Soziales
Pflege im Heim noch teurer - Hilft die Reform?
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15.07.2026 / BERLIN -
Die Pflege im Heim wird für Bewohnerinnen und Bewohner wegen selbst zu bezahlender Anteile immer teurer. Mit Stand 1. Juli waren im ersten Jahr im Heim im bundesweiten Schnitt 3.364 Euro im Monat aus eigener Tasche fällig - monatlich 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als zum 1. Juli 2025, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen ergab.
Die Koalition arbeitet gerade an einer Pflegereform. Patientenvertreter warnten davor, Entlastungen bei den Eigenanteilen dabei sogar noch abzuschwächen.
Regional gibt es der neuen Auswertung zufolge weiterhin große Unterschiede bei den monatlichen Belastungen. Im Ländervergleich am teuersten war die Pflege im ersten Jahr im Heim in Bremen mit nun durchschnittlich 3.761 Euro und im Saarland mit 3.695 Euro. Nur in Sachsen-Anhalt lag die Belastung mit im Schnitt 2.891 Euro im ersten Heimjahr noch unter der Schwelle von 3.000 Euro.
Personalausgaben schlagen durch
In den Summen ist zum einen ein Eigenanteil nur für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten. Im Heim kommen dann noch Zahlungen der Bewohnerinnen und Bewohner für Unterkunft und Verpflegung, Investitionen in den Einrichtungen und Umlagen für Ausbildungskosten hinzu.Auch Verpflegung und Unterkunft teurer
Teurer geworden sind auch Unterkunft und Verpflegung. Dafür fällig werden nun im Schnitt 1.086 Euro pro Monat und damit 50 Euro mehr als zum 1. Juli 2025. Ausgewertet wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Ländern, wie der Ersatzkassenverband erläuterte. Ihm gehören etwa die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit an.Verbandschefin Ulrike Elsner sagte: "Es gab Nachholbedarf, und es ist richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden. Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt." Es brauche eine Begrenzung des Kostenanstiegs. Die avisierte Pflegereform müsse eine faire Lastenteilung und austarierte Eigenanteile erreichen. Patientenvertreter und Sozialverbände fordern schon seit Jahren Entlastungen von immer höheren Zuzahlungen. Eine "Begrenzung der pflegebedingten Eigenanteile" stand auch als Prüfauftrag für eine Kommission im schwarz-roten Koalitionsvertrag.
Höhere Entlastung im Heim später?
Bei den Reformplänen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stehen nun aber unter anderem Einsparungen bei Entlastungszuschlägen im Blick, die es von der Pflegekasse gibt - und zwar steigend mit der Aufenthaltsdauer: Der Eigenanteil für die reine Pflege wird damit im ersten Jahr im Heim um 15 Prozent gedrückt, im zweiten um 30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent. Die Spannen, bis die nächsthöhere Stufe greift, sollen laut einem Entwurf jetzt jeweils von 12 auf 18 Monate gestreckt werden. Das soll die Pflegekassen im nächsten Jahr um 2,6 Milliarden Euro entlasten.Forderung nach Obergrenze für Eigenanteile
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte das geplante Abschwächen der Entlastungswirkung bei den Zuschlägen für die 800.000 Heimbewohner. "Statt den Rotstift anzusetzen, müssen die reinen Pflegekosten endlich auf 1.000 Euro gedeckelt werden", sagte Vorstand Eugen Brysch. Die Länder dürften sich außerdem nicht länger vor ihrer Verantwortung drücken und müssten die Ausbildungs- und Investitionskosten komplett übernehmen. "Für Unterkunft, Verpflegung und Extra-Komfort kommt weiterhin jeder selbst auf."Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, monierte, die geplante Reform entlaste nicht, sondern drohe die Belastung weiter zu erhöhen. Auch von der Opposition kam Kritik. Grünen-Fachpolitikerin Simone Fischer warnte, immer mehr Pflegebedürftige könnten die Heimkosten nicht mehr stemmen und müssten Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Linke-Chef Luigi Pantisano sagte, die Kosten seien ohnehin mit normalen Einkommen kaum zu bezahlen. "Die Ersparnisse eines normalen Arbeitslebens werden davon in wenigen Jahren aufgefressen." BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht sprach von "reinster Abzocke" und forderte einen Kostendeckel von 1.000 Euro im Monat. (Sascha Meyer, dpa) +++
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