Hessischer Denkmalschutzpreis

Leben in Waggons: "Waggonia" im Loheland besticht mit Geschichte und Natur

Mitten in der Natur befindet sich in der Gemeinde Künzell die Loheland-Siedlung
Fotos: Philipp Gerhard

25.06.2026 / KÜNZELL - Etwas unscheinbar, versteckt in der Natur zwischen Bäumen und Büschen, befindet sich in der Gemeinde Künzell ein ganz besonderer Ort - nämlich die Loheland-Siedlung. Ein gutes Stück entfernt vom lauten Fulda - gegründet in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg - entstand am Fuße der Rhön ein spannendes Projekt: eine reformpädagogische Frauensiedlung, die unter anderem eine Schneiderei, eine Foto- und eine Lederwerkstatt zu bieten hatte. Geschaffen aus alten Reichsbahn-Waggons entstand hier 1925/26 das einzige noch erhaltene Ensemble dieser Art.


Weil dieser Ort eben von so hoher Bedeutung ist und den zentralen Ideen der Gründerinnen Louise Langgaard und Hedwig von Rohden überhaupt erst die Möglichkeit gegeben hat, zu wachsen, wurde nun 100 Jahre später dieses beachtliche Objekt für den hessischen Denkmalschutzpreis nominiert. Dieser würdigt und unterstützt gemeinsam mit LOTTO Hessen schon seit 40 Jahren verschiedenste spannende Denkmäler Hessens. Am Mittwochvormittag fand der Juryrundgang statt.

Ein Stück Reformgeschichte lässt die Jury staunen

2016 startete die Restaurierung des Waggon-Ensembles und gestaltete sich über einen sehr langen Zeitraum auch äußerst anspruchsvoll. Maßgeblich beteiligt daran war Loheland-Schreiner Carlo Schaub. All die Arbeit kann sich Jahre später definitiv sehen lassen und als Herzstück der Loheland-Siedlung ist sie auch ein wichtiger Teil der Geschichte von dieser. "Für uns ist es eine große Ehre, dass die Waggonia in die engere Auswahl genommen wurde", erklärte Katja Kamphans, Vorstand der Loheland-Stiftung. "Waggonia verbindet den Geist vergangener Zeit mit Themen aus der Gegenwart und als Stiftung haben wir die Verantwortung, dieses Erbe zu bewahren", betonte Kamphans diesbezüglich.

Das Ensemble ist ein spannendes und hervorragend restauriertes Zeitzeugnis aus der Reformgeschichte und lässt Menschen, die zum ersten Mal durch die schmalen Waggons laufen, staunen. Beim Betreten der Waggons stellt sich als Erstes die Frage: "So haben hier wirklich Menschen gelebt?" - wenig später allerdings wandelt sich diese Verwunderung in Faszination. Diese Faszination war auch bei der Jury des Denkmalschutzpreises merklich spürbar, die der Führung von P. Maximilian Abou El Eisch-Boes (Geschäftsführer der Loheland-Stiftung) aufmerksam folgte.

Die gesamte Loheland-Siedlung, aber auch insbesondere die Waggonia, sind definitiv einen Besuch wert und für jeden Geschichtsfan, der sich in der Gegend befindet und Zeit dafür hat, ein kleines Highlight der Historie des Landkreises. Wer aber den großen Denkmalschutzpreis und somit 25.000 Euro Preisgeld gewinnt, wird erst später entschieden. (pg) +++

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