So steht es um das Neu-Quartier

Spatenstich für 152 Wohnungen: NHW startet Bauarbeiten im Waidesgrund

Grundsteinlegung am Waidesgrund v.l.: Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), NHW-Geschäftsführer Dr. Constantin Westphal und Stadtbaurat Daniel Schreiner
Fotos: Marvin Myketin

23.06.2026 / FULDA - Mit der Grundsteinlegung der "Nassauischen Heimstätte | Wohnstadt" (NHW) am Montag ist eines der größten Wohnungsbauprojekte Fuldas der vergangenen Jahre ein gutes Stück weiter vorangekommen. Auf zwei Baufeldern im Quartier Waidesgrund entstehen ab sofort 152 neue Mietwohnungen - 70 davon mietpreisgebunden und gefördert durch Land Hessen und Stadt Fulda. Damit ist nun auch der letzte der insgesamt vier Bauherren am Waidesgrund mit den eigentlichen Bauarbeiten gestartet.



Zur Grundsteinlegung in der Baugulfstraße kamen NHW-Geschäftsführer Dr. Constantin Westphal sowie Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld. Die NHW ist mit rund 61.000 Mietwohnungen das größte Wohnungsunternehmen Hessens und übernimmt im Waidesgrund die Baufelder eins und drei.

Der Spatenstich ist ein guter Anlass, um den Blick über das gesamte Quartier schweifen zu lassen - denn am Waidesgrund tut sich derzeit eine ganze Menge. "Für die Stadt Fulda findet aktuell ein historischer Schub für die Stadtentwicklung statt", macht Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) deutlich. "Es war damals die richtige Entscheidung, nicht auf schnell, schnell zu setzen, sondern auf langfristige Lebensqualität, auf Menschen, die hier wohnen sollen", so der Oberbürgermeister weiter. NHW-Geschäftsführer Dr. Constantin Westphal ergänzt: "Es ist ein tolles Ergebnis geworden und wir freuen uns, dass wir in dieser zentralen Lage in Fulda bauen dürfen."


Ein Quartier, vier Bauherren, 431 Wohnungen

Auf dem rund 14 Hektar großen Areal im Fuldaer Stadtteil Ziehers entstehen in den kommenden Jahren insgesamt 431 Wohneinheiten, verteilt auf sechs Baufelder und vier Bauherren. 259 der Wohnungen sind mietpreisgebunden. Wie die Pressestelle der Stadt Fulda auf Anfrage mitteilte, gibt es bislang keine wesentlichen Änderungen an dieser Planung.

Besonderheit des Quartiers: Die Stadt hat die Grundstücke nicht verkauft, sondern im Erbbaurecht vergeben. "Die Kombination aus Konzeptvergabe und Erbbaurecht wird von vielen Städten gezielt eingesetzt, um städtebauliche, soziale und ökologische Ziele besser zu steuern", erklärt Pressesprecher Johannes Heller. Die Stadt bleibt damit dauerhaft Eigentümerin des Bodens, kann über die Konzeptvergabe aber Einfluss auf Architektur, Nutzungsmischung und die soziale Durchmischung nehmen - und verhindert laut Heller zugleich Bodenspekulation, da Erbbaugrundstücke vor allem für langfristig orientierte Bestandshalter wie Wohnungsbaugesellschaften interessant seien.

Auch infrastrukturell ist das Quartier schon weit: Die Fernwärmeversorgung ist bereits vollständig erschlossen. Beim Endausbau der Straßen und Wege rechnet das städtische Tiefbauamt mit einer Fertigstellung 2028, spätestens 2029.

Siedlungswerk: Bereits im Innenausbau

Am weitesten fortgeschritten ist das Siedlungswerk Fulda auf Baufeld zwei. "Der Rohbau ist abgeschlossen. Derzeit sind die Ausbaugewerke wie Heizung und Sanitär, Elektro, Trockenbau, Innenputz sowie Fensterbau in den Gebäuden tätig", berichtet Vorstandsvorsitzender Frank Nieburg. Die Fertigstellung der 69 Wohnungen ist weiterhin für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

Von den Wohnungen sind 22 öffentlich gefördert - jeweils elf für Geringverdiener (Kaltmiete 6,50 Euro pro Quadratmeter) und elf für Bezieher mittlerer Einkommen (8,50 Euro pro Quadratmeter). Die übrigen Wohnungen sind freifinanziert und sollen rund 13 Euro pro Quadratmeter kosten. Wer einziehen möchte, muss Mitglied der Genossenschaft werden; für die geförderten Wohnungen ist zusätzlich ein Wohnberechtigungsschein nötig. Die genauen Bewerbungsmodalitäten will das Siedlungswerk ab Mitte Juli veröffentlichen. Alle Wohnungen werden im Energiestandard KfW 40 mit QNG errichtet. Nieburg bezeichnet den bisherigen Projektverlauf als "befriedigend": Der Zeitplan werde eingehalten, und auch auf den Nachbargrundstücken herrsche inzwischen "rege Bautätigkeit".

