grund eine Erhöhung des Mindestalters auf 15 Jahre – ob die doch eher geringe Erhöhung um ein Jahr nun wirklich den gewünschten Erfolg hat, lässt sich schwer sagen und ist Gegenstand vieler Diskussionen. "Wer ein motorisiertes Fahrzeug im Straßenverkehr bewegt, braucht die nötige Reife und Erfahrung", so Manfred Wirsch und ergänzte: "Die Unfallzahlen zeigen deutlich, dass das Mindestalter auf 15 Jahre angehoben werden muss."

Bund und Länder müssen nachsteuern

Der DVR begrüßt die ab 2027 geltende Blinkerpflicht für Neufahrzeuge sowie die angehobenen Verwarngelder für unerlaubte Gehwegnutzung und das Fahren zu zweit. Positiv bewertet der DVR auch die geplante Einbeziehung von E-Scootern in die Gefährdungshaftung der Fahrzeughalter, die sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren befindet. Diese Regelung soll Menschen, die durch rücksichtslos abgestellte E-Scooter verletzt werden, den Zugang zu Entschädigungen erleichtern.

"Angesichts der alarmierenden Unfallbilanz appelliere ich an Bund und Länder, bei den Regeln für E-Scooter kontinuierlich nachzusteuern", sagt Manfred Wirsch. "Ein Befähigungsnachweis, ein Mindestalter von 15 Jahren und eine bessere Sichtbarkeit können dazu beitragen, die Zahl schwerer Unfälle wirksam zu senken." Zudem rät der DVR dringend zum Selbstschutz: "Wer mit dem E-Scooter sicher unterwegs sein will, sollte sich nicht nur an die Verkehrsregeln halten und vorausschauend fahren, sondern auch einen Helm tragen, um das Risiko schwerer Kopfverletzungen zu reduzieren", rät Manfred Wirsch.

Die wichtigsten Regeln für E-Scooter

Die wichtigsten Regeln für E-Scooter auf einen Blick: Kein Führerschein erforderlich, Mindestalter von 14 Jahren, versicherungspflichtig (gültige Versicherungsplakette erforderlich), Betriebserlaubnis des Fahrzeugs notwendig, Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h, Nutzung auf Radwegen (ersatzweise auf der Fahrbahn), Gehwege und Fußgängerzonen sind tabu (sofern nicht ausdrücklich freigegeben), keine Mitnahme weiterer Personen, kein Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss (es gelten die gesetzlichen Vorschriften), das Fahrzeug muss sich in einem verkehrssicheren Zustand befinden (Beleuchtung, Klingel, Bremsen).

Die Polizei empfiehlt darüber hinaus das Tragen eines Fahrradhelms. Zwar besteht hierfür keine gesetzliche Pflicht, ein Helm kann bei einem Sturz jedoch das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich verringern. (jk/pg/pm) +++

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