Im OSTHESSEN|NEWS-Interview

Konrad Kaffanke fliegt hoch! - Als Schlagzeuger kannst du alles machen

Es ist nicht sein erster Preis – bei weitem nicht. Obwohl Konrad Kaffanke erst 18 Jahre alt ist, füllen seine Urkunden bereits einen dicken Ordner.
Fotos: Carina Jirsch

14.07.2026 / FULDA - Es ist nicht sein erster Preis – bei weitem nicht. Obwohl Konrad Kaffanke erst 18 Jahre alt ist, füllen seine Urkunden bereits einen dicken Ordner. Einige davon hat er ins Café Ideal mitgebracht, wo wir uns zum Gespräch treffen und über Musik, Lehrer, Ehrgeiz, Lebensziele und die Kunst sprechen, immer wieder Neues zu lernen. Gerade hat er das Abitur bestanden. Nun hebt er gleich doppelt ab – als Musiker und bald auch als Pilot.


Frühe Erfolge

OSTHESSEN|NEWS (O|N): Wo hast du denn die schöne Sommerbräune her?
Konrad Kaffanke (KK): Zwischen dem mündlichen und dem schriftlichen Abitur war ich mit ein paar Freunden in Portugal – raus aus dem Regen, rein in die Sonne. Das war wunderschön und genau die richtige Erholung. Danach war ich noch ein paar Tage mit meinen Eltern auf Mallorca.

O|N: Du hast in diesem Jahr im Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in der Kategorie "Besondere Besetzungen: Neue Musik" gemeinsam mit David Valentin Kersten den ersten Preis gewonnen. Weißt du, ob vor dir schon einmal jemand aus Fulda so erfolgreich war?
KK: Ich kenne die Statistik nicht. Ob es dazu etwas Offizielles gibt, weiß ich auch nicht. Aber es war schon ganz gut.

O|N: Dein erster Wettbewerb war das allerdings nicht. Man könnte fast sagen: Du bist schon ein alter Hase.
KK: Stimmt. An meinem ersten Wettbewerb habe ich 2016 teilgenommen.

O|N: Mit acht Jahren?
KK: Ja. Damals schon mit Percussion. Später kamen verschiedene Kategorien dazu – Klavier solo, Saxophon und Percussion solo.

O|N: Gibt es überhaupt Instrumente, die du nicht spielst?
KK: Streicher sind eher nicht so mein Ding.

Wie alles begann

O|N: Musik spielte also von Anfang an eine Rolle. Wer oder was hat dich geprägt?
KK: Meine Eltern machen beide Musik. Meine Mutter ist Organistin, mein Vater spielt Tuba im Musikverein, und auch in der übrigen Familie gibt es viele Musiker. Ich würde nicht sagen, dass mir Musik automatisch im Blut liegt – sie war einfach immer da.

O|N: Ab wann warst du an der Musikschule Fulda?
KK: Als Vorschulkind. Ich habe dort einen Kurs besucht, in dem wir jeden Monat ein anderes Instrument ausprobiert haben. Nach dem Jahr wollte ich eigentlich alles lernen – außer Cello. Meine Eltern meinten dann: Such dir zwei Instrumente aus, dann schauen wir weiter. So wurden es Klavier und Schlagzeug.

O|N: Deine Liebe zum Schlagzeug begann also schon mit vier oder fünf Jahren?
KK: Genau. Angefangen habe ich am Drumset. Und ziemlich schnell wollte ich Wettbewerbe spielen. Ich war schon immer sehr kompetitiv. Bei Percussion reicht es nicht, nur Schlagzeug zu spielen. Man muss viele Instrumentengruppen beherrschen – kleine Trommel, Pauken, Metallinstrumente, Folkloreinstrumente oder Setup. Man ist quasi zur Vielseitigkeit verdammt. Irgendwann kam dann das Marimba dazu.

Mein Lieblingsinstrument ist das Marimba

O|N: Heißt es eigentlich der, die oder das Marimba?
KK: Ich sage immer das Marimba. Aber alles ist gebräuchlich. Vor etwa fünf Jahren konnte ich das alte Marimba der Musikschule übernehmen. Damit begann meine Marimba-Leidenschaft so richtig. Andere Instrumente machen mir zwar ebenfalls großen Spaß, aber das Marimba wurde mein Hauptinstrument. Mit ihm kamen auch die größeren Erfolge. In den vergangenen drei Jahren war ich jedes Mal beim Bundeswettbewerb dabei.

