Engagierte Katholikin in Dokumentation
Grünen-Politikerin Christa Nickels zu Gast bei der Katholischen Akademie
Fotos: Katholische Akademie
26.06.2026 / FULDA -
Christa Nickels, engagierte Katholikin und Gründungsmitglied der Grünen in Nordrhein-Westfalen, gehörte viele Jahre dem Deutschen Bundestag an – zu einer Zeit, in der das Parlament noch stark von Männern geprägt war. Sie ist eine der Stimmen im Dokumentarfilm "Die Unbeugsamen", der die Rolle von Politikerinnen in dieser Epoche beleuchtet. Mehr als 60 Gäste, überwiegend Frauen, sahen den Film gemeinsam und reagierten mit Lachen und Staunen auf einzelne Szenen. Im Anschluss folgte ein moderiertes Gespräch mit Nickels, das den Abend abrundete und Raum für persönliche Eindrücke sowie politische Reflexionen bot.
Der Akademieabend mit der Grünen-Politikerin fand erstmals im "U 1" im Kellergeschoss des Konzeptkaufhauses Karl statt. Gesprächspartnerin von Christa Nickels war Andrea Rühmann, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke (AKSB). "Sie ist als gelernte Politikwissenschaftlerin und Historikerin sowie als gebürtige Bonnerin gut vertraut mit der ehemaligen Bonner Republik", erklärte Akademiedirektor Gunter Geiger in seiner Begrüßung. Der Abend fand in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung statt.
Brücke von Vergangenheit zur Gegenwart
"Es ist wichtig, sich über Grenzen hinweg für gemeinsame Ziele einzusetzen. Das zeigt der Film deutlich", schlug die 73-jährige Politikerin eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart. Denn die Protagonistinnen im Film sind Politikerinnen aus verschiedenen Parteien. Sie alle eint der gemeinsame Wille, sich in diesem von Männern dominierten Politikbetrieb gegenseitig zu stärken und durchzusetzen.Beim Schauen des Films wird deutlich, welcher Wirklichkeit Frauen in der Nachkriegszeit bis in die 1990er-Jahre gegenüberstanden. So äußerte Bundeskanzler Konrad Adenauer gegenüber der ersten Ministerin in einem deutschen Kabinett, Elisabeth Schwarzhaupt: "In diesem Kreis sind auch Sie ein Herr." Die Politikerin hatte zuvor Anstoß an Adenauers üblicher Anrede "Meine Herren" genommen.
Persönliche Erfahrungen und Glauben
Seit den Anfängen des Bundestags gab es Kämpferinnen für die Rechte von Frauen. Maria Elisabeth Lüders (bis 1966 für die FDP im Bundestag) war eine von ihnen. Im Film wird sie mit dem Satz zitiert: "Männer haben die starke Neigung, sich zu zanken, Frauen die ebenso starke Neigung, sich zu versöhnen." Nickels schilderte im Gespräch, wie es ihr als junger Abgeordneten beim Betreten des Bundestags erging. "Was uns da von den Männern entgegenschlug, hat mich erschüttert", erinnert sie sich. Die meist älteren männlichen Abgeordneten der anderen Parteien hätten sie nicht als ihresgleichen angesehen, bestenfalls als ihre "aufsässigen Töchter".Nickels bezeichnet sich selbst als "Graswurzelkatholikin". Die von Gott geschaffene Schöpfung und die Gestalt von Jesus, der jedem die Gotteskindschaft zuspricht, seien für sie eine Lebenskraft. Da überrascht es nicht, dass Nickels die erste kirchenpolitische Sprecherin der Grünen wurde. Dabei musste die bekennende Katholikin und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) immer wieder einstecken – sowohl von Bischöfen als auch von Parteikollegen. "Ich versuche aber nicht zu spalten, sondern zu einen", betonte sie.
Nickels gegen Abtreibung
Die Grünen-Politikerin rät Frauen davon ab, sich angesichts der Situation in Kirche und Politik zu verkriechen. "Tun Sie das nicht!", unterstrich sie. Denn sonst würde man das Feld kirchlichen Fundamentalisten und Politikern überlassen, die nur spalten wollen – zum Schaden der Demokratie. Die "Hälfte der Menschheit" sollte sich mit ihren Talenten, Erfahrungen, Einsichten und Gestaltungsvorschlägen aktiv einbringen.Ihre christliche Haltung zeigte Nickels nicht zuletzt bei der Diskussion um den Abtreibungsparagrafen 218. Sie sei gegen Abtreibung, denn mit jeder Abtreibung werde ein junges Leben beendet. Deshalb seien Hilfsangebote und Unterstützung so wichtig. Zugleich setze sie sich aber für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ein, wenn diese sich für eine Abtreibung entscheiden.
Kraniche-Kette und Fulda-Gap
Christa Nickels engagierte sich in den 1980er-Jahren intensiv in der Friedensbewegung. In einer Bundestagsdebatte trat sie einst mit einer "Kette der 1000 Kraniche" ans Rednerpult. Die Kette stammte aus Japan und war ein Symbol des Protests gegen Atomwaffen. Nickels erhielt sie vom hessischen Grünen-Abgeordneten Ulrich Fischer, der damals in Osthessen lebte – im sogenannten Fulda-Gap, wo im Ernstfall ein Angriff aus dem Osten erwartet wurde.Nach ihrer Rede überreichte Nickels die Kette an Bundeskanzler Helmut Kohl. Später erfuhr die Politikerin, dass Kohl sie an Kanzleramtsminister Alois Mertes übergeben hatte. Dessen Sohn, Jesuitenpater Klaus Mertes, bestätigte gegenüber Nickels, dass die Kette in seiner Familie in Ehren gehalten wurde. Heute ist das Friedenssymbol im Haus der Geschichte ausgestellt. Um kurz vor 22 Uhr beschloss die Moderatorin Andrea Rühmann unter großem Beifall des Publikums einen spannungsreichen, mutmachenden und weiterführenden Abend mit einer beeindruckenden Frau. (mis/pm) +++