Konzern dreht Musik ab

Schluss unter Tage! K+S beendet Konzerte im Erlebnisbergwerk

Auch eine Folge DSDS wurde im Bergwerk Merkers produziert
Foto: RTL / Stefan Gregorowius

12.07.2026 / MERKERS - Im Erlebnisbergwerk Merkers im thüringischen Wartburgkreis wird es ab Sommer 2027 keine Konzerte und Großveranstaltungen mehr geben. Das hat der Betreiber K+S gegenüber inSüdthüringen bestätigt. Grund für das Aus der Events unter Tage sind laut Unternehmen die damit verbundenen hohen Sicherheitsauflagen, die eine Fortführung nur mit erheblichen Investitionen möglich machen würden.



Konzerte und Events mit 1.000 und mehr Gästen unterliegen deutlich strengeren Sicherheitsvorschriften als die regulären Gästeführungen und kleineren Veranstaltungen im Bergwerk. Um diese Auflagen dauerhaft zu erfüllen, wären erhebliche Sicherheitsvorkehrungen und damit verbundene hohe Investitionen nötig - öffentliche Fördermittel könne man dafür nicht abrufen, das Unternehmen müsste die Kosten allein tragen. Eine Refinanzierung über deutlich höhere Ticketpreise hält K+S den Besuchern gegenüber für unzumutbar, wie K+S-Pressesprecher Johannes Rützel gegenüber inSüdthüringen erklärt. Bis zum Sommer 2027 finden die Veranstaltungen aber wie geplant statt.

30 Jahre Konzertgeschichte unter Tage

Das Erlebnisbergwerk Merkers wurde im August 1991 in der damals noch aktiven Kaligrube eröffnet, die seit 1997 zum hessisch-thüringischen K+S-Verbundwerk Werra gehört. Das letzte Rohsalz wurde dort 1993 gefördert. 1996 fand mit einem Auftritt der Salt River Dixie Band vor rund 400 Besuchern das erste Konzert statt. Seither dient der frühere Großbunker der Grube - 200 Meter lang, 22 Meter breit, 17 Meter hoch und 500 Meter unter der Erde gelegen - als Veranstaltungsfläche, von K+S beworben als tiefster und größter Konzertsaal Europas und bekannt für seine spektakuläre Akustik. Im Guinness-Buch der Rekorde sind bereits zwei Einträge aus dem Bergwerk dokumentiert.

Sieben bis acht Großveranstaltungen finden dort jährlich statt, zu denen jeweils bis zu 1.350 Besucher aus der Region, dem Bundesgebiet und mitunter auch aus dem benachbarten Ausland anreisen - viele verbinden den Konzertbesuch mit einem Kurzurlaub in der Region, Karten sind oft schon Monate im Voraus ausverkauft. In den vergangenen drei Jahrzehnten gastierten dort Weltstars wie Anastacia, Chris de Burgh, Eric Burdon, Uriah Heep, Mike and the Mechanics und Deborah Sasson. Hinzu kamen Auftritte nationaler Größen wie Howard Carpendale, BAP, Die Prinzen, Alphaville, Max Raabe, Purple Schulz, Heinz Rudolf Kunze, Peter Schilling, Münchener Freiheit, Spider Murphy Gang, Jan Josef Liefers, die Wildecker Herzbuben, City, Karat, Silly, Schiller, Alex Christensen und Die Jungen Tenöre sowie zahlreicher Coverbands. 2016 produzierte Dieter Bohlen dort eine Live-Ausgabe von "Deutschland sucht den Superstar", außerdem fanden regelmäßig verschiedene Sportveranstaltungen statt.

Bis 2027 noch mehrere Konzerttermine

Bis zum endgültigen Aus im Sommer 2027 geht der Betrieb wie geplant weiter - und die Nachfrage bleibt groß. Die Konzerte von "Invisible Touch" am 19. September sowie das eigens angesetzte Zusatzkonzert am 20. September sind bereits restlos ausverkauft, ebenso die beiden Auftritte von Alex Christensen & Friends am 7. und 14. November. Für Thomas Anders am 10. Oktober und Suzi Quatro am 24. Oktober gibt es dagegen noch Karten. Auch der Kristallmarathon soll im kommenden Frühjahr zum 18. Mal stattfinden - allerdings zum letzten Mal, da auch er als Großveranstaltung unter die verschärften Sicherheitsauflagen fällt.

Wie es weitergeht

Von den strengeren Vorschriften unberührt bleiben die regulären Besucherführungen unter Tage, die es laut Rützel auch künftig geben soll - ebenso wie kleinere Angebote wie Mountainbike-Touren, Kindergeburtstage oder die Nutzung des Konzertsaals und der historischen Stollen als Eventlocation für Firmenveranstaltungen, Tagungen, Seminare oder private Feiern. Man wolle das Erlebnisbergwerk langfristig als attraktiven Besuchermagneten in der Region erhalten, sagte der Unternehmenssprecher gegenüber inSüdthüringen.

Gerüchten, wonach mit dem Auslaufen der Verwahrung - also der Sicherung der infolge des DDR-zeitlichen Raubbaus instabilen Grubenstrecken - das Besucherbergwerk komplett zur Disposition stehe, wollte K+S laut Bericht von inSüdthüringen nicht kommentieren. In welchem Rahmen und Umfang auch kleinere Veranstaltungen ab Sommer 2027 möglich sein werden, werde derzeit noch geprüft, so Rützel weiter.

Auch an einem anderen K+S-Standort in der Region ist die Zukunft von Konzerten derzeit ungewiss - wenn auch aus anderen Gründen: Das Haldenkonzert "Music on Top" auf dem "Monte Kali" in Neuhof (Landkreis Fulda), das seit 2009 jährlich stattfand, wurde zuletzt in 2023 veranstaltet. Für 2025 sagte K+S die Reihe komplett ab - Werkleiter Dr. Stefan Weber nannte gegenüber OSTHESSEN|NEWS "wirtschaftliche Gründe": "Ich bedauere, dass es im Sommer 2025 keine Kultur-Veranstaltungen auf der Halde geben wird. Die Entscheidung ist uns sehr schwergefallen." Ein neuer Termin für 2026 wurde bislang nicht angekündigt. (mmb) +++

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