Ausstellungseröffnung
Zwischen Orient und Okzident: Wenn die "Hoffnung" aus der Remise bricht
Kunstausstellung im Mittelpunkt.
Foto: Jürgen Böthig
13.07.2026 / BAD HERSFELD -
Manchmal sind es gerade die verborgenen Orte, die die größte Strahlkraft entfalten. Wer am vergangenen Samstag den Weg in den Hinterhof der Galerie Rotation31 suchte - dort, wo Galerist Jürgen Lindhorst mit einem einladenden Lächeln von seiner "Remise" spricht –, der fand sich weit mehr als nur einer Ausstellungseröffnung gegenüber.
Man fand sich in einer menschlichen und künstlerischen Begegnungszone wieder, die ihre räumlichen Kapazitäten kurzerhand sprengte. Da das künstlerische Versteck aus allen Nähten zu platzen drohte, verlagerte sich der pulsierende Kern der Vernissage kurzerhand unter den freien Himmel des Hofes. Es war ein symbolträchtiger Aufbruch: Kunst, die nicht in geschlossenen Räumen verweilen will, sondern den Dialog sucht.
Ein Abend der Resonanz
Die Resonanz war beeindruckend. Zwischen Kunstinteressierten, Neugierigen und befreundeten Kulturschaffenden mischten sich prominente Gäste wie der ehemalige Stadtrat Dr. Rolf Göbel mit Gattin sowie Kathrin Gebhardt-Nieselt und Tertia Kapfer vom Kunstverein Bad Hersfeld. Sie alle eint ein zentrales Bedürfnis: Die Auseinandersetzung mit einem Thema, das aktueller und dringlicher kaum sein könnte: "HOFFNUNG". Den theoretischen Rahmen für dieses emotionale Unterfangen spannte Diana Trojca, Kunsthistorikerin aus Erfurt. In ihren einführenden Worten erinnerte sie daran, dass Kunst niemals bloße Dekoration ist, sondern eine Botschaft. Ein Echo des Erlebten, das im Betrachter eine neue Resonanz erzeugt. Was, so fragte Trojca, bringt uns Hoffnung? Sind es nicht die Träume und Farben, die uns den Wunsch nach Frieden in einer unruhigen Welt neu formulieren lassen?
Wenn Farben die Welt bewegen
Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen die expressiven, leuchtenden Farbwelten von Cornelia Assi. Die Bad Hersfelder Malerin versteht es meisterhaft, das Leben und den Sinn des Lebens in Sinnbilder zu gießen. Ihre Werke sind keine flachen Oberflächen; sie sind Schichtungen. Hinter dem ersten, kraftvollen Eindruck lagert ein zweiter, der von Tiefe zeugt. Es sind Erzählungen über Angst, Liebe, Sprache und Erinnerung. Assis künstlerischer Kompass pendelt dabei stetig zwischen Orient und Okzident. Ihre Gemälde, entstanden in der Stille des heimischen Ateliers ebenso wie auf intensiven Reisen nach Damaskus und Machghara im Libanon, sind Zeugnisse eines intensiven Erlebens. Dabei verwendet sie eine haptische Mischtechnik: Sand und Blattgold verschmelzen mit Acrylfarben zu Texturen, die Wut und Hoffnung in eine ausdrucksstarke Schönheit überführen. Es ist ein Ringen auf der Leinwand, das den Betrachter unweigerlich in seinen Bann zieht.
Ein Dialog der Welten
Ergänzt wird dieser kraftvolle Ausdruck durch die Arbeiten von Renate Wandel. Mit feinem Gespür für das Detail führt sie den Besucher in orientalische Impressionen und porträtiert Menschen mit einer Intensität, die das Thema "Hoffnung" in ein menschliches Antlitz übersetzt. Die Ausstellung in der Galerie Rotation31 und dem benachbarten Eiscafé Pergola ist mehr als nur eine Werkschau. Sie ist ein Plädoyer für den Austausch und ein visuelles Manifest gegen die Resignation. Wer eintaucht in diese Farbwelten, der wird feststellen: Hoffnung ist kein passiver Zustand, sondern ein aktiver, leuchtender Prozess. Hensu wie die Malerei von Cornelia Assi und Renate Wandel. Ein Besuch, der nachwirkt. (Jürgen Böthig) +++