Stadtschreiberin Karen Köhler

Zwischen Sternenstaub und Dackelgebell: Wenn der Kurpark zum Weltraum wird

Die Stadtschreiberin Karen Köhler be ihrer Lesung am Dienstag im Kurpark in Bad Hersfeld
Fotos: Jürgen Böthig

15.07.2026 / BAD HERSFELD - Der Bad Hersfelder Kurpark zeigte sich von seiner besten Seite. Grüne Wiesen, eine sanfte Brise und eine Atmosphäre, die eigentlich zum entspannten Picknick einlud. Doch wer am Dienstagnachmittag dem leisen, aber eindringlichen Klang einer Stimme folgte, landete nicht bei einem gemütlichen Kaffeekränzchen, sondern direkt auf einer Raumstation.



Karen Köhler, die erste Stadtschreiberin der Festspielstadt, hatte zur Lesung geladen. Im Gepäck: ihr neues Buch "Himmelwärts". Und was als Lesung angekündigt war, entwickelte sich schnell zu einer emotionalen Reise durch das Universum. Irgendwo zwischen kosmischem Radio, tiefem Verlust und der kindlichen Hoffnung, dass die Verbindung nach oben niemals ganz abreißt.

Eine Nachricht an den Himmel

"Hallo Mama, kannst du mich hören? Ich vermisse Dich." Wer bei diesem Satz im Publikum nicht zumindest kurz schlucken musste, besitzt ein Herz aus Stein. Köhler schaffte es mit einer Leichtigkeit, die mitten ins Mark traf, das schwere Thema der Trauer in eine Geschichte zu verpacken, die nicht erdrückt, sondern tröstet. "Himmelwärts" ist ein Kinderbuch, ja – aber eines, das vor allem Erwachsenen zeigt, wie man mit dem Unmöglichen umgeht.

Im Zentrum steht die kleine Toni, die ihre verstorbene Mutter über eine selbstgebaute Antenne erreichen will. Es geht um Raketen, Sternschnuppen und eine "Marshmallow-Challenge", die fast so abenteuerlich ist wie ein Außenbordeinsatz auf der ISS. Dass Köhler dabei ihre Charaktere nicht einfach nur vorliest, sondern ihnen echtes Leben einhaucht, ist kein Zufall: Zwölf Jahre intensive Schauspielerfahrung sind der Hamburger Autorin in jeder Mimik und Nuance ihrer Stimme anzumerken. Sie spielt nicht nur die Rolle der Vorleserin, sie schlüpft in die Haut ihrer Protagonisten. Von der entschlossenen Toni bis hin zu ihrer besten Freundin und kosmischen Begleiterin Yum Yum.

Das ganz eigene Flair des Kurparks

Die einzige, die sich von dieser schauspielerischen Brillanz wenig beeindruckt zeigte, war eine ortsansässige Dackel-Dame. Mit einem sonoren, rhythmischen Bellen setzte der Vierbeiner immer dann ein Zeichen, wenn es gerade besonders andächtig wurde. Eine unfreiwillige, aber herrlich bodenständige Untermalung, die selbst Köhler ein Lächeln entlockte.

"Das war einfach großartig, ich bin restlos begeistert", schwärmte Kathrin Gebhard-Nieselt direkt nach der Lesung. Sie deckte sich für ihre Tochter Antonia, von allen nur "Toni" gerufen, mit einem Exemplar von "Himmelwärts" ein, während für sie selbst der Roman "Miroloi" in die Tasche wanderte. Auch Bürgermeisterin Anke Hofmann ließ es sich nicht nehmen, der Lesung beizuwohnen und die besondere Atmosphäre im Park zu genießen.

Nicht jeder war jedoch mit einem klaren Plan gekommen. Andreas Kuhn beispielsweise, der eigentlich nur "rein zufällig vorbei radelte", blieb kurz stehen, lauschte, schmunzelte über das Dackelgebell und ließ sich schließlich vollends in den Bann der Geschichte ziehen. So schnell, wie er angekommen war, ging er zwar wieder. Aber sicher mit einem ganz anderen Blick auf die Wolken über Bad Hersfeld.

Von der Bühne in die Welt der Literatur

Karen Köhler ist längst keine Unbekannte mehr im Literaturbetrieb. Nach ihrem Debüt "Wir angeln Raketen", dem vielbeachteten Roman "Miroloi" und dem Sachbuch "Spielen" hat sie sich als eine vielseitige Stimmen der Gegenwart etabliert. Dass sie nun als erste Stadtschreiberin Bad Hersfelds genau hier im Kurpark ihre Raketen steigen lässt, verleiht dem Ort eine wunderbare, kreative Note.

Zum großen Finale wurde es dann noch einmal dynamisch. Statt in Melancholie zu versinken, entließ Köhler ihr Publikum mit einem musikalischen Paukenschlag: Zu Miriam Makebas "Pata Pata" wurde zwar vielleicht nicht auf den Tischen, aber doch sichtlich beschwingt im Geiste getanzt. Eine Botschaft, die blieb: Trauer darf wehtun, aber der Himmel ist, genau wie das Leben, zum Tanzen da.

Ein kleiner Lesetipp am Rande: Falls Sie "Himmelwärts" lesen, halten Sie eine Packung Taschentücher bereit und vielleicht ein paar Leckerlis, falls Ihnen beim Lesen ein Dackel begegnen sollte. (Jürgen Böthig) +++

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