Fußball-Nationalmannschaft
DFB kurz vorm Ziel: "Eckpunkte"-Einigung mit Klopp
Foto: Tom Weller/dpa
12.07.2026 / NEW YORK -
Vier Männer und Beratungen über vier Stunden: In New York überwindet die DFB-Spitze mit ihrem Wunschkandidaten die Hürden zum Bundestrainer-Job. Es geht noch um Detailfragen - und die Red Bull-Lösung.
Jürgen Klopp kam zum Gipfeltreffen mit den DFB-Bossen in New York wie ein Tourist - und verließ es praktisch als Bundestrainer. Helle Hose, sportliche Sneaker, dazu die Sonnenbrille lässig ins Shirt gesteckt - so zeigten Fotos der "Bild"-Zeitung den 59-Jährigen bei der ersten direkten Verhandlungsrunde mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf (65) und DFB-Vize Hans-Joachim Watzke (67) in einem Hotel am John F. Kennedy Flughafen.
Nach über vier Stunden sehen sich beide Parteien kurz vor dem Ziel. "Bei dem konstruktiven Austausch wurde eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt", teilte der Deutsche Fußball-Bund am Tag danach mit. Und der Verband informierte auch über den weiteren Ablaufplan. "Die Gespräche werden in der kommenden Woche fortgesetzt."
Es gibt noch eine Hürde
Die Nagelsmann-Nachfolge ist aufs Gleis gesetzt - unter einer Bedingung. "Beide Seiten sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen - vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull - letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können", hieß es in der sieben Zeilen langen Mitteilung. Klopp ist als "Head of Global Soccer" noch bis 2029 an den Red-Bull-Konzern gebunden. Auch hier gab es freilich schon vielfältige positive Signale.Klopp wurde bei den Verhandlungen mit der DFB-Spitze von seinem Berater Marc Kosicke unterstützt. Der 55-Jährige kümmert sich seit vielen Jahren um Klopps Belange. Der Sportmanager gilt in der Fußball-Szene als gewiefter Verhandler. Er kümmert sich auch um Klopps Sponsoring-Verträge.
Jürgen K. erklärt Jürgen K. den Bundestrainer-Job
Das Anforderungsprofil für einen Nationaltrainer skizzierte in den WM-Tagen übrigens Jürgen Klinsmann. Der 61-Jährige, als Bundestrainer von 2004 bis 2006 verantwortlich für das deutsche WM-Sommermärchen, sprach dabei von einer Vielzahl an Rollen, die der Chefcoach bei einem Turnier zu erfüllen habe."Im Grunde bist du ein Menschen-Manager", erklärte Klinsmann. Das gehe los beim Spieler-Puzzle über die Steuerung der Mannschaft, den Umgang mit den Familien bis hin zum Verband selbst. Viele Interessen müssen da gebündelt werden.
Verantwortung im deutschen Fußball und vor allem für die Nationalmannschaft übernehmen will und wird nun also Klopp, der als Vereinscoach bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool bewiesen hat, dass er Mannschaften zu Titeln führen kann. Und dass er Menschen anleiten und Spieler zu Top-Leistungen anstacheln kann.
Klopp würde damit die oberste Klinsmann'sche Voraussetzung des "Menschen-Managers" erfüllen, auch wenn er noch nie ein Nationalteam geführt hat. Auch darum sieht er wohl in Ex-Teamchef Rudi Völler (66) eine echte Hilfe. Der DFB-Sportdirektor bleibt auch nach dem WM-Aus bis zur EM 2028 im Amt.
Bosse fliegen aus Frankfurt ein
Neuendorf und Watzke waren am Freitag aus Frankfurt in die US-Metropole geflogen. Gerade für den Präsidenten war es unerlässlich, Auge in Auge den Austausch zu suchen. Warum in den USA? In New York hat Klopp seine WM-Basis. Er arbeitet beim laufenden XXL-Turnier für MagentaTV als Experte, beobachtet vor Ort die Turnierspiele und bewertet sie sportlich. Wie viel Red Bull dürfte noch in Klopp stecken?
Ein Knackpunkt bleibt Klopps Engagement bei Red Bull. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff soll in der WM-Finalwoche in die USA reisen. Wenn die bislang kolportierten Details stimmen, gibt Klopp seinen Job bei dem Getränkekonzern auf. Er könnte aber Markenrepräsentant bleiben. Dieses Konstrukt wird nach dpa-Informationen bei den Traditionalisten im DFB kritisch bewertet. Mit einer längeren Hängepartie der Klopp-Personalie wird spätestens jetzt nicht mehr gerechnet. Zeitdruck besteht trotzdem nicht. Die ersten Länderspiele der DFB-Auswahl nach der WM stehen erst Ende September an. Dann gibt es im ersten, neu gestalteten Länderspielfenster innerhalb von nur zehn Tagen gleich vier Partien gegen die Niederlande, Serbien und Griechenland (zweimal). Beim Start als Bundestrainer wird Klopp also gleich in die Vollen gehen müssen. (Klaus Bergmann, Christoph Lother und Arne Richter, dpa) +++