Das O|N-Sommergespräch
"Wir wollen uns den Erfolg erarbeiten" - Der SGB-Vorstand spricht Klartext
Fotos: Carina Jirsch
12.07.2026 / FULDA -
Während auf dem Platz die Sommerpause vorbei ist und die Saisonvorbereitung im vollen Gange ist, laufen bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz im Vorstand natürlich die Saisonvorbereitungen auf Hochtouren. Im exklusiven OSTHESSEN|NEWS-Sommergespräch zieht der Vorstand Bilanz zur vergangenen Spielzeit, spricht über Lehren aus dem verkorksten Saisonstart, die wirtschaftliche Entwicklung des Vereins, langfristige Ziele und natürlich die kommende Spielzeit.
Dabei hätte die Saison durchaus einen anderen Verlauf nehmen können. Nach drei Niederlagen zum Auftakt geriet die Mannschaft früh unter Druck, ehe sie sich am Ende der Hinrunde stabilisierte und nach der Winterpause zur zweitbesten Mannschaft der Regionalliga Südwest avancierte. Dass es am Ende sogar bis ins Hessenpokal-Finale ging, wertet der Vorstand als Bestätigung des eingeschlagenen Weges.
Ruhe statt Aktionismus als Erfolgsrezept
Als entscheidenden Faktor für die Wende nennt der Vorstand vor allem die Ruhe innerhalb des Vereins. Während andernorts früh Trainerdiskussionen oder personelle Konsequenzen gefordert worden wären, hielt die SG Barockstadt bewusst an Trainer Daniyel Cimen und der Mannschaft fest.Auch Volker Hilpert erinnert daran, dass die Mannschaft trotz der Niederlagen nie deutlich unterlegen gewesen sei. "Wir wussten immer, dass wir mit allen Mannschaften mithalten können. Irgendwann kam dann das Selbstvertrauen zurück und daraus hat sich diese starke Rückrunde entwickelt."
Klassenerhalt bleibt das erste Ziel
Trotz der starken zweiten Saisonhälfte und des Pokalfinales will sich im Vorstand niemand von zu hohen Erwartungen leiten lassen. Zwar soll möglichst an die Leistungen der Rückrunde angeknüpft werden, die Zielsetzung bleibt jedoch bewusst bodenständig.Großen Wert legt der Sportvorstand darauf, dass die Mannschaft weitgehend zusammengeblieben ist. Vor allem die Achse des Teams konnte gehalten werden. Die bisherigen Neuzugänge hätten zudem einen positiven Eindruck hinterlassen und würden sowohl sportlich als auch menschlich gut zur Mannschaft passen.
"Wir haben aus der Vergangenheit gelernt", erklärt Geisendörfer. "Wir suchen keine Spieler nur aufgrund ihres Namens. Sie müssen vor allem charakterlich zu unserem Verein und unserer Mannschaft passen."
Pokalfinale als Werbung für den Verein
Auch wenn die Niederlage im Hessenpokal-Endspiel noch immer schmerzt, blickt der Vorstand mit Stolz auf die vergangenen Pokalwochen zurück. Insbesondere die Unterstützung der Fans habe gezeigt, welches Potenzial im Verein steckt. "Allein schon die vielen Menschen, die mit nach Offenbach gefahren sind, haben gezeigt, dass eine Erwartungshaltung entstanden ist", erklärt Volker Hilpert. "Die wollen wir natürlich nicht enttäuschen."Für Martin Geisendörfer hätte sogar noch deutlich mehr Unterstützung möglich sein können. Dass am Finaltag zahlreiche Amateurspiele parallel stattfanden, sorgt beim Vorstand noch immer für Unverständnis. Man sei überzeugt, dass unter anderen Voraussetzungen noch deutlich mehr Anhänger den Weg nach Offenbach gefunden hätten.
Auch die Atmosphäre rund um das Finale bleibt in bester Erinnerung. Besonders die Choreografie der Fans sowie die lautstarke Unterstützung hätten Eindruck hinterlassen. Gleichzeitig betont der Vorstand, wie wichtig die aktive Fanszene inzwischen für die Entwicklung des Vereins geworden sei.
Wirtschaftlich solide - trotz kleinerem Budget
Neben den sportlichen Themen spielte im Sommergespräch auch die wirtschaftliche Lage eine große Rolle. Der Verein bekommt die angespannte gesamtwirtschaftliche Situation ebenfalls zu spüren und geht mit einem kleineren Etat in die neue Saison. "Wir merken schon, dass Unternehmen derzeit vorsichtiger geworden sind", erklärt Martin Geisendörfer. "Deshalb müssen wir in dieser Saison mit einem reduzierten Budget arbeiten."Trotzdem sieht sich die SG Barockstadt gut aufgestellt. Anders als viele Konkurrenten sei der Verein nicht von einem einzelnen Großsponsor abhängig. "Wir haben keinen Sponsor, der plötzlich die Hälfte unseres Budgets ausmacht", erklärt Peter Enders. "Dafür verfügen wir über viele mittelständische Partner aus der Region. Das macht uns stabil."
Infrastruktur soll weiter wachsen
Ein weiterer Schwerpunkt der kommenden Jahre liegt auf der Infrastruktur. Geplant sind unter anderem ein neuer Trainingscampus in Modulbauweise mit modernen Kabinen, Besprechungsräumen, Aufenthaltsbereichen und Arbeitsmöglichkeiten für die erste Mannschaft. Parallel soll auch der VIP-Bereich erweitert werden."Wir müssen die Rahmenbedingungen weiter professionalisieren", sagt Christian Geisendörfer. "Nur so können wir langfristig attraktiv bleiben - auch für junge Spieler oder mögliche Leihspieler aus dem Profibereich."
Schritt für Schritt statt Größenwahn
Wo sieht sich die SG Barockstadt in fünf Jahren? Eine konkrete Ligazugehörigkeit möchte im Vorstand niemand versprechen. Viel wichtiger sei es, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. "Man kann im Fußball nichts planen", sagt Peter Enders. "Aber wir wollen jedes Jahr ein Stück besser werden. Vielleicht kommt irgendwann einmal die Saison, in der einfach alles zusammenpasst."Oder wie Peter Enders es zum Abschluss des Gesprächs formuliert: "Wir wollen kein Verein sein, der sich Erfolg kauft. Wir wollen ihn uns gemeinsam erarbeiten." (Nicolas Kraus)+++