O|N: Vorher ging das wegen der Altersgrenze nicht?
KK: Genau.

O|N: Ein Marimba ist nicht gerade leise. Was sagen Nachbarn und Eltern?
KK: Das ist völlig entspannt. Wir wohnen auf dem Dorf, meine Eltern machen selbst Musik und ich habe zu Hause zwei Proberäume – einen fürs Drumset und einen fürs Marimba. Außerdem hat das Marimba einen großen Vorteil: Ich kann zwar den falschen Ton treffen, aber nicht unsauber spielen.

O|N: Was fasziniert dich an diesem Instrument?
KK: Seine enorme Vielseitigkeit. Der zweite Satz des Marimba-Konzerts von Ney Rosauro ist ganz ruhig und warm. Das Palisanderholz mit den Resonatoren erzeugt einen wunderbaren Klang. Gleichzeitig kann ich in den hohen Lagen mit harten Schlägeln extrem kraftvoll spielen. Dazu kommen unterschiedliche Spieltechniken. Bei Deadstroke drückt man den Schlägel auf die Platte, man kann mit dem Griff spielen oder an den Resonatoren entlangstreichen. Gerade in der zeitgenössischen Musik wird das häufig verlangt.

O|N: Wie schwer ist so ein Instrument?
KK: Meins wiegt etwa 90 Kilogramm. Der Transport ist der größte Nachteil. Zum Glück lässt es sich zerlegen, sonst bekäme man es kaum ins Auto.

O|N: Du hast vorhin erzählt, dass Cello für dich früh ausgeschieden ist. Dabei kommt das Marimba dem Cello in Wärme und Klangfarbe erstaunlich nahe.
KK: Stimmt. Das ist mir aber erst viel später bewusst geworden. Warum ich das Cello damals so kategorisch ausgeschlossen habe, weiß ich heute selbst nicht mehr. Es gibt übrigens wunderschöne Arrangements für Cello und Marimba.

Der Klickmoment

O|N: An welche Stücke aus deiner Anfangszeit erinnerst du dich besonders? Gibt es Lieblingsstücke?
KK: Mein Lehrer Klaus Schenk hat mir damals ein Stück gezeigt, das mich sofort fasziniert hat. Es war eigentlich noch viel zu schwer für mich, schon wegen der vier Schlägel. Aber ich wollte es unbedingt spielen und habe es mir Tag und Nacht raufgeschafft. Rückblickend war das mein Klickmoment. Von da an war alles anders.

O|N: Welches Stück war das denn?
KK: "Generalife" von Emmanuel Séjourné. Genauso begeistert mich aber auch "Boomtown Beats" von Nils Rohwer, das ich beim Preisträgerkonzert in Fulda gespielt habe.

O|N: Gab es irgendwann eine Phase, in der du keine Lust mehr hattest?
KK: Nein, nie. Mal steht das eine, mal das andere Instrument im Vordergrund – je nachdem, welche Wettbewerbe anstehen. In den vergangenen sieben oder acht Jahren war es aber eigentlich immer Schlagzeug. Damit bin ich erfolgreicher und es macht mir einfach mehr Spaß. In der Percussion-Szene kennt man sich ohnehin deutschlandweit.

O|N: Eine überschaubare Community also.
KK: Genau. Das gilt auch für Lehrer und Professoren. Alles ist viel persönlicher.

Viel mehr als nur Unterricht

O|N: War Klaus Schenk von Anfang an dein Lehrer?
KK: Ja. Er ist genauso, wie man ihn von seinen Auftritten kennt: entspannt, locker und immer für seine Schüler da. Allein wie viel Zeit er in Instrumententransporte investiert, ist unglaublich. Er begleitet uns zu jedem Auftritt, spielt selbst hervorragend Drumset, beschäftigt sich intensiv mit Neuer Musik und ist unglaublich kreativ. Er schreibt auch selbst Arrangements.

O|N: Sucht er die Stücke für dich aus?
KK: Heute recherchiere ich vieles selbst, früher kam viel von ihm. Er hat mir Stücke vorgeschlagen, aber nie etwas vorgeschrieben. Ich konnte immer selbst entscheiden, was mich anspricht. So entwickelt man ein eigenes Gefühl für Musik.

