Gesundheit, Energie und Fortschritt
Reformen für den Aufschwung? MdB Frederik Bouffier im O|N-Gespräch
Im Berliner Bundestag konnte OSTHESSEN|NEWS mit dem Abgeordneten Frederik Bouffier (CDU) sprechen.
Fotos: Philipp Gerhard
24.07.2026 / BERLIN -
Hinter der schwarz-roten Koalition liegen bewegte Tage, Wochen und Monate. Insbesondere nach dem kürzlich beschlossenen Reform-Paket und dem damit verbundenen Stress dürfte der ein oder andere Abgeordnete die Sommerpause bis zum 22. August definitiv begrüßen. OSTHESSEN|NEWS konnte hierzu mit dem Bundestagsabgeordneten Frederik Bouffier (CDU) kurz vor der sitzungsfreien Zeit sprechen.
Im Vergleich zum Vorjahr, in dem die Debatte um Frauke Brosius-Gersdorf den Abgeordneten keine Ruhe ließ, gehe man 2026 anders und vielleicht auch etwas entspannter in die Sommerpause. "Die Koalition zeigt, dass sie deutlich besser zusammenarbeitet und in unterschiedlichen Bereichen auch vieles auf den Weg bringt", so Bouffier. Er gehe deshalb mit einem guten Gefühl in die Pause.
Geht es mit dem großen Reformpaket nun aufwärts?
Das beschlossene Reformpaket soll Deutschland modernisieren und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Frederik Bouffier findet, dass es mit diesen Beschlüssen definitiv wieder aufwärts gehen kann. Insbesondere die Ergebnisse der Rentenkommission können sich nach Ansicht des Abgeordneten sehen lassen. "Es wurden verschiedene Szenarien durchgerechnet, um zu schauen, wie wir angesichts des demografischen Wandels ein zukunftsfestes Rentensystem aufbauen können. Ich finde, dass es insgesamt sehr, sehr gut gelungen ist", so Bouffier und fügte hinzu: "Ich würde mir persönlich wünschen, dass wir noch eine große Steuerreform hinbekommen, die mehr Menschen auch tatsächlich im Portemonnaie spüren. Was wir bisher verabschiedet haben, ist zwar eine Entlastung, aber noch nicht der große Wurf."
Die Debatte um das Wegfallen der telefonischen Krankschreibung und das Attest vom ersten Tag an werde laut Bouffier allerdings zu heiß gekocht und politisch emotionalisiert. Hierbei betonte er, dass man niemanden unter Generalverdacht stelle, aber in der Reform eine zumutbare Maßnahme sehe, um die Wirtschaft zu stärken. "Was oft vergessen wird, ist, dass es die telefonische Krankschreibung bis zur Corona-Pandemie überhaupt nicht gab", ergänzte er hierzu. Es sei aber auch eine wichtige Aufgabe der Politik, nicht nur Gesetze zu beschließen, sondern sie auch zu erklären.
Als wichtiger Einstieg in die weiteren Reformmaßnahmen wurde das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz am 10. Juli beschlossen. Der schnelle Beschlussvorgang sei nach seiner Ansicht enorm wichtig. "Es ist wichtig und notwendig, dass wir schnell vorankommen - etwas anderes können wir uns angesichts der fundamentalen innen- und außenpolitischen Umbrüche nicht erlauben", betonte Bouffier im Gespräch. Ein zukunftsfestes Sozialsystem zu erhalten und dafür zu sorgen, dass die Menschen wieder mehr Geld im Portemonnaie haben und Arbeitsplätze nicht immer teurer werden, sei nach Ansicht des Abgeordneten eine große Herausforderung. Gerade deshalb sei es aber wichtig, weitere wegweisende Gesetze rasch anzugehen, damit sie auch möglichst bald Wirkung entfalten.
