Pinkelpause mit Frust!
Zwei Rastplätze in Osthessen gehören zu den schlechtesten Deutschlands
Fotos: ADAC
14.07.2026 / REGION -
Pausen auf langen Urlaubsfahrten könnte man so schön verbringen – ein schneller Toilettengang, Picknickdecke ausbreiten, im Schatten erholen und nach kurzer Erfrischung weiterfahren. Insbesondere in Hessen funktioniert das allerdings nicht. Wie bereits 2022 hat der ADAC bundesweit 50 unbewirtschaftete Rastplätze mit Sanitäranlagen getestet und erneut sind die hessischen Anlagen Schlusslicht. Darunter auch Rastplätze in Osthessen.
Sie haben dabei teilweise noch schlechter abgeschnitten als vor vier Jahren. Bundesweit zeigt sich ein ähnlicher Trend: knapp zwei Drittel der Anlagen haben sich im Vergleich zu 2022 verschlechtert, nur acht Prozent konnten ihr Ergebnis verbessern. Wie im letzten Test mangelt es massiv an Sauberkeit – WC-Häuschen sind entweder verdreckt oder gleich ganz geschlossen, zudem fehlt es an Lärmschutz, behindertengerechter Ausstattung und Parkplätzen für Gespanne.
Grundbedürfnisse werden nicht erfüllt
Schlusslicht im gesamten Test ist die Rastanlage "Am Stadtwald" an der hochbelasteten Autobahn A3 im Frankfurter Raum. Wer hier auf Toilette möchte, muss weiterfahren oder gleich die Botanik aufsuchen. Bereits vor vier Jahren war das WC-Häuschen geschlossen, mittlerweile gibt es dort nicht mal mehr mobile Toiletten. Bei einer Nachbegehung zeigte sich, dass je nach aufgesuchtem Wochentag die Mülltonnen entweder geleert waren oder bereits überquollen, zudem fiel der stark verdreckte Gesamtzustand auf. Bei einer gesonderten Begehung Ende Juni wurde sogar benutztes Spritzbesteck auf dem Gehweg gefunden. An den anderen Anlagen in Hessen sieht es kaum besser aus, zudem fällt auf, dass viele Rastplätze in die Jahre gekommen sind.Noch schlechter fiel das Urteil für den Rastplatz "Nadelöhr" an der A4 zwischen Bad Hersfeld und Eisenach aus. Er belegte Platz 48 von 50 und erhielt sogar eine K.-o.-Wertung, weil die Behindertentoilette ohne vorherigen Hinweis auf der Autobahn gesperrt war. Darüber hinaus kritisierte der ADAC verschmutzte Grünflächen, fehlende Stellplätze für Gespanne sowie ein auf der Anlage abgestelltes Schrottauto. Positiv hervorgehoben wurden lediglich die vorhandenen Superschnellladesäulen für Elektrofahrzeuge.
"Kann nicht sein, dass wichtige Infrastruktur verfällt"
"Das Grundbedürfnis nach sauberen und funktionierenden Rastplätzen mit WC wird an den getesteten Anlagen kaum erfüllt", so Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. "Es kann nicht sein, dass diese wichtige Infrastruktur gerade zunehmend verfällt und es kaum Alternativen gibt."Denn auch die Anlage "Brühlgraben", Frankfurt Richtung Darmstadt auf der A5 fällt durch. Toiletten weisen laut ADAC Sauberkeitsmängel auf, es gibt keine Behinderten-Parkplätze und die Grünflächen sind ebenfalls verschmutzt. "Außerdem gibt es keinen Lärmschutz und die Beleuchtung der Toiletten ist schlecht", so der ADAC.
Gründliche Reinigungsintervalle gefordert
"Die Autobahn GmbH muss als Betreiber die unbewirtschafteten Rastplätze stärker ins Visier nehmen – entweder durch Modernisierung oder eine Erhöhung der Reinigungsintervalle", resümiert Wolfgang Herda. "Die Reinigung muss zudem gründlicher erfolgen und darf sich nicht auf die Leerung der Mülltonnen und das oberflächliche Saubermachen der Toiletten, sofern überhaupt vorhanden, begrenzen."Der ADAC sieht zudem eine Mitverantwortung bei den Nutzern. Rastplätze dienen der Erholung aller Verkehrsteilnehmer und sollten nicht verdreckter hinterlassen werden, als vorgefunden. Dass es auch anders geht, beweisen die Testsieger aus anderen Bundesländern, die mit gut durchdachten Anlagen und sauberen Plätzen punkten können. (lu/pm) +++