Das O|N-Sommergespräch

"Wir wollen uns den Erfolg erarbeiten" - Der SGB-Vorstand spricht Klartext

Der Barockstadt-Vorstand war im exklusiven Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.
Fotos: Carina Jirsch

12.07.2026 / FULDA - Während auf dem Platz die Sommerpause vorbei ist und die Saisonvorbereitung im vollen Gange ist, laufen bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz im Vorstand natürlich die Saisonvorbereitungen auf Hochtouren. Im exklusiven OSTHESSEN|NEWS-Sommergespräch zieht der Vorstand Bilanz zur vergangenen Spielzeit, spricht über Lehren aus dem verkorksten Saisonstart, die wirtschaftliche Entwicklung des Vereins, langfristige Ziele und natürlich die kommende Spielzeit.


Dabei hätte die Saison durchaus einen anderen Verlauf nehmen können. Nach drei Niederlagen zum Auftakt geriet die Mannschaft früh unter Druck, ehe sie sich am Ende der Hinrunde stabilisierte und nach der Winterpause zur zweitbesten Mannschaft der Regionalliga Südwest avancierte. Dass es am Ende sogar bis ins Hessenpokal-Finale ging, wertet der Vorstand als Bestätigung des eingeschlagenen Weges.

"Nach der Winterpause bin ich mit dem Verlauf sehr zufrieden. Natürlich war es schade, das Pokalfinale zu verlieren, aber allein dieses Erlebnis war für den Verein etwas Besonderes", sagt Vorstandsvorsitzender Peter Enders. Martin Geisendörfer verweist ebenfalls auf die beeindruckende Entwicklung: "Nach dem Saisonstart und den drei Niederlagen hat die Mannschaft in der Rückrunde eine überragende Serie gespielt."

Ruhe statt Aktionismus als Erfolgsrezept

Als entscheidenden Faktor für die Wende nennt der Vorstand vor allem die Ruhe innerhalb des Vereins. Während andernorts früh Trainerdiskussionen oder personelle Konsequenzen gefordert worden wären, hielt die SG Barockstadt bewusst an Trainer Daniyel Cimen und der Mannschaft fest.

"Das Sportliche muss das Sportliche bleiben. Da reden nicht fünf Leute mit. Jeder hat zwar eine Meinung, aber am Ende müssen Trainer und Mannschaft arbeiten können", erklärt Enders. Gerade in schwierigen Phasen sei es wichtig gewesen, keine Unruhe aufkommen zu lassen. "Man entscheidet sich bewusst für einen Trainer und für einen Weg. Dann muss man diesen auch gehen."

Christian Geisendörfer sieht einen weiteren Schlüssel im Zusammenhalt der Mannschaft. "Wir haben im Winter an den richtigen Stellschrauben gedreht. Entscheidend war aber vor allem, dass wir als Einheit aufgetreten sind. Genau das wollen wir auch in der kommenden Saison wieder auf den Platz bringen."

Auch Volker Hilpert erinnert daran, dass die Mannschaft trotz der Niederlagen nie deutlich unterlegen gewesen sei. "Wir wussten immer, dass wir mit allen Mannschaften mithalten können. Irgendwann kam dann das Selbstvertrauen zurück und daraus hat sich diese starke Rückrunde entwickelt."

Klassenerhalt bleibt das erste Ziel

Trotz der starken zweiten Saisonhälfte und des Pokalfinales will sich im Vorstand niemand von zu hohen Erwartungen leiten lassen. Zwar soll möglichst an die Leistungen der Rückrunde angeknüpft werden, die Zielsetzung bleibt jedoch bewusst bodenständig.

"Natürlich wollen wir wieder eine gute Rolle spielen", sagt Christian Geisendörfer. "Aber wenn man sich die Etats in der Liga anschaut, gehören wir sicherlich nicht zu den finanzstärksten Vereinen. Deshalb bleibt der Klassenerhalt zunächst unser wichtigstes Ziel."

Großen Wert legt der Sportvorstand darauf, dass die Mannschaft weitgehend zusammengeblieben ist. Vor allem die Achse des Teams konnte gehalten werden. Die bisherigen Neuzugänge hätten zudem einen positiven Eindruck hinterlassen und würden sowohl sportlich als auch menschlich gut zur Mannschaft passen.

