Bundesweiter Trend bei Arbeitslosigkeit

Zwischen Aufschwung und Warnsignal: Einblicke in Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit in Hünfeld sank im Vergleich zum abgelaufenen Jahr – doch der Trend lässt eine Steigerung erwarten.
Fotos: Justin Klenner

26.06.2026 / HÜNFELD - Im hessenweiten Durchschnitt schneidet der Landkreis Fulda in der Arbeitslosenquote sehr positiv ab. Aufgrund der sehr hohen Nachfrage möchte die Agentur für Arbeit ihren Auswertungskreis erweitern und peilt an, auch in Zukunft Zahlen einzelner Kommunen zu veröffentlichen. So blickten am Freitagmorgen Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok gemeinsam mit den Verantwortlichen im Hünfelder Magistratssaal auf den Arbeitsmarkt des Altkreises und zogen eine gemischte Bilanz.



"Der Arbeitsmarkt in Fulda schneidet im Hessenvergleich sehr gut ab. Im Altkreis Hünfeld ist er sogar noch besser", freute sich Tschesnok über die Zahlen. Die Arbeitslosigkeit im Altkreis Hünfeld entwickelt sich seit Jahresbeginn positiv. So sank die Zahl der Arbeitslosen von Januar bis Mai dieses Jahres um sechs Prozent. Die Frühjahresbelebung bleibe jedoch aus.

Hohe Nachfrage bei Rathauschefs – Einblicke in den Arbeitsmarkt

Immer mehr Bürgermeister wollen den Arbeitsmarkt ihrer Kommune im Blick behalten. Die Agentur für Arbeit erhält jährlich zahlreiche Anfragen. Katharina Henkel möchte in ihrer neuen Tätigkeit als Vorsitzende der Geschäftsführung mehr auf den Arbeitsmarkt der Region eingehen und nicht nur die Statistiken im Landkreis Fulda, sondern auch Auswertungen einiger Kommunen veröffentlichen. "Der Altkreis Hünfeld bietet sich an, hier punktuelle Einblicke zu schaffen", erklärte Henkel.

Mehr Arbeitslose als noch vor zehn Jahren

Um eine Entwicklung nachvollziehen zu können, vergleicht die Agentur für Arbeit die heutigen Zahlen mit denen von vor zehn Jahren. Im Jahr 2016 waren 2,3 Prozent im Altkreis Hünfeld arbeitslos. 2026 stieg die Quote schließlich bis auf drei Prozent an – auch wenn ein leichter Rückgang zum vergangenen Jahr zu erkennen ist. "Die Arbeitslosenquote entwickelt sich im negativen Sinne und steigt auch in Hünfeld an. Das ist bezeichnend für die Region", so Henkel.

Arbeitslosigkeit soll frühzeitig unterbunden werden

Um dieser Negativspirale entgegenzuwirken, möchte die Agentur für Arbeit bereits frühzeitig reagieren. Wenn Unternehmen schließen, wie es beispielsweise in den vergangenen Jahren in der Fuldaer Innenstadt der Fall war, soll den scheidenden Arbeitnehmern die Möglichkeit geboten werden, sich mit den potenziellen neuen Arbeitgebern frühzeitig auszutauschen. "Der Ansatz liegt darin, zu verhindern, dass die Menschen überhaupt arbeitslos werden", betonte die Vorsitzende der Geschäftsführung. Dies soll in vielen verschiedenen Formen ermöglicht werden.

Immer mehr junge Menschen rutschen in die Arbeitslosigkeit

Besonders bei jungen Menschen nehme die Arbeitslosigkeit zu. In Hünfeld sind 52 von insgesamt 608 Arbeitslosen unter 25 Jahren – 21,2 Prozent weniger wie noch im Vorjahr. Bei Menschen zwischen 15 und 20 Jahren stieg die Arbeitslosigkeit hingegen um 12,5 Prozent. "Das ist ein bundesweiter Trend", erklärte Henkel. Immer weniger junge Menschen absolvieren eine Berufsausbildung und fangen nach der Schullaufbahn entweder sofort mit dem Arbeiten an oder gehen studieren. Dabei spielt insbesondere die Ungewissheit, ob sie direkt nach der Ausbildung übernommen werden, eine große Rolle. "Die Sinnhaftigkeit der Arbeit wird bei den jungen Menschen immer wichtiger", sagte Tschesnok. Die Agentur für Arbeit bietet bereits einige Programme an, um den Einstieg in eine Berufsausbildung zu erleichtern. Mittlerweile gibt es sogar Möglichkeiten für junge Menschen, die noch nicht bereit für eine Ausbildung sind. Diese gebe es allerdings nur am Standort in Fulda, nicht in Hersfeld-Rotenburg.

Zahl der SVB steigt

Eine erfreulichere Nachricht gebe es bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen (SVB), die im Zehnjahresvergleich gestiegen ist. Vom September 2015 bis 2025 gab es eine Steigerung von 12,6 Prozent. Dabei ist das verarbeitende Gewerbe mit 3.143 Beschäftigten die größte Branche. Aber auch im Verkehr und in der Lagerei verdoppelte sich die Anzahl auf 1.091, im Baugewerbe um mehr als ein Viertel auf 1.198 und in der Branche öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung von 181 auf 802. Die Zahl der SVB stieg von 2015 auf 2025 um 12,6 Prozent (von 10.337 auf 11.636). Dabei gab es bei den deutschen Beschäftigten eine Steigerung von 4,2 Prozent, bei den ausländischen Beschäftigten sogar um 202 Prozent (439 auf 1.326). "Der Anstieg ist nur durch Einwanderung möglich. Uns gehen schlichtweg die deutschen Arbeitskräfte aus", erläuterte Henkel. (Justin Klenner) +++

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