Verfahren zieht sich noch bis September

Tegut-Übernahme: Was prüft das Bundeskartellamt eigentlich genau?


Alle Fotos: O|N-Archiv

15.07.2026 / REGION - Niemand beneidet die armen Angestellten der Lebensmittelkette Tegut, deren berufliche Zukunft immer noch in den Sternen steht. Auch viele Lieferanten und Handelspartner sind nach wie vor unsicher, wie es künftig weitergeht. Nachdem sich die Schweizer Migros-Genossenschaft aus Deutschland zurückgezogen hat und die Supermarktkette Tegut zum Verkauf steht, wird darüber spekuliert, ob die beiden Lebensmittelkonzerne Edeka und Rewe wie beabsichtigt einen Großteil der rund 300 Tegut-Märkte unter sich aufteilen können. Das Bundeskartellamt in Bonn prüft diese Übernahme nämlich sehr akribisch, um die Auswirkungen des Verkaufs auf den Wettbewerb zu ermitteln. Angesichts der hohen Marktkonzentration im Lebensmittelhandel untersucht das Bundeskartellamt die Übernahme besonders intensiv.

Prüfverfahren zieht sich noch bis September



Und diese Prüfung wird sich noch bis Ende August beziehungsweise bis September hinziehen, erklärt auf O|N-Anfrage der Pressereferent des Kartellamts, Gregor Baumann. Er erläutert uns auch, wie man sich diese Untersuchung denn konkret vorstellen muss: "Im Zuge der geplanten Übernahme von Tegut-Standorten durch Edeka und Rewe haben wir einen umfassenden Fragebogen an rund 150 Lieferanten und Wettbewerber verschickt. Die Befragung ist Teil der vertieften Hauptprüfverfahren, um die Auswirkungen auf den Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel zu bewerten." Abgefragt wird zum Beispiel, wie sich die geplante Übernahme auf das Einkaufsvolumen und die Marktmacht der dominierenden Händler auswirken würde. Die Behörde untersucht auch, inwieweit Hersteller und Lieferanten von Lebensmitteln von den Zusammenschlüssen abhängig sind. Und der Fragekatalog beleuchtet kritische Punkte wie regionale Absatzmärkte, die Rolle der Nahversorgung sowie Ausweichalternativen für Verbraucher.

Edeka als größter deutscher Lebensmittelhändler will einen Großteil des Tegut-Filialnetzes übernehmen, darunter rund 200 Supermärkte, 41 Teo-Märkte, die Herzberger Bäckerei in Fulda, das Logistikzentrum in Michelsrombach, die zentrale Verwaltungsimmobilie in Fulda und zwei Gewerbeimmobilien in Bad Brückenau und Kassel. Wenn das Kartellamt dem zustimmen würde, bedeutete das eine hohe Marktkonzentration auf dem hart umkämpften regionalen Lebensmittelmarkt. Die Prüfung könnte durchaus ergeben, dass bestimmte Filialen übernommen werden können, für andere jedoch keine fusionskontrollrechtliche Freigabe erfolgt. Diese stünden dann anderen Interessenten zur Verfügung.

Übernahme von 36 Filialen durch Tante Enso bewilligt

Wie bereits berichtet, ist die Prüfung der Übernahme von 36 ländlichen Tegut-Filialen in Hessen, Thüringen und Nordbayern durch die Bremer Handelskette Tante Enso abgeschlossen und bewilligt worden. Diese dann genossenschaftlich betriebenen Filialen sollen zu automatisierten Mini-Märkten umgebaut werden, die rund um die Uhr geöffnet sind.

Das Bundeskartellamt ist die oberste deutsche Wettbewerbsbehörde, die zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gehört. Originäre Aufgabe der Bundesbehörde ist es, den Wettbewerb in Deutschland zu schützen. Beim Bundeskartellamt, das seinen Sitz in Bonn hat, sind rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. (ci)+++

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