Zehn Jahre Halt und Hoffnung

"Mein Lebensanker" - Selbsthilfegruppe Seelenanker feiert Jubiläum

Depressionen sieht man den Menschen oft nicht an. Sie sind ein stiller Begleiter, der sich hinter einem Lächeln verbergen kann. Seit nunmehr zehn Jahren bietet die Selbsthilfegruppe "Seelenanker" in Bebra einen sicheren Hafen für all jene, die von dieser Krankheit betroffen sind.
Fotos: Jürgen Böthig

12.07.2026 / BEBRA - Depressionen sieht man den Menschen oft nicht an. Sie sind ein stiller Begleiter, der sich hinter einem Lächeln verbergen kann. Seit nunmehr zehn Jahren bietet die Selbsthilfegruppe "Seelenanker" in Bebra einen sicheren Hafen für all jene, die von dieser Krankheit betroffen sind. Am vergangenen Samstag feierten Mitglieder, Angehörige und Interessierte das zehnjährige Bestehen der Gruppe mit einem "Tag der offenen Tür" im Evangelischen Gemeindehaus.

Der Weg aus der Isolation

So fing es am 5. Juli 2016 an: Der Tee war gekocht, der Tisch gedeckt, Kerzen flackerten und sorgten für eine entspannte Atmosphäre. Die Anspannung bei Christian Lübeck war groß, als sich die ersten Teilnehmer ankündigten. Aus eigener Betroffenheit heraus gründete er damals die Selbsthilfegruppe für seelische Gesundheit, Angst, Panik und Depression. Heute blickt er auf ein Jahrzehnt wertvoller Zeit zurück.

Unter seiner Leitung ist der "Seelenanker" zu einem unverzichtbaren Baustein im Alltag einiger Menschen in der Region geworden. Dass dies lebensverändernd sein kann, unterstreicht eine Teilnehmerin: "Der Seelenanker ist mein Lebensanker geworden."

Ein unverzichtbarer Dienst an der Gemeinschaft

Die Bedeutung dieses Engagements unterstrich auch Landrat Torsten Warnecke. In seinem Beitrag betonte er ausdrücklich die Notwendigkeit solcher Gruppen für die Region und hob besonders hervor, dass hier alles von Ehrenamtlichen bewältigt wird. Dieser unermüdliche Einsatz leistet einen wertvollen Beitrag zur sozialen Infrastruktur, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Über das eigene Limit hinaus

Dass Christian Lübeck nicht nur ein Moderator, sondern selbst ein Kämpfer ist, zeigt sein persönlicher Einsatz: In einem Jahr ist er 1.221 Kilometer gelaufen, trotz schwerer Depression und Angststörung. Er hatte sich vorgenommen, monatlich 100 Kilometer zu schaffen, um seine psychische Gesundheit zu stärken. "Manchmal löst sich die Angst auf, manchmal auch nicht. Aber das Gefühl danach, wenn man es geschafft hat, ist immer gut", beschreibt Lübeck seine Motivation. Er weiß genau, wie schwer es für Menschen mit Depressionen ist, das Haus als sicheren Ort zu verlassen. Mit seiner Offenheit macht er Mut und überwindet Hindernisse, die zunächst unüberwindbar erscheinen.

Wenn das Schweigen bricht

Das Kernprinzip des "Seelenanker" ist die "Hilfe zur Selbsthilfe". In der Gruppe kommt oft der "Aha-Effekt": Man merkt, dass man mit seinen Problemen nicht alleine ist. Sei es am Arbeitsplatz, in der Familie oder in anderen Lebensbereichen. Es entlastet einfach, sich etwas von der Seele reden zu können, bei jemandem, der echtes Verständnis zeigt. "In unserer Gruppe hat jeder seine eigene Geschichte, aber niemand braucht sich erklären", so Lübeck. "Hier darf ich so sein wie ich bin und wenn es mir mal nicht so geht, finde ich hier Halt."

Mehr als eine klassische Therapie

Während in einer Therapie oft der klinische Aspekt im Vordergrund steht, bietet die Gruppe die menschliche Begegnung auf Augenhöhe. "Es kostet oft enorme Überwindung, die eigene Komfortzone zu verlassen und Hilfe zuzulassen", sagt ein langjähriges Mitglied. "Doch wenn man den ersten Schritt in die Gruppe wagt, merkt man schnell: Hier darf man Ballast abwerfen. Hier kann man für einen Moment den Kummer vergessen und einfach Mensch sein."

Ein offenes Angebot

Der "Tag der offenen Tür" bot die Gelegenheit, auf die Geschichte der letzten zehn Jahre zurückzublicken und zu zeigen: Depression ist keine Schwäche, sondern eine Krankheit, die jeden treffen kann. Der "Seelenanker" ist auch weiterhin für neue Interessierte offen, die den Mut aufbringen möchten, Hilfe zuzulassen und gemeinsam den Weg aus der Isolation zu finden. (Jürgen Böthig)

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