Außergewöhnliche Möglichkeiten

O|N: Welche Rolle hat die Musikschule für deinen Weg gespielt?
KK: Eine sehr große. Natürlich wegen der Lehrer – bei mir waren das Klaus Schenk und Sigrid Naumann am Klavier. Aber genauso wichtig sind die Möglichkeiten, die wir dort bekommen. Freunde von mir sind an anderen Musikschulen, dort passiert längst nicht so viel. Angefangen hat es mit den Klassenvorspielen. Später kamen Konzerte bei Veranstaltungen und Empfängen der Stadt dazu, dann der Fuldaer Musikwettbewerb, Solo- und Ensembleauftritte und natürlich das Jugendsinfonieorchester (JSO).

O|N: Du warst auch mehrfach beim Austausch mit Wilmington dabei.
KK: Ja, inzwischen schon dreimal. Das war großartig. Aber auch sonst ergeben sich ständig Auftritte – beim Musikschulfest, am Uniplatz oder in Projektorchestern. Schlagzeuger werden oft gebraucht, deshalb entstehen immer neue Möglichkeiten. Das ist schon außergewöhnlich.

Vorbereitung macht den Unterschied

O|N: Wie aufgeregt bist du vor Konzerten?
KK: Bei meinen ersten Auftritten war ich ziemlich nervös. Aber das verändert sich mit der Erfahrung. Heute kann ich auch mit Fehlern gut umgehen.

O|N: Manchmal merkt das Publikum einen Fehler ohnehin gar nicht.
KK: Genau. Beim Preisträgerkonzert waren wir am Ende des zweiten Satzes einmal kurz auseinander. Aber wir wussten beide: Gleich kommt die Stelle, an der wir wieder zusammenfinden. Wir haben uns nur angegrinst, weil wir wussten, das klappt so. Genau solche Momente machen Musik aus.

O|N: Wie bereitest du dich auf einen Wettbewerb vor?
KK: Ich beschäftige mich sehr intensiv mit den Stücken. Ich höre sie oft, lese die Partitur mit und versuche, ihre Struktur zu verstehen. Als Schlagzeuger arbeite ich viel mit dem Metronom und überlege mir genau die Schlagsätze. Ich beginne langsam und steigere das Tempo Schritt für Schritt bis zum Original. Im Ensemble kommt dann vor allem die Abstimmung mit dem Duo-Partner dazu. Gute Vorbereitung ist alles.

O|N: Wie habt ihr beide euch eigentlich gefunden?
KK: Wir kannten uns von Wettbewerben und aus dem Jugend-Percussion-Ensemble Hessen. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir gut zusammenpassen – und beschlossen, gemeinsam etwas zu machen.

Das vergesse ich sicherlich nie

O|N: An welche Konzerte erinnerst du dich besonders gern?
KK: Ganz sicher an das Marimba-Konzert von Ney Rosauro mit dem JSO. Ich bin Martin Klüh sehr dankbar, dass ich das als Solist spielen durfte. Das Werk zeigt die ganze Bandbreite des Instruments. Gleichzeitig war es auch für das Orchester eine Herausforderung – mit den wechselnden Taktarten und ungewöhnlichen Rhythmen. Wir sprechen heute noch darüber.

O|N: Wann hast du zum ersten Mal mit dem JSO gespielt?
KK: Beim Muttertagskonzert 2019. Ich sollte Pauke spielen und hatte vorher noch nie mit einem Dirigenten gearbeitet. In der Generalprobe lief nichts, danach war ich ziemlich frustriert. Am Abend habe ich mir Videos angesehen, mitgespielt und die Dirigierbewegungen eingeprägt. Am nächsten Tag funktionierte es. Das war für mich ein Wendepunkt. Ich habe verstanden, wie wichtig Vorbereitung ist und was genau ich dafür tun muss.

O|N: Viele Menschen können sich gar nicht vorstellen, wie komplex das Zusammenspiel in einem Orchester ist.
KK: Ja. Man orientiert sich am Dirigenten, hört aber gleichzeitig zum ersten Mal alle Stimmen live. Plötzlich kommt die Geige von links, die Tuba von hinten, vor einem sitzen die Flöten. Das ist etwas völlig anderes als eine Aufnahme.