Über ein Jahr im Bundestag - Bouffiers Zwischenfazit
"Es ist ein riesengroßer Apparat und man muss sich erstmal zurechtfinden und in seine Themen einarbeiten. Ich glaube, ich bin mittlerweile aber gut angekommen", resümierte Frederik Bouffier seine Anfangszeit im Bundestag. "Besonders freut mich natürlich, wenn sich die eigene Arbeit in den Gesetzen widerspiegelt. Unabhängig von meiner eigenen Arbeit würde ich mir wünschen, dass gerade die vielen positiven Maßnahmen, die wir bereits angestoßen haben, die aber nicht jeden Tag die Schlagzeilen beherrschen, stärker in der Bevölkerung ankommen. Hier müssen wir unsere eigene Öffentlichkeitsarbeit noch deutlich verbessern."
Eine Koalitionsregierung lebt von Kompromissen
Eine Entscheidung, die dem Abgeordneten nach eigenen Angaben sehr schwerfiel, war die gesetzliche Festschreibung des Rentenniveaus auf 48 Prozent bis ins Jahr 2031. "Hätte ich es für mich persönlich und allein entscheiden können, hätte ich eine andere Entscheidung getroffen, aber eine Koalition lebt eben auch davon, dass man manchmal Entscheidungen zu treffen hat, die einen jedenfalls nicht bis ins Letzte überzeugen. Sonst kann eine Koalitionsregierung und auch eine demokratische parlamentarische Struktur nicht funktionieren", betonte Bouffier im O|N-Interview. Man dürfe aber nicht außer Acht lassen, dass insbesondere durch den Druck der Jungen Gruppe in der damaligen Debatte die Rentenkommission schneller eingesetzt wurde und junge Abgeordnete wie Pascal Reddig und Florian Dorn an der Erstellung des Rentenplans entscheidend mitwirken konnten. "Ich glaube, vor allem mit dem Einstieg in die kapitalgedeckte Vorsorge hat man einen unglaublich wichtigen und richtigen Schritt gemacht.
Wie macht sich Bundespolitik in den Kommunen bemerkbar?
Etwas, das zwar nicht jeder Bürger im Detail und sofort bemerke, aber dafür umso mehr die Bürgermeister, sei, dass die Migrationswende eingeleitet wurde: "Wie schaffen wir es, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wie schaffen wir es, die Leute in den Schulen unterzubringen, in der Kita? Die haben das schon relativ schnell gespürt, dass wir dort einen anderen Ansatz wählen und dass sich auch die Zahlen erheblich reduziert haben", so Bouffier. Im Vergleich zum Jahr 2024 sind die Asylanträge im ersten Halbjahr 2026 um rund 67 Prozent zurückgegangen. Dies habe zwar auch mit dem Ende des Krieges in Syrien zu tun, aber vor allem Entscheidungen, wie die Zurückweisung an den Grenzen, die Wiedereinführung von Grenzkontrollen, die Aussetzung des Familiennachzugs und anderes mehr trügen zu dieser Entwicklung bei.
Was interessiert die Menschen vor Ort?
"Derzeit werde ich in der Heimat vor allem auf die Veränderungen im Gesundheitsbereich angesprochen. Wir hätten 2027, wenn wir nichts tun würden, ein Defizit von 15 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung, bis 2030 von 40 Milliarden Euro", so Bouffier. "Damit die Beiträge nicht unaufhaltsam in die Höhe schnellen, müssen wir jetzt gegensteuern - auch wenn ich sehr gut verstehen kann, dass manche Entscheidung bei den Menschen vor Ort auf Kritik oder Unverständnis stößt. Natürlich beschäftigt viele Menschen auch weiterhin die Frage, wie wir endlich aus der wirtschaftlichen Krise herauskommen. Das Maßnahmenpaket, das die Bundesregierung kurz vor der Sommerpause beschlossen hat, muss nun zügig Punkt für Punkt umgesetzt werden, dann geht es auch peu à peu wieder bergauf", ist sich Bouffier sicher.
Abschließend weist Bouffier, der sowohl dem Innenausschuss als auch dem Forschungsausschuss angehört, auf die Bedeutung der Wissenschafts- und Forschungspolitik für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands hin. "Durch exzellente Wissenschaft und Forschung entstehen die Arbeitsplätze von morgen. Gerade für unsere Heimat, die stark von unterschiedlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen geprägt ist, bedarf es bestmöglicher Unterstützung. Hierfür werde ich mich deshalb auch zukünftig in besonderer Weise einsetzen." (Philipp Gerhard) ++