Klinikum Fulda: Wohnheim für Azubis und Studierende wächst

Auf Baufeld sechs baut das Klinikum Fulda unter dem Titel "Junges Wohnen am Waidesgrund" ein Wohnheim mit 138 Apartments und insgesamt 173 Betten. "Die Rohbauarbeiten sind planmäßig angelaufen. Die Bodenplatte ist betoniert", teilt Pressesprecherin Barbara Froese mit. Die ersten Wände sollen im Juni stehen, der Rohbau soll trotz leichter Verzögerungen bei Materiallieferungen wie geplant bis Dezember fertig werden. Die Gesamtfertigstellung ist für Juli 2028 vorgesehen.

Geplant sind überwiegend Einzelapartments mit rund 19 Quadratmetern sowie Zweier-, Dreier- und Vierer-Wohngemeinschaften - vorgesehen für Auszubildende und Studierende des Klinikums. Der Mietpreis soll bei rund 450 Euro warm und möbliert liegen. Eine feste Belegungsreihenfolge gibt es nicht, Bewerbungen sind laut Froese "jederzeit möglich". Verwaltet wird das Haus künftig vom Klinikum selbst. Mit dem bisherigen Ablauf sei man zufrieden, "unvorhergesehene Herausforderungen" habe es bislang nicht gegeben.

Genossenschaftliches Wohnen: TING startet im August

Den spätesten Baustart unter den vier Bauherren haben die Baufelder vier und fünf, die von der TING Projekte GmbH & Co. KG entwickelt werden. Dort soll im August der Bau für die eigens gegründete Wohngenossenschaft Waides Höfe eG beginnen - zunächst auf Baufeld vier. "Ende 2026 sollen Keller und Tiefgarage soweit fertig sein, dass zum Jahreswechsel beziehungsweise im Frühjahr 2027 der Rohbau oberirdisch sichtbar wird", erklärt Dr. Jasna H.-Baumgarten, Vorstand der Genossenschaft. Die Fertigstellung der insgesamt 72 Wohnungen (42 bis 120 Quadratmeter) ist für Frühjahr/Sommer 2028 geplant.

Das Modell ist in Hessen bislang einzigartig: Mitglieder der Genossenschaft erwerben mit einer Einlage - in der Regel rund 25 Prozent der Herstellungskosten ihrer Wohnung - ein dauerhaftes, unbefristetes Nutzungsrecht, das vor Eigenbedarfskündigungen schützt. 29 der 72 Wohnungen sind mietpreisgebunden, jeweils zur Hälfte für geringe und mittlere Einkommen (6,50 beziehungsweise 8,50 Euro pro Quadratmeter), freifinanzierte Einheiten kosten rund zwölf Euro pro Quadratmeter. Wer keine geförderte Wohnung bezieht, zahlt stattdessen einen Genossenschaftsanteil zwischen 38.500 und 175.000 Euro.

Erstes Projekt dieser Art in Hessen

Dass der Baubeginn später liegt als bei den anderen Bauherren, begründet Baumgarten mit der ungewohnten Finanzierungsstruktur: "Das TING-Modell mit den privaten Wohngenossenschaften als eine besondere Form zwischen Miete und Eigentum wurde erstmal bei der Bevölkerung skeptisch aufgenommen. Das Projekt in Fulda ist das erste Projekt solcher Art in Hessen." Anders als bei klassischen Bauträgern komme das Eigenkapital nicht vom Unternehmen, sondern von den künftigen Mitgliedern selbst - die finanzierenden Banken hätten daher eine bestimmte Belegungsquote zur Voraussetzung für den Baubeginn gemacht. Diese Hürde ist inzwischen genommen: Nach Angaben der Genossenschaft sind bereits 75 Prozent der Wohnungen vergeben.

Mit dem Spatenstich der NHW sind nun auf allen sechs Baufeldern des Waidesgrunds entweder bereits Gebäude im Rohbau oder zumindest konkrete Zeitpläne für den Baustart vorhanden. Die ersten Bewohner dürften 2027 einziehen können - im Siedlungswerk-Neubau. Bis das gesamte Quartier mit seinen 431 Wohnungen fertiggestellt ist, dürfte es nach aktuellem Stand bis 2028, in Teilen auch bis 2029 dauern. (Moritz Bindewald) +++

X