"Jeder hat Talente"

Perspektiva feiert neue Jobs, Abschlüsse und mutigen Auftritt

Auf dem Theresienhof ging es beim diesjährigen Unternehmerforum mit Gesellschafterversammlung von Perspektiva weniger um Tabellen und Beschlüsse als um Menschen.
Fotos: Moritz Bindewald

24.06.2026 / FULDA - Auf dem Theresienhof ging es beim diesjährigen Unternehmerforum mit Gesellschafterversammlung von Perspektiva weniger um Tabellen und Beschlüsse als um Menschen. Gleich neun Jugendliche aus dem Fuldaer Unternehmernetzwerk durften an diesem Abend ihre Arbeits- oder Ausbildungsverträge, Zertifikate und Urkunden in Empfang nehmen. Dazu kam ein Wechsel an der Beiratsspitze.



In seinem Jahresrückblick erinnerte Geschäftsführer Jan Martin Schwarz an die beiden Sätze, auf denen das Netzwerk seit jeher aufbaut: Jeder Mensch hat Talente, und es gibt nur einen Arbeitsmarkt. Genau das war an diesem Abend zu erleben.

Ein junger Mann aus dem Netzwerk wollte eigentlich Lagerist werden, landete dann aber über ein Praktikum in einer Schreinerei - inzwischen ist er dort fest als Helfer im Auf- und Abbau von Küchen angestellt. "Da habe ich mir gedacht: Warum nicht, könnte ja was für mich sein", erzählte er. Ähnlich lief es bei einer jungen Frau, die an der Antonius-von-Padua-Schule in der Kinderbetreuung übernommen wird und einen Tag zuvor noch einen Ausbildungsbaustein bestanden hatte. Ihre Chefin war voller Lob für ihr "tolles Händchen im Umgang mit den Kindern".

Aus einem holprigen Start wurde bei einem anderen jungen Mann eine kleine Karriere: Nach einer wiederholten IHK-Prüfung steigt er nun bei einem Wirtschaftsprüfer als Fachinformatiker für Systemintegration ein. Sein Rezept: leidenschaftlich an der Sache bleiben. Auch eine junge Frau hat sich über ein Praktikum in eine feste Stelle als Malergehilfin gearbeitet, und ein weiterer Jugendlicher überzeugte ein Sägewerk nach einer zweitägigen Probearbeit so, dass er dort nun bei der Herstellung von Europaletten mithilft.

Schulische Erfolge und ein mutiger Auftritt

Erfolge gab es in diesem Jahr auch bei den Hauptschulabschlüssen: Gleich drei Jugendliche aus dem Netzwerk haben ihren Abschluss geschafft. "Wir hatten, glaube ich, noch nie so viele Hauptschulabschlüsse zu überreichen", sagte der scheidende Beiratsmitglied Veit Küllmer - und auch noch nie jemanden, der danach sogar studieren will. Gemeint war damit eine junge Frau, die an der Konrad-Zuse-Schule eine Ausbildung zur Sozialassistentin macht, anschließend noch Erzieherin werden und danach Soziale Arbeit studieren möchte. Unter den frisch gebackenen Hauptschulabsolventinnen und -absolventen beginnt nun eine Ausbildung zur Bürokauffrau, ein anderer startet als Verkäufer im Einzelhandel, und ein Dritter bleibt mit Unterstützung seines Betreuers noch ein weiteres Jahr im Netzwerk, um einen passenden Ausbildungsplatz im Lagerbereich zu finden.

Und: Eine 23-jährige Teilnehmerin trat spontan ans Mikrofon und stellte sich den versammelten Unternehmerinnen und Unternehmern direkt vor, auf der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz. Sie erzählte, wie sie durch ihre Behinderung früh gelernt habe, Probleme kreativ zu lösen und dranzubleiben, "wenn es schwieriger wird". Gesucht sei ein Umfeld, "in dem man Menschen schätzt, die nicht aufgeben, sondern mitdenken". Geschäftsführer Jan Martin Schwarz zeigte sich beeindruckt: Ein so eindrucksvolles Statement habe er auf der Versammlung noch nie gehört.

Wechsel im Beirat, Blick nach vorn

Nach 20 Jahren als Mitglied im Beirat von Perspektiva übergab Veit Küllmer das Amt an Nicole Schmitt von Schmitt Recycling. "Ich glaube, dass man nach 20 Jahren auch mal neue und andere Gesichter sehen sollte", begründete er seinen Schritt - ganz weg ist er aber nicht, sondern bleibt dem Netzwerk als Gesellschafter erhalten. Rainer Sippel dankte ihm im Namen aller: "Du warst über 20 Jahre ein Gesicht von Perspektiva." In den Beirat gewählt wurden neben Nicole Schmidt auch Maria Erb, Rainer Sippel, Johannes Hohmann und Michael Wissler.

Zum Schluss gab der Operative Leiter Christian Knoll noch einen Ausblick auf drei neue Projekte: eine Logistik- und Fulfillment-Abteilung am Theresienhof, eine neu gegründete inklusive Firma für Grün- und Gartenpflege sowie eine digitale Stellenbörse, die Jobs, Ausbildung und Praktika künftig barrierearm zugänglich machen soll. "Wir wollen Barrieren abschaffen und Hindernisse vermeiden", brachte Knoll das Ziel auf den Punkt. An der Stellenbörse arbeitet Perspektiva unter anderem mit Bytewerk und Medienkontor Fulda - dem Medienunternehmen, das auch OSTHESSEN|NEWS herausgibt.

Geschäftsführer Jan Martin Schwarz brachte die Stimmung des Abends am Ende auf den Punkt: "Wie Sie sehen, wird es bei uns auch in Zukunft nicht langweilig." (mmb) +++

X