Wasser wird knapper

Trockenheit setzt Wasserversorger in Osthessen unter Druck

Die Versorger bitten darum, sparsam mit dem Wasserverbrauch umzugehen.
Archivfoto: O|N / Carina Jirsch

17.07.2026 / REGION - Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen stellen die Wasserversorgung in Osthessen vor Herausforderungen. Während der Landkreis Hersfeld-Rotenburg bereits ein Wasserentnahmeverbot für oberirdische Gewässer erlassen hat, melden die Stadtwerke Lauterbach sowie die RhönEnergie für den Raum Fulda derzeit noch eine gesicherte Trinkwasserversorgung. Dennoch beobachten die Versorger die Entwicklung aufmerksam und rufen die Bevölkerung zu einem sparsamen Umgang mit Wasser auf.


Hersfeld-Rotenburg untersagt Wasserentnahmen aus Gewässern

In einer Mitteilung zum Wasserentnahmeverbot vom 30. Juni appellierte Landrat Torsten Warnecke an das Verantwortungsbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger. Er bittet darum, sorgsam mit der Ressource Wasser umzugehen und die angespannte Situation nicht durch illegale Wasserentnahmen weiter zu verschärfen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Von dem Verbot ausgenommen sind Personen mit einer gültigen wasserrechtlichen Erlaubnis zur Wasserentnahme sowie Halterinnen und Halter, die ihre Tiere mit Wasser versorgen müssen. Die Untere Wasserbehörde schließt jedoch nicht aus, bestehende Genehmigungen einzuschränken, sollte sich die Situation in den Gewässern weiter verschlechtern. "Die Erfahrungen aus den niederschlagsarmen Jahren seit 2018 haben gezeigt, dass einem weiteren Rückgang der Wasserstände durch frühzeitig erlassene Wasserentnahmeverbote entgegengewirkt werden kann", teilt die Kreisverwaltung mit.

Trinkwasserversorgung in Lauterbach gesichert

Im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Lauterbach gibt es derzeit keine Probleme bei der Trinkwasserversorgung. Die Versorgungslage sei stabil und Engpässe seien aktuell nicht zu erwarten. "Die Grundwasserstände sind derzeit stabil und geben keinen Anlass zur Sorge", erklären die Stadtwerke auf OSTHESSEN|NEWS-Anfrage. Auch die Wasserabgabe bewege sich in einem Bereich, der problemlos bewältigt werden könne. In den Jahren 2018 bis 2020 lag der Verbrauch zeitweise etwa zehn bis 15 Prozent über dem Durchschnitt. Mithilfe des bestehenden Verbundnetzes konnten Versorgungsschwankungen in den meisten Stadtteilen bereits ausgeglichen werden. Mit der geplanten Anbindung von Frischborn soll dies künftig im gesamten Versorgungsgebiet möglich sein. Zudem stünden ausreichende Reserven zur Verfügung, um auch erhöhte Nachfragen decken zu können. Trotz der entspannten Lage appellieren die Stadtwerke an einen verantwortungsvollen Umgang mit Trinkwasser.

Investitionen in die Infrastruktur

Um die Wasserversorgung langfristig zu sichern, wollen die Stadtwerke Lauterbach weiter in die Modernisierung und Erneuerung ihrer Netzinfrastruktur investieren. Parallel dazu wird kontinuierlich in die Brunnenanlagen investiert, um Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit zu gewährleisten. Auch kleinere und weniger ergiebige Brunnen sollen bewusst erhalten bleiben. Dadurch soll eine zu starke Abhängigkeit von einzelnen Förderanlagen vermieden und die Wassergewinnung auf das gesamte Stadtgebiet verteilt werden. "So werden die jeweiligen Grundwasserleiter möglichst gleichmäßig beansprucht und lokale Belastungsspitzen vermieden", erläutern die Stadtwerke.

Wasserverbrauch steigt an heißen Tagen deutlich

An heißen Tagen, wie zuletzt Ende Juni, steigt der Wasserverbrauch in Fulda sowie in den Gemeinden Eichenzell und Ebersburg sprunghaft an. Gleichzeitig sind die Grundwasserstände aufgrund der hohen Verbräuche der vergangenen Monate und der vergleichsweise geringen Niederschläge in diesem Jahr angespannt. Die Trinkwasserversorgung sei derzeit zwar gesichert, dennoch appelliert die RhönEnergie an einen bewussten und sparsamen Umgang mit Wasser. Besonders vor dem Hintergrund ausbleibender längerer Niederschlagsphasen in Osthessen sei ein verantwortungsvoller Verbrauch wichtig. Engpässe könnten insbesondere dann entstehen, wenn hohe Verbrauchsspitzen an heißen Tagen mit technischen Ausfällen an Wassergewinnungsanlagen zusammentreffen. Während der Sommerferien geht der Wasserverbrauch erfahrungsgemäß zurück, weshalb sich die Lage aktuell etwas entspannt hat.

RhönEnergie setzt auf Vorsorge

Die RhönEnergie hat nach eigenen Angaben bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um einer möglichen Wasserknappheit vorzubeugen. So stellt das Unternehmen Wasser aus dem Sportbad Ziehers der Stadt Fulda für die Bewässerung von Grünanlagen zur Verfügung. Zudem wurde die Fahrzeugwäsche bei den Verkehrsbetrieben eingeschränkt und mit Großverbrauchern über Einsparmöglichkeiten gesprochen. Auch die Feuerwehren in Fulda, Eichenzell und Ebersburg verzichten derzeit auf Übungen mit Trinkwasser. Darüber hinaus arbeitet die RhönEnergie daran, zusätzliche Möglichkeiten der Wassergewinnung zu erschließen. Neben dem Erhalt und der Modernisierung bestehender Anlagen zählen dazu auch der Bau neuer Leitungen sowie die Erschließung weiterer Brunnen im Stadtgebiet. Solche Projekte seien jedoch aufwendig und nicht immer erfolgreich. Parallel wird die Vernetzung der Wasserversorgungssysteme weiter ausgebaut. "Dadurch können wir die Versorgungssicherheit erhöhen und flexibler auf mögliche Engpässe reagieren", teilt das Unternehmen mit.

RhönEnergie gibt Spartipps für den Alltag

Sollte der Wasserverbrauch dauerhaft auf einem sehr hohen Niveau bleiben, könnten künftig weitere Einschränkungen wie Wasserentnahmeverbote notwendig werden. Darüber entscheiden allerdings die zuständigen Städte, Gemeinden und Landkreise. Angesichts häufiger Trockenperioden, veränderter Niederschlagsmuster und eines steigenden Wasserbedarfs sieht die RhönEnergie die Trinkwasserversorgung langfristig vor wachsenden Herausforderungen. Hinzu kommen veränderte Niederschlagsmuster, die die Grundwasserneubildung erschweren können. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf durch Bevölkerungswachstum, zusätzliche Einwohner, steigende Touristenzahlen und die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Daher empfiehlt das Unternehmen Haushalten und Betrieben, Wasser sparsam zu nutzen, etwa durch die Verwendung von Regenwasser, kürzere Duschzeiten und einen reduzierten Einsatz von Bewässerungsanlagen an heißen Tagen. (Justin Klenner) +++

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