Vom Vizepräsidenten zum Hochschulchef

Jörg Kreiker (49) setzt klare Prioritäten: "Im Mittelpunkt stehen die Studierenden"

Jörg Kreiker wird im Dezember 2026 das Amt des Hochschulpräsidenten übernehmen.
Fotos: Rene Kunze

13.07.2026 / FULDA - Ein vertrautes Umfeld, eine neue Verantwortung: Für Prof. Dr. Jörg Kreiker beginnt in wenigen Monaten ein neues Kapitel an der Hochschule Fulda. Der gebürtige Saarländer wird ab dem 1. Dezember dieses Jahres die Nachfolge von Prof. Dr. Karim Khakzar als Hochschulpräsident antreten. Diesem umfassenden Aufgabenfeld blickt er voller Tatendrang entgegen. "Da spielen natürlich Vorfreude, Demut und eine gewisse Spannung mit rein", erklärt der 49-Jährige gegenüber OSTHESSEN|NEWS. "Ich trete in sehr große Fußstapfen."



Nach 18 Jahren steht ein Wechsel an der Spitze der Hochschule bevor (O|N berichtete). Kreiker ist mit vielen Abläufen bereits bestens vertraut. Vor zehn Jahren wurde er als Professor für Programmierung an den Fachbereich Angewandte Informatik berufen. Nach zwei Jahren übernahm er die Rolle des Studiendekans, seit fünf Jahren gehört er dem Präsidium an. Zuletzt war er zwei Jahre lang Vizepräsident für Lehre, Studium und Digitalisierung.

Leitgedanke: "Studierende zuerst"

Die Hochschule Fulda zählt im Sommersemester 2026 insgesamt 8.700 Studierende. Für Kreiker ist klar: Auch als Hochschulpräsident gilt für ihn das Prinzip "Studierende zuerst" - ein Leitgedanke, der ihn seine gesamte berufliche Laufbahn begleitet hat. Gerade deshalb blickt er mit Sorge auf eine Entwicklung, die bundesweit zu beobachten ist: So habe nach der Corona-Pandemie die Präsenz auch auf dem Campus in der Leipziger Straße deutlich nachgelassen. Viele Angebote würden online laufen, manche Studierenden kämen nur noch selten an die Hochschule.

"Ein großes Ziel wird es sein, die jungen Menschen wieder stärker auf den Campus zu holen und dafür zu sorgen, dass sie sich vor Ort wohlfühlen", stellt der 49-Jährige heraus. "Dafür benötigt es selbstverständlich genug Anreize, hierherzukommen." Der künftige Hochschulchef setzt dabei auf mehr Beteiligung und Mitgestaltung. Ebenso möchte er ehrenamtliches Engagement mehr würdigen. Ob bei der Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz oder in anderen gesellschaftlichen Bereichen - dort würden wichtige Kompetenzen erworben, die auch für das Studium wertvoll seien. "Bei solchen Tätigkeiten wird unglaublich viel gelernt. Ich finde, dass wir darüber nachdenken sollten, wie man solche Leistungen stärker anerkennen kann."

Campus im Wandel

Die Folgen des Klimawandels will Kreiker ebenfalls stärker in den Blick nehmen. "Die jüngste Hitzewelle hat gezeigt, dass es bei Temperaturen von fast 40 Grad nahezu unmöglich ist, reguläre Lehrveranstaltungen durchzuführen." Trotz des attraktiven Campus werde es deshalb notwendig sein, entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Gleichzeitig sieht der designierte Hochschulpräsident in der Digitalisierung großes Entwicklungspotenzial. Zwar sei die Hochschule Fulda im hessischen Vergleich bereits gut aufgestellt, ausruhen wolle man sich darauf jedoch nicht. "Trotzdem müssen wir da weiter vorankommen", betont er. Sein Ziel ist eine möglichst durchgängige Digitalisierung von Prozessen - von digitalen Zeugnissen bis hin zu einer weitgehend papierlosen Hochschulverwaltung.

Amtswechsel: "Es wird eine relativ sanfte Übergabe"

An die bisherigen Erfolge seines Vorgängers möchte Kreiker anknüpfen - und zugleich eigene Schwerpunkte setzen. Der reibungslose Übergang erleichtert ihm den Start in das neue Amt. Seit fünf Jahren arbeitet er eng und vertrauensvoll mit Hochschulpräsident Prof. Dr. Khakzar zusammen. Schon jetzt werde er in wichtige Themen und anstehende Aufgaben eingebunden. "Die allermeisten Prozesse und Herausforderungen kenne ich bereits", betont er.

Bevor der Wechsel offiziell vollzogen wird, steht für den 49-Jährigen allerdings zunächst eine Auszeit auf dem Programm. "Erst einmal geht es in den Urlaub", sagt er mit einem Lächeln. Danach läuft das reguläre Präsidiumsgeschäft weiter, ehe er im Winter seine neue Aufgabe wahrnehmen darf. Im Vorfeld freut sich Kreiker vor allem auf die besonderen Momente seines künftigen Amtes: den Fassanstich bei den Hochschultagen, die Begrüßung der Erstsemester sowie die Weihnachtsansprache. "Das Gemeinschaftsgefühl und der Austausch liegen mir am Herzen - das möchte ich insgesamt noch stärker fördern." Denn: "Wir müssen wieder mehr zueinander finden." (Maria Franco) +++

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