Hausbesitzer sind sauer
5G-Sendemast in Zirkenbach steht nur 20 Meter vom Grundstück entfernt
Mitten im Wohngebiet und keine 20 Meter vom Haus entfernt steht der 5G-Funkmast in Zirkenbach
Fotos: Marvin Myketin
03.07.2026 / FULDA -
Joshua Draeger wohnt mit seiner Familie eigentlich in einer ländlichen Idylle im Fuldaer Stadtteil Zirkenbach. Doch seit über einem Jahr ist der Blick aus dem Fenster seines Einfamilienhauses durch einen massiven 5G-Mobilfunksendemast der Telekom beeinträchtigt. Der ist 33 Meter hoch und gerade mal 20 Meter von seiner Grundstücksgrenze entfernt. Über dessen Errichtung und die Tatsache, dass er und seine Nachbarn davor weder gefragt noch rechtzeitig informiert worden sind, ist er nach wie vor stocksauer.
Draeger, der Polizeibeamter ist und zwei Kinder hat, sah Anfang 2024 zufällig, dass sich auf einem angrenzenden Flurstück eine Personengruppe traf, die sich offenbar dort beriet. Darunter waren Vertreter der Stadt und einer Bau- und Betreiberfirma. Kurz darauf waren dort Bodenproben entnommen worden. Erst auf Nachfragen beim Bauamt der Stadt Fulda erfuhren die entsetzten Anwohner, dass sich das Genehmigungsverfahren für den geplanten Sendemast bereits in der Endphase befand. Um ihren Protest gegen die mangelnde Transparenz und fehlenden Informationen im Vorfeld zu unterstreichen, wandte sich die kurz zuvor gegründete Bürgerinitiative an Stadtbaurat Schreiner, der für das Genehmigungsverfahren zuständig ist. Dieser regte ein klärendes Gespräch mit dem Betreiber des Sendemastes und den Ortsvorstehern von Zirkenbach und Johannesberg an. Details zum genauen Planungsstand wurden nicht genannt.
Die Bürgerinitiative, die in Kürze 300 Unterschriften gegen die Errichtung des Mastes gesammelt hatte, monierte scharf, dass sie nicht frühzeitig in den Planungsprozess eingebunden worden waren, und brachte ihre Besorgnis über die befürchteten negativen Auswirkungen zum Ausdruck.
Protest gegen Intransparenz, Gesundheitsrisiko und Wertminderung der Grundstücke
"Aus unserer Sicht beeinträchtigt der Funkmast das Landschaftsbild sowie das Wohlbefinden der Anwohner massiv", so Joshua Draeger als Sprecher der BI. Die Hausbesitzer beklagten zudem die Wertminderung ihrer Grundstücke und Immobilien. "Bei einem Besuch vor Ort können Sie sich selbst ein Bild davon machen, wie sich der neu errichtete, 33 Meter hohe Sendeturm mit seinem groß dimensionierten Metallkorb für die Funktechnik in das ländliche Umfeld der betroffenen Stadtteile einfügt – oder aus unserer Sicht eben nicht einfügt", hatte die BI den Oberbürgermeister zur Besichtigung vor Ort eingeladen.
Die Bürgerinitiative stellte klar, dass sie nicht grundsätzlich gegen den Bau eines 5G-Sendemasts sei. "Wir lehnen nicht den Fortschritt oder 5G ab – im Gegenteil", so ein Sprecher der BI, "aber der Standort direkt am Rand eines Wohngebiets, mitten in einer wichtigen Lüftungszone und in nur geringer Entfernung zu unseren Häusern, ist inakzeptabel. Außerdem gebe es bereits eine ausreichende Abdeckung mit 5G in den betroffenen Stadtteilen.
Doch auch die Reaktion aus dem Stadtschloss enttäuschte die BI-Mitglieder. Der Oberbürgermeister machte klar, dass es aus Sicht der Stadtverwaltung keine Alternative zur Errichtung gegeben habe, aller Beeinträchtigungen der Anwohner zum Trotz. "Die rechtliche Lage bezüglich der Genehmigung ist eindeutig: Ein genehmigungsfähiges Bauvorhaben ist bei Einhaltung aller Anforderungen zu genehmigen", teilte er mit. Die Rechtmäßigkeit sei von der zuständigen unteren Bauaufsichtsbehörde bestätigt, alternative Standorte geprüft, aber verworfen worden.
Kritik am "Geklüngel im Stadtschloss"
"Die Stadt hat sich über die Interessen der Anwohner hinweggesetzt und Tatsachen geschaffen", bemängelt Draeger, der Widerspruch beim Verwaltungsgericht gegen das Genehmigungsverfahren eingelegt hat. "Die Errichtung des Sendemastes hat keine zwei Wochen gedauert, eine gerichtliche Klärung kann sich laut meinem Anwalt bis zu zwölf Jahren hinziehen", bemängelt er. Und die Erfolgsaussichten einer Klage sind erwartbar gering.
Joshua Draeger ist überzeugt davon, dass die Stadt entgegen deren Aussage eine aktive Rolle bei der Standortsuche für neue 5G-Funkmasten übernimmt und sich damit massiv über die Interessen der Anwohner hinwegsetzt. Seinen Informationen nach ist der nächste Sendemast bereits geplant. Er soll demnächst in Edelzell auf einem Feld an der Engelhelmser Straße errichtet werden. Mit diesen Plänen sieht sich der Zirkenbacher in seiner Kritik am "Geklüngel" im Stadtschloss bestätigt. Durch fehlende Transparenz verliere die CDU das Vertrauen der Bürger. "Es besteht offenbar keinerlei Bereitschaft, mit den Bürgern vor Ort zu sprechen und etwas für sie zu tun." Sein Unmut über die Mehrheitspartei habe sich deshalb auch in seiner letzten Wahlentscheidung niedergeschlagen, sagt der Polizist. (ci) +++