Landesjagdverband warnt vor Wildunfällen

Rehe jetzt besonders aktiv, erhöhte Unfallgefahr in Hessen

Aktuell ist vermehrt mit Wildunfällen zu rechnen
Foto: Kauer Mross DJV

15.07.2026 / REGION - In vielen Teilen Hessens beginnt momentan die Paarungszeit des Rehwildes, die von Jägern als "Blattzeit" bezeichnet wird. Wegen der weiterhin hohen Temperaturen berichten Jäger aus mehreren Regionen, dass sie das Paarungsgeschehen möglicherweise früher als sonst beobachten. Je nach Witterung und Landschaft kann sich der Beginn der Blattzeit jedoch unterscheiden. Während sie in wärmeren Regionen Südhessens bereits in vollem Gange sein kann, setzt sie in kühleren Landesteilen häufig etwas später ein.



Für Autofahrer bedeutet das: Jetzt ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. Rehe überqueren in dieser Zeit deutlich häufiger Straßen und das längst nicht nur in der Morgen- und Abenddämmerung, sondern auch tagsüber. Vor allem auf Landstraßen entlang von Wäldern, Wiesen und Feldern steigt das Risiko von Wildunfällen deutlich an.

"Während der Blattzeit folgen Rehböcke den Ricken oft mit großer Ausdauer. Dabei verlieren die Tiere einen Teil ihrer sonst ausgeprägten Vorsicht und überqueren Straßen häufig völlig unvermittelt", erklärt Markus Stifter, Pressesprecher des LJV Hessen. Deshalb appellieren wir an alle Verkehrsteilnehmer, ihre Geschwindigkeit anzupassen und jederzeit mit plötzlich wechselndem Wild zu rechnen, nicht nur in der Dämmerung, sondern während des gesamten Tages."

Lieber bremsen als ausweichen

Taucht plötzlich ein Reh auf der Fahrbahn auf, gilt: Fernlicht ausschalten, kontrolliert abbremsen, hupen und das Lenkrad festhalten. Von riskanten Ausweichmanövern rät der Landesjagdverband Hessen ausdrücklich ab. "Der Zusammenstoß mit einem Reh ist oft weniger folgenschwer als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver in den Gegenverkehr oder gegen einen Baum", so Stifter. "Eine kontrollierte Vollbremsung ist in den meisten Fällen die sicherste Reaktion."

Kommt es dennoch zu einem Wildunfall, sollte zunächst die Unfallstelle abgesichert und anschließend die Polizei unter der Notrufnummer 110 verständigt werden. Verletzte Wildtiere dürfen weder angefasst noch eigenständig verfolgt werden. Läuft das Reh nach dem Zusammenstoß davon, hilft es, die Fluchtrichtung deutlich zu markieren, beispielsweise mit einem Taschentuch, einer Einkaufstüte oder einem Einmalhandschuh am Straßenrand. So kann der zuständige Jäger das verletzte Tier schneller auffinden und unnötiges Leiden vermeiden.

Faszinierendes Naturschauspiel

Die Blattzeit gehört zu den eindrucksvollsten Naturereignissen des heimischen Sommers. Rehböcke treiben die Ricken oft über Stunden oder sogar Tage hinweg durch Wiesen und Waldränder. Dabei entstehen nicht selten kreisförmige Laufspuren im Gras, die sogenannten "Hexenringe". Sie gelten als sichtbares Zeichen dafür, dass hier ein Rehbock erfolgreich um eine Ricke geworben hat.

Wer dieses besondere Naturschauspiel beobachten möchte, sollte ausreichend Abstand halten und die Tiere keinesfalls stören. Mit etwas Glück lässt sich das Verhalten des Rehwildes aus sicherer Entfernung beobachten, ein beeindruckendes Erlebnis in der heimischen Natur. (pm/fw) +++

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