Leergut bleibt weiterhin aus
Hitzewelle verschärft Leergut-Engpässe bei Getränkeherstellern
Fotos: Justin Klenner
11.07.2026 / REGION -
In der vergangenen Hitzewelle, bei der die Temperaturen teilweise auf nahezu 40 Grad Celsius stiegen, wurde besonders viel getrunken. Statt ihr Leergut zurückzubringen, lagern viele Menschen die leeren Pfandkisten zu Hause und kaufen vermehrt Nachschub. Doch seit einigen Wochen stehen sie vor teilweise leeren Regalen. Das fehlende Leergut sorgt bei Herstellern für Engpässe und erschwert die Produktion. OSTHESSEN|NEWS hat bei Herstellern und Getränkemärkten nachgefragt.
"Es ist jedes Jahr dasselbe Problem", sagt ein Mitarbeiter der logo Getränke-Fachmärkte im Gespräch. In der Sommerzeit kommen viele Bürgerinnen und Bürger mit Anhängern zu den Getränkemärkten der Region, um sich mit ausreichend Wasserkisten einzudecken. Damit das Mehrwegsystem funktioniert, muss das Leergut jedoch rechtzeitig zurückgebracht werden, damit die Kisten erneut befüllt werden können.
Vor wenigen Wochen hatten die Fuldaer mit einer Hitzewelle von teils nahezu 40 Grad zu kämpfen. Bei solchen Temperaturen ist es besonders wichtig, ausreichend zu trinken. Der erhöhte Konsum führt seit Wochen dazu, dass deutlich mehr Wasserkisten gekauft werden. "Sie sind teilweise mit Anhängern vorgefahren", erinnert sich der Mitarbeiter. Doch anstatt das Leergut zurückzubringen, kaufen viele Kunden weiterhin neue Kisten. Das führt zu erheblichen Engpässen bei den Herstellern und erschwert zudem die Produktion. "Die Menschen bringen das Leergut oft erst zurück, wenn sie wieder einkaufen gehen. Dann warten sie, bis zehn Kisten leer sind, anstatt zwischendurch bereits einzelne Kisten zurückzugeben", so der Mitarbeiter.
Hoher Konsum und Horten stellen Hersteller vor große Probleme
Bereits seit einigen Jahren stehen die Hersteller in den Sommermonaten vor großen Herausforderungen. Das Eichenzeller Unternehmen Förstina-Sprudel beobachtet die Entwicklung kontinuierlich und hat bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Aufgrund angepasster Produktions- und Bestandsplanung gelingt es dem Unternehmen jedoch, die Versorgung trotz regionaler und saisonaler Lieferengpässe aufrechtzuerhalten. Kritisch wird es jedoch, wenn die Rücklaufmengen bestimmter Kisten- oder Flaschentypen hinter den Erwartungen zurückbleiben. "Aktuell können wir die Nachfrage weitgehend bedienen, beobachten die Entwicklung jedoch sehr aufmerksam", schreibt Förstina in einem Statement. Sensibilisieren für den Mehrwegkreislauf
Als Getränkehersteller ist Förstina auf einen funktionierenden Mehrwegkreislauf angewiesen. Fehlende Kisten oder Flaschen können die Produktions- und Lieferfähigkeit einschränken und zusätzliche Kosten verursachen. Die Hersteller wünschen sich daher von den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine schnellere Rückgabe von Leergut sowie ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung des Mehrwegsystems. Zudem wären eine Optimierung der Rücknahme- und Sortierprozesse im Handel, eine branchen- und standortübergreifende Zusammenarbeit zur Verbesserung der Leergutlogistik sowie langfristige Investitionen in zusätzliche Mehrweggebinde und moderne Sortiertechnik sinnvolle Maßnahmen, um der Problematik auch in Zukunft besser entgegentreten zu können. Vielfältige Ursachen für Lieferengpässe
Die Ursachen für die Lieferengpässe sind vielfältig. Ein wesentlicher Faktor ist, dass Mehrwegkisten und -flaschen über längere Zeit bei Endverbrauchern verbleiben und dadurch dem Kreislauf vorübergehend entzogen werden. Zudem gibt es logistische Herausforderungen im Handel, gestiegene Kosten, längere Lieferzeiten bei der Herstellung neuer Mehrweggebinde sowie steigende saisonale Absatzmengen, insbesondere in den Sommermonaten. Das starke Horten stößt beim Logo-Mitarbeiter auf wenig Verständnis. "Seit 40 Jahren kann man jeden Tag einkaufen gehen und muss keine großen Vorräte anlegen", erklärt er. Er hofft, dass die Menschen ihr Leergut künftig früher zurückbringen. In der gesamten Region komme es zu erheblichen Lieferengpässen. Dabei liegen bei den Getränkemärkten teilweise mehrere DIN-A4-Zettel mit nicht lieferbaren Marken. Zukunftsaussichten stehen positiv
Das Mehrwegsystem bleibt ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Getränkeversorgung. Kurzfristig ist davon auszugehen, dass die Branche weiterhin mit schwankenden Leergutmengen und saisonalen Engpässen umgehen muss. Mittel- und langfristig sieht Förstina die Zukunft jedoch positiv – sofern Hersteller, Handel und Verbraucher ihren Beitrag zu einem funktionierenden Mehrwegkreislauf leisten. (Justin Klenner) +++