Klimawandel vor der Haustür
Trockenheit und Rekordhitze: Diese Maßnahmen plant die Festspielstadt
Archivfotos: O|N
29.07.2026 / BAD HERSFELD -
Der Sommer des Jahres 2026 zeigte sich bislang von seiner erbarmungslosen Seite. Während der Hitzewelle im Juni wurden in Teilen Deutschlands Hitzerekorde von mehr als 40 Grad Celsius aufgestellt. Auch in Bad Hersfeld ächzten Anwohner und Besucher unter den hohen Temperaturen. Zudem präsentierte sich der bisherige Sommer ausgesprochen trocken – vertrocknete Grünflächen und Bäume sind vielerorts zu sehen.
OSTHESSEN|NEWS wollte daher wissen: Wie hart traf der bisherige Sommer die Stadt Bad Hersfeld? Immerhin zierten Bilder aus anderen Städten die Landesmedien, auf denen zu sehen war, wie sich Asphalt auflöste, Grünflächen in Brand gerieten und Tierstationen aus allen Nähten platzten, weil sie sich um durstige Wildtiere kümmern mussten.
Hitzewelle: Bad Hersfeld bislang gut gewappnet
O|N sprach mit Bad Hersfelds Pressesprecherin Laura Hellwig über die möglichen Konsequenzen und Auswirkungen des bisherigen Sommers. "Leider ist dieses Wetterphänomen nicht neu, aber aktuell spüren wir keine weitreichenden Konsequenzen. Unsere Gärtnerinnen und Gärtner passen die Bepflanzung in der Stadt bereits im Vorfeld an die Witterung der jeweiligen Jahreszeit an", sagte sie.Auch sonst gebe es keine nennenswerten Schäden, wie sie beispielsweise aus anderen Städten gemeldet wurden. Hellwig fügte hinzu: "Nichtsdestotrotz sieht man natürlich trockene Rasenflächen in einigen Anlagen. Diese Bereiche werden sich aber wieder erholen."
Mensch und Natur langfristig schützen
Durch den fortschreitenden Klimawandel gehen Experten davon aus, dass immer heißere Sommer künftig eher die Regel als die Ausnahme sein werden. Daher habe man in Bad Hersfeld ein Konzept entwickelt, um für die Zukunft gerüstet zu sein. "Vor zwei Jahren haben wir eine sogenannte Kühle Karte entworfen, die anzeigt, wo es in der Stadt Schattenplätze, Grünanlagen, Wasserstellen und Trinkwasser gibt. Diese Karte ist online und in der Tourist-Info erhältlich", erklärte Hellwig. Die Stadt stellt Bürgern und Besuchern damit verschiedene Möglichkeiten zur Abkühlung zur Verfügung.Bad Hersfeld soll grüner werden
Doch damit nicht genug. Laut Hellwig werden derzeit weitere Maßnahmen geprüft, die die gesamte Stadt grüner machen sollen. Konkret geht es um neue Pflanzkübel sowie die Begrünung von Fassaden. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Pflanzen Städte deutlich abkühlen können, da sie Schatten spenden und über ihre Blätter Wasser verdunsten. Dieser Prozess entzieht der Umgebung Wärme, gleichzeitig wird die zusätzliche Wärmeabstrahlung von Beton und Asphalt reduziert.Gradierwerk für bessere Luft
Ebenfalls in Planung ist die Anschaffung eines Gradierwerks. Hellwig: "Im Rahmen des Förderprogramms Zukunft Innenstadt haben wir vorgesehen, ein mobiles Gradierwerk für die Stadt Bad Hersfeld anzuschaffen." Diese Anlagen können mehrere Meter lang und hoch sein und sorgen auch an heißen Sommertagen für angenehmere Luft.Wasserentnahme im Landkreis bleibt verboten
Bis diese Maßnahmen greifen, wird es allerdings noch dauern. Wann genau die angesprochenen Pläne umgesetzt werden, ist derzeit noch unklar. Für die aktuelle Sommerperiode spielen Begrünung, Gradierwerk und Co. daher noch keine Rolle. Aus diesem Grund hat der Landkreis Hersfeld-Rotenburg auf die anhaltende Trockenheit reagiert. Seit dem 29. Juni ist die Wasserentnahme aus allen Flüssen, Bächen und Seen des Landkreises verboten. Hierzu sagte Landrat Torsten Warnecke: "Die Sommerperiode fängt gerade erst an. Daher ist es wichtig, frühzeitig den kritischen Zuständen für die Tier- und Pflanzenwelt in den Gewässern entgegenzuwirken." Wer sich nicht daran hält, dem drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro.Ein Ende dieser Maßnahme ist vorerst nicht in Sicht. Eher im Gegenteil: In den letzten beiden Juliwochen soll die nächste Hitzewelle über Deutschland und damit auch über Bad Hersfeld rollen. Heißt also: Anstrengung vermeiden, sich möglichst im Schatten aufhalten und viel trinken. Wer dennoch einen Besuch in Bad Hersfeld plant, findet dafür aber zahlreiche Möglichkeiten. (Kevin Hildebrand) +++