Mögliche Amoktat
Gewalttat am Gymnasium - Rätsel um das Motiv
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
09.07.2026 / SCHONGAU -
Schock im oberbayerischen Schongau: Bei einer mutmaßlichen Amoktat an einem Gymnasium werden zwei Mädchen schwer verletzt. Hat der Täter es konkret auf sie abgesehen? Oder sind sie Zufallsopfer?
"Meine Beine sind ganz schwach geworden", sagt die 13-Jährige. "Ich habe gar nicht mehr gewusst, wie ich jetzt reagieren soll, ob ich irgendwie kurz nach Hilfe rufen soll oder einfach mich ganz leise verhalten soll." Sie habe sich mit zwei Freunden für die zweite Variante entschieden. "Wir haben dann einfach weggeschaut und gehofft, dass der uns nicht bemerkt."
Zwei gleichaltrige Mädchen haben nicht so viel Glück an diesem Tag. Die beiden Schülerinnen, die, wie die 13-Jährige sagt, in ihre Parallelklasse gehen, werden schwer verletzt an diesem Tag in der Schule - offenbar von einem mit Messer und Pistole bewaffneten 16-Jährigen.
Drohte der mutmaßliche Täter schon früher?
Die mutmaßliche Amoktat erschüttert das oberbayerische Schongau. Der Teenager, möglicherweise ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, wird unter Tatverdacht festgenommen. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wird geprüft, ob er womöglich früher schon einmal Drohungen ausgesprochen hat.Nach ersten Erkenntnissen war der mutmaßliche Täter laut Polizei mit einem Messer und auch einer Schusswaffe, einer Pistole, bewaffnet. Ein abgegebener Schuss habe niemanden getroffen, dann habe die Waffe versagt, erläutert Dobrindt. Die Tatwaffe sei dann das Messer gewesen. Wie Herrmann sagt, war der 16 Jahre alte Kroate, der den Angaben zufolge bei seinen Eltern lebte, in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung.
Was ist das Motiv?
Das Motiv für die Tat bleibt zunächst jedoch unklar. "Die beiden Opfer, die schwerstverletzten Mädchen, sind nach unserer Einschätzung zufällige Opfer, die in dem Moment in seine Schreckensbahn gekommen sind. Wir gehen von einer Amoktat aus eines Einzeltäters", sagt Dobrindt. Und: "Wir gehen weiter davon aus, dass es sich um eine psychische Ausnahmesituation gehandelt hat."Laut Polizei bekamen viele Schüler die Tat hautnah mit. Sie werden - wie auch Lehrer und später auch Einsatzkräfte - psychologisch betreut.
Anlaufstelle für Angehörige und Schüler bei Feuerwehr
Schongau befindet sich an diesem Tag im Ausnahmezustand: Überall Blaulicht, der Bereich um die Schule weitgehend abgesperrt, zeitweise kreisen Hubschrauber. Die Menschen im Ort werden aufgerufen, das Areal zu meiden. Für Angehörige und Eltern von Schülerinnen und Schülern wurde eine Anlaufstelle am Feuerwehrhaus eingerichtet.Schongau ist eine Kleinstadt am Ufer des Lechs im westlichen Oberbayern mit mehr als 12.000 Einwohnern. Das Welfen-Gymnasium liegt nur wenige Hundert Meter von Altstadt und Lech entfernt. Laut Internetseite werden dort etwa 800 Schüler von mehr als 80 Lehrkräften unterrichtet. In direkter Nachbarschaft gibt es auch eine Grund-, Mittel- und Realschule.
"Unsere Schule fördert aktiv Medien-, Gewalt- und Suchtprävention", heißt es dort. Alle 7. Klassen sollen an einem Gewaltpräventionsprojekt mit der Polizei und Mitarbeitern des Jugendzentrums teilnehmen. Der Projektname: "zammgrauft". "Hierbei sollen die Schüler und Schülerinnen durch vielfältige Interaktionen für die unterschiedlichen Formen von Gewalt sensibilisiert werden und sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen", heißt es auf der Internetseite der Schule.
Noch am Nachmittag sind Schüler und Eltern in der eingerichteten Betreuungsstelle. Ein Elternpaar zeigt sich aufgewühlt von den Hubschraubern, dem Blaulicht und der Nachricht, an der Schule ihrer Kinder sei etwas passiert. Sie habe geweint, sagt die Frau, bis die erlösende Nachricht von ihrer Tochter kam: "Mama, mir geht's gut." (dpa)+++