"Meine Familie ist mir das Wichtigste"

Konsequenz aus Leihmutter-Debatte: Jens Spahn legt Amt nieder

Der Druck auf Jens Spahn war zuletzt deutlich gestiegen.
Archivfotos: O|N/ Hendrik Urbin

18.07.2026 / BERLIN - Jens Spahn ist als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückgetreten. In einem Schreiben an die Mitglieder der Unionsfraktion begründet der CDU-Politiker seinen Schritt mit der anhaltenden Debatte um seine Familiengründung mithilfe einer Leihmutter in den USA.



Darin erklärt Spahn, er habe die Parteivorsitzenden Friedrich Merz und Markus Söder bereits über seine Entscheidung informiert. "Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt", schreibt Spahn in dem Brief.

Zugleich räumt er ein, dass die Diskussion um seine private Entscheidung größere Auswirkungen gehabt habe als erwartet. "Der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte", so der CDU-Politiker.

"Meine Familie ist mir das Wichtigste"

Spahn blickt in seinem Schreiben zugleich auf seine Zeit an der Spitze der Unionsfraktion zurück und bedankt sich bei Weggefährten sowie Fraktionskollegen für die Zusammenarbeit. Besonders dankt er dem Fraktionsvorstand sowie dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Matthias Miersch, dessen Zusammenarbeit für die Koalition ein "Stabilitätsanker" gewesen sei.

Mit Blick auf die heftige öffentliche Debatte der vergangenen Tage mahnt Spahn zu einem respektvollen Umgang miteinander. "Die zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung hat mich sehr nachdenklich gemacht. Lasst uns bei aller Klarheit und Entschiedenheit in der Sache immer auch menschlich im Ton bleiben", schreibt er.

Am Ende seines Briefes stellt Spahn seine persönliche Priorität klar heraus: "Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das Wichtigste."

Der Druck auf den CDU-Politiker war zuletzt deutlich gestiegen, nachdem bekannt geworden war, dass er und sein Ehemann mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden sind. Die Entscheidung hatte eine kontroverse Debatte ausgelöst und auch innerhalb der Union Kritik hervorgerufen.

Merz: "Die Entscheidung ist richtig und war unvermeidlich"

CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich zum Rücktritt seines bisherigen Fraktionsvorsitzenden. "Die Entscheidung ist richtig und war unvermeidlich. Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut", erklärte Merz. Zugleich dankte er Spahn für die Zusammenarbeit: "Er hat den Weg der Fraktion aus der Opposition in die Regierung mitgeprägt und gestaltet. In der Erarbeitung der großen Reformvorhaben der letzten Wochen war Jens Spahn eine wichtige Stütze der Koalition."

Mit Blick auf die Nachfolge kündigte Merz an, gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder einen Vorschlag für die Neubesetzung des Fraktionsvorsitzes vorzulegen. Verfahren und Zeitplan sollen nun mit den zuständigen Gremien von Partei und Fraktion abgestimmt werden. (js)+++

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