Bodo Ramelow im Podiumsgespräch
"Wir müssen über das reden, was wehtut!"
Fotos: Jörg Steinert
03.07.2026 / KALBACH -
Großes Interesse in Kalbach-Heubach (Landkreis Fulda): Weil die Plätze in der Landsynagoge nicht ausreichten, wurde das Podiumsgespräch des Fördervereins Landsynagoge Heubach mit Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke) am Donnerstagabend ins Bürgerhaus verlegt. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Fördervereins, Hartmut Zimmermann, sprach Ramelow dort über das Thema "Erinnerungskultur und Demokratie unter Druck?".
Erinnerungskultur bedeute für ihn nicht, "Wunden aufzureißen", sondern aus der Geschichte zu lernen. Schuld trage die heutige Generation nicht, wohl aber Verantwortung. Ausgrenzung sei oft der Beginn einer gefährlichen Entwicklung. Mit Blick auf aktuelle Debatten warnte Ramelow vor pauschalen Urteilen über Menschen aufgrund ihrer Herkunft. "Wo Menschen sind, sind auch Arschlöcher", sagte er. Entscheidend sei das Verhalten des Einzelnen. Den AfD-Slogan auf einem Wahlplakat "Unser Land, unsere Regeln" bezeichnete er als richtig – fragte aber, warum sich dessen Vertreter selbst nicht immer daran hielten.
Im Anschluss nahm sich Ramelow Zeit für Fragen und Sorgen aus den Reihen der Besucher. Ein Besucher fragte, wie Demokraten künftig mit der CDU umgehen sollten, nachdem sie von einigen politischen Akteuren bereits als AfD-nah bezeichnet worden sei. Dem widersprach Ramelow ganz klar, auch gegen die eigene Partei. Pauschale Feindbilder, wie die CDU sei faschistisch, wie Linken-Chef Pantisano sie nannte, wären nur eine Hilfe für die AfD. Auch wenn der Linken-Chef sich dafür später entschuldigte, meinte Ramelow, Pantisano hätte vorher darüber gründlicher nachdenken sollen. Mitstreiter für die Demokratie auszuschließen, nütze nur der AfD.
Zum Ende der Veranstaltung dankte der Förderverein den Gästen für ihr großes Interesse. Der Abend im gut gefüllten Bürgerhaus endete mit lang anhaltendem Applaus für das Podiumsgespräch. (fw) +++