Feierliche Einweihung

Vom Henkersplatz zum Lieblingsort: So hat sich der Galgengraben verwandelt

"Hier steckt eine ganze Menge Planungsinhalt drin - und das sieht man dem Ergebnis jetzt auch an." Mit diesen Worten würdigte Stadtbaurat Daniel Schreiner am Dienstagnachmittag bei der Eröffnung des neugestalteten Galgengrabens in Fulda die monatelange Planungsarbeit.
Fotos: Moritz Bindewald

15.07.2026 / FULDA - "Hier steckt eine ganze Menge Planungsinhalt drin - und das sieht man dem Ergebnis jetzt auch an." Mit diesen Worten würdigte Stadtbaurat Daniel Schreiner am Dienstagnachmittag bei der Eröffnung des neugestalteten Galgengrabens in Fulda den neu gestalteten Galgengraben und die investierte Arbeit.



Gefeiert wurde die Fertigstellung des neuen Spielplatzes samt Calisthenics-Anlage und neu gestaltetem Graben. Die Gesamtkosten der Maßnahme liegen bei 1,02 Millionen Euro, davon 680.000 Euro Fördermittel aus dem Städtebauförderprogramm "Sozialer Zusammenhalt", das seit 2019 im Fuldaer Nordend läuft. Gebaut wurde seit Ende November 2025. Die Begrüßung übernahm Stadtbaurat Daniel Schreiner, für das beauftragte Landschaftsarchitekturbüro Sala aus Kassel sprach Geschäftsführer Martin Blank.

Rutsche, Karussell, Krafttraining: Was der Spielplatz jetzt alles kann

Der Spielplatz gliedert sich künftig in mehrere Bereiche mit jeweils eigenem Charakter. Im oberen Teil entstand eine Sportsituation mit Basketballtisch, Tennisangebot und entsprechenden Fallschutzbelägen. Über Treppen und neue Hangrutschen geht es hinunter in den unteren Bereich, der den kleineren Kindern vorbehalten ist - Thema dort ist der "Abenteuerwald", ein Motiv, das eigens im Rahmen einer Kinderbeteiligung gewählt wurde. In der Mitte der Anlage steht ein Drehkarussell, das schwellenlos über den Fallschutzbelag erreichbar und damit auch für Kinder und Menschen mit Einschränkungen zugänglich ist.

Auch der namensgebende Graben selbst wurde neu gestaltet: mit Staustufen und Trittsteinen, der Bepflanzung feuchteliebender Pflanzen und einem neuen Steg. "Wenn hier mal wieder Wasser steht, wird man den Steg zu schätzen wissen", so Blank - ansonsten dient er als kurze Wegeverbindung direkt zum Spielplatz und rückt den kleinen Naturraum in den Mittelpunkt.

Am Eingang aus Richtung Tannenbergstraße entstand außerdem, auf Wunsch von Jugendlichen aus dem Beteiligungsprozess, eine Calisthenics-Anlage für Gymnastik und Krafttraining im Freien - mit Erklärtafeln für Einsteiger. Unterhalb des Spielplatzes lädt eine Wiese mit Sonnenliegen zum Picknicken ein, eine Idee, die vor allem von Studierenden aus der Nachbarschaft eingebracht wurde.

Warum der Umweg über die Leipziger Straße kein Umweg mehr ist

Ein erklärtes Ziel der Planung war es, den Spielplatz erstmals barrierefrei zugänglich zu machen - zuvor war das nicht der Fall. Über eine neue Zuwegung von der Leipziger Straße aus lässt sich der mittlere Bereich inklusive Drehkarussell nun ohne starkes Gefälle erreichen. Auch die Birkenallee wurde dafür umgebaut: Der Tiefpunkt oberhalb des Grabens wurde angehoben, der Fußweg verbreitert und im oberen Bereich mit Handläufen versehen. Im unteren Bereich sollen noch stählerne Absturzsicherungen folgen, die bislang provisorisch gelöst sind. Im oberen, steileren Bereich der Anlage war eine barrierefreie Erschließung dagegen nicht möglich - dort sollte der beliebte Rodelhang erhalten bleiben.

Sechs Jahre, ein Beirat und ganz viele Ideen aus der Nachbarschaft

Der neue Spielplatz ist das Ergebnis eines Prozesses, der bis ins Jahr 2019 zurückreicht: Im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) für das Nordend kristallisierte sich die Aufwertung des Galgengrabens als Ziel heraus. Eine wichtige Rolle spielten dabei das Quartiersmanagement sowie der 2020 gegründete Stadtteilbeirat Nordendrat (NORA). Nach einer vertiefenden Potenzialanalyse für das gesamte Gebiet - inklusive Kleingartenanlage und Fuß- und Radweg - wurde 2023 mit der konkreten Planung begonnen, kurz vor Weihnachten 2023 dem Stadtteilbeirat erstmals vorgestellt und die Rückmeldungen daraus im Frühjahr 2024 in den Entwurf eingearbeitet.

Und wo bleibt das "Grüne Wohnzimmer"?

Noch nicht fertig ist ein weiterer Picknickbereich als "Grünes Wohnzimmer", der in Kooperation mit dem Gemeinnützigen Siedlungswerk im Bereich Birkenallee entstehen soll. Offen ist zudem, wie es mit dem größeren Planungsraum weitergeht: Eine neue Fuß- und Radwegeverbindung Richtung B27 sowie eine mögliche Einbindung der Kleingartenanlage sind angedacht, ein konkreter Zeitplan dafür steht aber noch nicht fest.

Seinen Namen verdankt der Galgengraben übrigens einer düsteren Vergangenheit: Durch ihn verlief einst die kürzeste Wegeverbindung von der Innenstadt zum ehemaligen Henkersplatz am Rabenstein bei Lehnerz, wo zwischen 1771 und 1856 öffentliche Hinrichtungen stattfanden. Die letzte davon wurde am 21. November 1856 an dem des Mordes beschuldigten Schmied Blößer aus Keulos vollzogen. (mmb) +++

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