Kurs aufs Cockpit

O|N: Wie geht es nach dem Abitur nun für dich weiter?
KK: Ich habe eine große Leidenschaft fürs Fliegen. Letzten Sommer habe ich auf der Wasserkuppe mit einer privaten Pilotenausbildung begonnen, um herauszufinden, ob das wirklich etwas für mich ist. Im Dezember habe ich mich bei Lufthansa beworben und den mehrstufigen Auswahlprozess durchlaufen. Und heute habe ich die Zusage bekommen!

O|N: Du beginnst also mit der Pilotenausbildung.
KK: Genau. Ich muss nur noch das Medical bestehen, aber das sollte kein Problem sein.

O|N: Wie läuft die Ausbildung ab?
KK: Sie dauert zwei Jahre. Zunächst bin ich in Bremen, dann ein halbes Jahr in den USA, anschließend drei Monate in Rostock und danach geht es in die Multi Crew Cooperation.

O|N: Eine anspruchsvolle Ausbildung mit viel Verantwortung.
KK: Ja. Ich fand sehr interessant, dass meine musikalische Laufbahn im Auswahlgespräch eine große Rolle gespielt hat – natürlich neben meinen schulischen Leistungen. Durch Musik lernt man unglaublich viel: mit Stress umzugehen, vor Publikum aufzutreten, Krisen zu bewältigen, Konflikte auszuhalten oder sich in Hierarchien zurechtzufinden. Das hat mir sehr geholfen.

O|N: Musik vermittelt eben weit mehr als musikalische Fähigkeiten. Ist die Ausbildung zweisprachig?
KK: Ja. Die Standard Operating Procedures, also die SOPs, sind komplett auf Englisch.

Viele Wege im Leben

O|N: Das Ziel heißt also Cockpit?
KK: Aktuell ja, weil mich das Fliegen begeistert. Aber wenn ich irgendwann merke, dass es doch nicht das Richtige ist, werde ich etwas anderes machen. Ich weiß, dass ich unterschiedliche Fähigkeiten habe. Und heute muss man sich nicht mehr auf einen einzigen Weg festlegen. Ich kann fliegen, Musik machen, Naturwissenschaften oder etwas Betriebswirtschaftliches machen. Das Berufsleben ist heute viel offener als früher.

O|N: Diese Offenheit sollte man sich bewahren.
KK: Das sagen auch meine Eltern. Man muss Dinge ausprobieren. Und wenn man später feststellt, dass ein anderer Weg besser passt, ist das kein Scheitern, sondern eine Neuorientierung.

O|N: Welche Rolle wird Musik künftig für dich spielen?
KK: Eine sehr große. Musik ist und bleibt für mich DAS Hobby. Da ist die Freude am Spielen, die Gemeinschaft, die Auftritte, die Reisen. Musik eröffnet so viele Möglichkeiten. Ich werde auf keinen Fall aufhören.

O|N: Schlagzeug, Klavier, Pilotenausbildung – bleibt da überhaupt noch Platz für eine Beziehung?
KK: Darüber mache ich mir durchaus Gedanken. Der Beruf verlangt viel Flexibilität. Ich wünsche mir eine Partnerin, die ähnlich flexibel ist wie ich.

Wichtig ist, dass die Richtung stimmt

O|N: Wenn wir uns in zehn Jahren wieder hier treffen – was würdest du mir erzählen?
KK: Ich hoffe, dass ich dann genau das mache, was mir wirklich Freude bereitet. Wahrscheinlich wird es eine Kombination aus den drei oder vier Dingen sein, die mir wichtig sind. Ich arbeite gern im Team und bin leistungsorientiert. Natürlich gibt es Aufgaben, die man einfach erledigen muss. Aber ich möchte neugierig bleiben, Neues lernen und neue Perspektiven entdecken.

O|N: Gibt es etwas, wonach ich nicht gefragt habe?
KK: Vielleicht nach meinem Lebensmotto. Das ist noch ziemlich neu, passt aber perfekt: "Fly High". Damit meine ich nicht nur das Fliegen. Es bedeutet für mich, über sich hinauszuwachsen, Chancen zu nutzen, groß zu denken und andere mitzunehmen. Das Leben verläuft nicht geradlinig. Man macht auch Rückschritte. Wichtig ist, dass die Richtung stimmt.

O|N: Also nicht unbedingt immer geradeaus?
KK: Nein. Hauptsache, der Endpunkt liegt höher als der Anfangspunkt.
O|N: Danke für das Gespräch.

(Das OSTHESSEN|NEWS-Interview führte Jutta Hamberger) +++

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