Klassik kann auch anders
Mit Bratsche und harten Techno-Beats: Wie Nanoviola die Clubszene begeistert
Die professionelle Bratschistin Natalia Novikowa alias Nanoviola mitten in der Menge.
Fotos: Nanoviola
11.07.2026 / FULDA -
Wo andere Genregrenzen ziehen, beginnt ihre musikalische Freiheit: Natalia Novikova aus Fulda - bekannt unter dem Künstlernamen Nanoviola - ist kein gewöhnlicher DJ. Während ihrer Techno-Sets greift sie immer wieder zur Bratsche und verbindet elektronische Beats mit klassischer Virtuosität. "Ich habe schon immer gerne improvisiert und wollte mich anders ausdrücken", erklärt die 37-Jährige gegenüber OSTHESSEN|NEWS.
Die gebürtige St. Petersburgerin lebt seit sie 18 Jahre alt ist in Deutschland. Bereits in ihrer Heimatstadt in Russland begann ihre musikalische Laufbahn früh. Sie besuchte zunächst eine Musikschule mit Schwerpunkt auf Professioneller Musikausbildung. Im Alter von zwölf Jahren reiste sie mit einem Orchester international durch verschiedene Länder. In dieser Zeit lernte sie renommierte Künstler und Professoren kennen. Einer von ihnen: Felix Schwartz, Solobratschist der Staatsoper "Unter den Linden" in Berlin. In seiner Klasse absolvierte sie die Aufnahmeprüfung. Weitere Stationen führten sie zum Studieren nach Bremen und Hamburg.
Der lange Weg zum eigenen Sound
"Im Orchester herrschen klare Hierarchien. Für einen kreativen Menschen wie mich war das eher schwierig", erinnert sich Novikova. Mit 20 Jahren entdeckt sie die Musikproduktionssoftware Ableton Live für sich. "Die klassische Musik ist ein Teil von mir - ich suchte nach einem Weg, sie in die elektronischen Klänge einzubinden." Viele Experimente und Lernprozesse später stimmte dann das Gesamtkonzept. "Am Ende muss es hochwertig und authentisch wirken - dafür braucht es Durchhaltevermögen."
Zwischen Klassik und Clubkultur
Inzwischen hat Nanoviola ihren ganz eigenen Stil gefunden. Ihre Sets versteht sie als musikalische Reise. Die Stimmung baut sich darin Schritt für Schritt auf. Immer wieder lässt sie Melodien von Mozart, Vivaldi, Beethoven auf harte elektronische Beats treffen. "Ich habe lange gelernt, wie sich durch Musik Emotionen wecken lassen. Wenn ich mein Instrument spiele, entsteht eine Verbindung, die kaum in Worte zu fassen ist. Für mich hat Musik etwas Heilendes - und genau diese positive Energie möchte ich an andere Menschen weitergeben."
"Emotionen pur"
Während sie unter der Woche in Teilzeit beim Musikverlag Roba Music arbeitet, einem der größten unabhängigen Musikverlage Europas, ist sie an den Wochenenden meist unterwegs - auf Festivals, in Underground-Clubs oder auf Konzertbühnen. Die Künstlerin tritt dabei weltweit auf, sei es in China, Mexiko, Österreich oder Schweden. Ihre Live-Auftritte haben eins gemeinsam. Überall erlebt sie ähnliche Reaktionen: "Menschen tanzen, schwitzen, lachen, manchmal berührt die Musik so sehr, dass sie zu Tränen gerührt sind. Diese Gänsehautmomente sind einfach unbeschreiblich." (Maria Franco) +++