"Wir haben aus der Vergangenheit gelernt", erklärt Geisendörfer. "Wir suchen keine Spieler nur aufgrund ihres Namens. Sie müssen vor allem charakterlich zu unserem Verein und unserer Mannschaft passen."

Pokalfinale als Werbung für den Verein

Auch wenn die Niederlage im Hessenpokal-Endspiel noch immer schmerzt, blickt der Vorstand mit Stolz auf die vergangenen Pokalwochen zurück. Insbesondere die Unterstützung der Fans habe gezeigt, welches Potenzial im Verein steckt. "Allein schon die vielen Menschen, die mit nach Offenbach gefahren sind, haben gezeigt, dass eine Erwartungshaltung entstanden ist", erklärt Volker Hilpert. "Die wollen wir natürlich nicht enttäuschen."

Für Martin Geisendörfer hätte sogar noch deutlich mehr Unterstützung möglich sein können. Dass am Finaltag zahlreiche Amateurspiele parallel stattfanden, sorgt beim Vorstand noch immer für Unverständnis. Man sei überzeugt, dass unter anderen Voraussetzungen noch deutlich mehr Anhänger den Weg nach Offenbach gefunden hätten.

Auch die Atmosphäre rund um das Finale bleibt in bester Erinnerung. Besonders die Choreografie der Fans sowie die lautstarke Unterstützung hätten Eindruck hinterlassen. Gleichzeitig betont der Vorstand, wie wichtig die aktive Fanszene inzwischen für die Entwicklung des Vereins geworden sei.

Wirtschaftlich solide - trotz kleinerem Budget

Neben den sportlichen Themen spielte im Sommergespräch auch die wirtschaftliche Lage eine große Rolle. Der Verein bekommt die angespannte gesamtwirtschaftliche Situation ebenfalls zu spüren und geht mit einem kleineren Etat in die neue Saison. "Wir merken schon, dass Unternehmen derzeit vorsichtiger geworden sind", erklärt Martin Geisendörfer. "Deshalb müssen wir in dieser Saison mit einem reduzierten Budget arbeiten."

Trotzdem sieht sich die SG Barockstadt gut aufgestellt. Anders als viele Konkurrenten sei der Verein nicht von einem einzelnen Großsponsor abhängig. "Wir haben keinen Sponsor, der plötzlich die Hälfte unseres Budgets ausmacht", erklärt Peter Enders. "Dafür verfügen wir über viele mittelständische Partner aus der Region. Das macht uns stabil."

Gleichzeitig müsse jeder Euro sinnvoll eingesetzt werden. Gerade im Regionalliga-Fußball könnten Fehlentscheidungen auf dem Transfermarkt schnell teuer werden.

Infrastruktur soll weiter wachsen

Ein weiterer Schwerpunkt der kommenden Jahre liegt auf der Infrastruktur. Geplant sind unter anderem ein neuer Trainingscampus in Modulbauweise mit modernen Kabinen, Besprechungsräumen, Aufenthaltsbereichen und Arbeitsmöglichkeiten für die erste Mannschaft. Parallel soll auch der VIP-Bereich erweitert werden.

"Wir müssen die Rahmenbedingungen weiter professionalisieren", sagt Christian Geisendörfer. "Nur so können wir langfristig attraktiv bleiben - auch für junge Spieler oder mögliche Leihspieler aus dem Profibereich."

Schritt für Schritt statt Größenwahn

Wo sieht sich die SG Barockstadt in fünf Jahren? Eine konkrete Ligazugehörigkeit möchte im Vorstand niemand versprechen. Viel wichtiger sei es, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. "Man kann im Fußball nichts planen", sagt Peter Enders. "Aber wir wollen jedes Jahr ein Stück besser werden. Vielleicht kommt irgendwann einmal die Saison, in der einfach alles zusammenpasst."

Dass dieser Weg funktioniert, zeigt aus Sicht des Vorstands bereits die Entwicklung der vergangenen Jahre. Aus einem ambitionierten Hessenligisten ist inzwischen ein etablierter Regionalligist geworden, der sportlich regelmäßig mit deutlich finanzstärkeren Vereinen mithält.

Oder wie Peter Enders es zum Abschluss des Gesprächs formuliert: "Wir wollen kein Verein sein, der sich Erfolg kauft. Wir wollen ihn uns gemeinsam erarbeiten." (Nicolas Kraus)+++


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