52 Meter Zeitung, 360 Meter Geschichte
Ein Besuch im Kommunalarchiv zeigt: Menschen und Heimat
Fotos: privat
17.07.2026 / BEBRA -
Es riecht nach Papier, nach Geschichte und nach einer Zeit, die längst vergangen scheint. Wer die Regale des Bebraer Kommunalarchivs im Rathaus durchstreift, stößt nicht bloß auf Akten und alte Zeitungen. Hier warten Geschichten darauf, wiederentdeckt zu werden.
Geschichten von Menschen, Vereinen, Unternehmen und einer Stadt samt Stadtteilen, die sich über Generationen hinweg verändert hat. Das Bebraer Archiv ist das einzige Kommunalarchiv im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.
Mit rund 360 Metern Archivgut in Aktenform ist es ein Gedächtnis der Stadt Bebra. Hinzu kommen Fotos, Filme und digitale Bestände, die in dieser Zahl noch gar nicht enthalten sind. Gemessen wird ein Archiv übrigens nicht nach der Anzahl seiner Dokumente, sondern nach den Regalmetern, die sie einnehmen. Einen beachtlichen Teil der Sammlung machen die Zeitungen aus. Rund 52 Meter Zeitungsausgaben stehen mittlerweile in den Regalen und jeden Tag kommt ein weiteres Exemplar hinzu. Jede Ausgabe wird dauerhaft aufbewahrt. Wer in der Vergangenheit stöbern möchte, kann dies kostenfrei tun. Für Interessierte stehen Zeitungen aus mehr als einem Jahrhundert bereit. Die älteste Ausgabe stammt vom "Bebraer Tageblatt" und eröffnet einen Blick in eine Zeit, in der Bebra noch ein ganz anderes Gesicht hatte.
Ein weiterer Schatz sind die Bestände ehemaliger Vereine. Lösen sich Vereine auf, können sie ihre Erinnerungsstücke dem Stadtarchiv übergeben. Fahnen oder Vereinsutensilien finden hier ebenso einen sicheren Platz wie das, was für Historiker besonders wertvoll ist: Urkunden und Protokollbücher. Sie dokumentieren das Vereinsleben oft lückenlos und bewahren es für kommende Generationen. So haben bereits Unterlagen der ehemaligen Liedertafel ihren Weg ins Archiv gefunden. Auch die Geschichte heimischer Unternehmen bleibt nicht unbeachtet.
Bevor Dokumente dauerhaft ins Archiv aufgenommen werden, durchlaufen sie eine sogenannte Vorarchivierung. Gemeinsam wird geprüft, ob Unterlagen archivwürdig sind. Erst danach werden sie offiziell übernommen und im sogenannten "Findbuch" verzeichnet, damit sie später gezielt recherchiert werden können. Archivieren ist dabei weit mehr als bloßes Aufbewahren.
Es heißt, Geschichte für die Ewigkeit zu sichern, für die Nachwelt und für alle, die wissen möchten, wie ihre Heimat geworden ist, was sie heute ist.
Stadtarchivare suchen historische Schätze
Damit dieses Gedächtnis weiter wachsen kann, hofft das Archiv auf Unterstützung. Gesucht werden Fotos, Dokumente und Erinnerungsstücke, bevor sie auf dem Dachboden verschwinden. Oft schlummern gerade in privaten Schubladen wahre Schätze. Wichtig ist dabei, dass zu den Bildern möglichst viele Informationen bekannt sind, etwa, wer oder was zu sehen ist, wann und wo die Aufnahme entstand und aus welchem Anlass sie gemacht wurde. Wie wertvoll solche Bilder sind, zeigt ein Beispiel aus dem Archiv. Ein historisches Foto führt in die Mitte der 1930er-Jahre zurück. Es erinnert an die frühere Badeanstalt an der Fulda, die 1924 eröffnet worden war. Damals badeten die Menschen in einem abgesteckten Bereich des Flusses gegenüber dem "Gut Mischels".Zu sehen ist das Foto auf den Social Media Kanälen der Stadt Bebra. Bei Fragen oder wenn historische Fotos oder andere Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt werden können, freut sich das Stadtarchiv über eine Kontaktaufnahme telefonisch unter 06622 5010 oder per E-Mail an archiv@bebra.de. Zwischen vergilbten Zeitungen, handgeschriebenen Protokollbüchern und historischen Fotografien wird im Bebraer Stadtarchiv schnell klar, dass Geschichte nicht ausschließlich aus großen Ereignissen besteht. Sie lebt auch von den kleinen Geschichten des Alltags und davon, dass jemand sie bewahrt. (pm/hhb) +++