Ein Hilferuf von der Bühne
Applaus bezahlt keine Miete: Kultur braucht mehr als schöne Worte
Archivfotos: O|N
15.07.2026 / KOMMENTAR -
Es sind Worte, die unter die Haut gehen: Hessens Kulturminister Timon Gremmels (SPD) hat am vergangenen Wochenende bei der Verleihung der Hersfeldpreise daran erinnert, wie unverzichtbar Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft sind. Und er hat recht. Gerade dann, wenn öffentliche Haushalte unter Druck geraten, darf Kultur nicht zu einem beliebigen Posten werden, den man als Erstes zusammenstreicht.
"Kultur ist nicht das Sahnehäubchen auf dem Kaffee. Kultur ist essenziell", sagte Gremmels in der Stiftsruine. Dieser Satz sollte weit über Bad Hersfeld hinaus Gehör finden. Denn Kultur ist keine luxuriöse Unterhaltung für gute Zeiten. Sie schafft Begegnungen, regt zum Nachdenken an, stiftet Identität und bringt Menschen miteinander ins Gespräch, die sich im Alltag vielleicht nie begegnet wären.
Gerade in Krisenzeiten zählt Verlässlichkeit
Beispielsweise die Bad Hersfelder Festspiele zeigen jedes Jahr, welche Kraft davon ausgehen kann. Theater kann gesellschaftliche Konflikte sichtbar machen, ohne einfache Antworten vorzugeben. Es kann Widersprüche aushalten - etwas, das in einer zunehmend aufgeheizten Debattenkultur immer seltener gelingt. Applaus allein bezahlt keine Miete
Doch die Debatte darf nicht bei Spielstätten und Produktionen enden. Hinter jeder Aufführung stehen Schauspieler, Musiker, Techniker und viele weitere Beschäftigte. Sie leben häufig mit befristeten Engagements, saisonalen Verträgen und unsicheren Perspektiven. Sie müssen für Rollen körperlich und emotional an ihre Grenzen gehen, wechseln oft den Arbeitsort und wissen nicht immer, wie es nach einer Produktion weitergeht.Kunst ist keine verzichtbare Nebensache
Auch Angriffe auf kulturelle Einrichtungen, wie zuletzt bei den Festspielen in Hanau, dürfen nicht als Randnotiz behandelt werden. "Ein Angriff auf die Kultur ist nicht zu entschuldigen", stellte Gremmels klar. Bad Hersfeld sollte deshalb solidarisch an der Seite Hanaus stehen.