hr-Dreh für die Hessenschau am Samstag
Armenhof ist "Dolles Dorf": Holz-Uhrmacher und Bembelpiraten
Fotos: Marvin Myketin.
18.07.2026 / DIPPERZ -
Jeden Donnerstagabend warten Ortsvorsteher und Einwohner hessischer Dörfer unter 2.000 Seelen mit Spannung auf die abendliche Ziehung des Dollen Dorfs in der Hessenschau. So war es auch diesmal, als der Dipperzer Ortsteil Armenhof aus der Lostrommel gezogen wurde. Denn dann gilt es, sich auf den Besuch eines hr-Kamerateams aus Kassel oder Frankfurt gebührend vorzubereiten. hr-Redakteur Jochen Schmidt machte sich noch am selben Abend mit seinem Team von Kassel auf nach Osthessen, um in dem 470-Einwohner-Dorf zu besprechen, was es denn hier Besonderes zu sehen und zu erleben gibt.
Zwischen Auslosung und Beginn der Dreharbeiten lagen nur wenige Stunden. "Ich habe eigentlich nur zufällig den Fernseher angemacht", erzählt Ortsvorsteher Thomas Leibold im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Erst kurz vor der Ziehung hatte er eingeschaltet. "Und dann wurde auf einmal Armenhof gezogen. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet." Viel Zeit zum Überlegen blieb nicht. Gemeinsam wurde besprochen, welche tollen Seiten des Ortes in der Hessenschau gezeigt werden sollen.
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"Wir wollten eigentlich bewusst nichts präsentieren, was es in vielen Dörfern auch gibt, sondern etwas Besonderes, das es nur hier gibt", sagt Leibold. Schnell waren zahlreiche Vorschläge zusammengekommen. "Wir haben einen Uhrmacher hier im Dorf, der Holzuhren baut und sie über das Internet weltweit verschickt. Das war die erste Anlaufstation." Auch die "Bembelpiraten", eine Rockband aus Armenhof, gehörte zu den ersten Stationen des Fernsehteams. Am Freitagvormittag standen dann die Einradfahrer auf dem Programm. "Armenhof ist das Einradfahrerdorf, das steht sogar auch auf dem Schild am Ortseingang", sagt der Ortsvorsteher stolz. Am Vormittag zeigten die Erwachsenen ihr Können und am Nachmittag stießen dann auch die Kinder dazu. Im Laufe des Drehtages soll außerdem die rund 500 Jahre alte Eiche besucht werden. Danach folgt das traditionelle Bürgergrillen. Laut dem Ortsvorsteher kommen hier regelmäßig kleine Stammtische zusammen. Dass sich alles innerhalb kürzester Zeit organisieren ließ, freut Thomas Leibold besonders. "Für mich als Rentner ist das etwas einfacher, aber für viele andere war es eine Herausforderung. Trotzdem haben alle mitgezogen." Seine Holzuhren gehen um die Welt.
Der erste Termin führte das Fernsehteam in David Atkinsons Heimwerkstatt. Der gebürtige Engländer stammt aus Yorkshire und lebt seit 1987 in Deutschland. "Eigentlich bin ich nur wegen der Liebe hier", sagt er schmunzelnd. Als gelernter Maurer arbeitete er nach seinem Umzug nach Deutschland als Zimmermann und zeitweise in einem Sägewerk. Die Arbeit mit Holz begleitet ihn also schon lange. Während einer Auftragsflaute in seinem Job suchte er nach einer Beschäftigung. "Ich war zuhause und brauchte ein Projekt. So kam die Idee mit den Uhren zustande." Was zuerst als Hobby gedacht war, entwickelte sich nach und nach weiter. Heute verkauft Atkinson seine Holzuhren als Bausätze über das Internet. Kunden aus aller Welt bestellen die Modelle und bauen sie mithilfe der Anleitung oder seiner Online-Tutorials selbst zusammen.