Austausch, Information und Solidarität

"Wir gehen den Weg der Krankheit gemeinsam": Welt-MS-Tag im Klinikum

Das Foyer des Klinikums Fulda war am Mittwoch ein besonderer Ort: ein Raum voller Begegnungen, ehrlicher Gespräche, medizinischer Expertise und spürbarer Solidarität. Thema war der Welt-MS-Tag.
Fotos: Carina Jirsch

11.06.2026 / FULDA - Multiple Sklerose trifft Menschen oft mitten im Leben - unerwartet, tiefgreifend und mit vielen offenen Fragen. Auch Tanja Stradler leidet unter MS, lässt sich mit ihrem Mann Ronald aber nicht davon unterkriegen und setzt sich dafür ein, anderen Betroffenen beizustehen. Genau deshalb war das Foyer des Klinikums Fulda am Mittwoch ein besonderer Ort: ein Raum voller Begegnungen, ehrlicher Gespräche, medizinischer Expertise und spürbarer Solidarität.



Unter dem Motto "Diagnose Multiple Sklerose. Jetzt erst recht!" kamen Betroffene, Angehörige, Ärzte sowie Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen zusammen, um über MS zu sprechen, Erfahrungen zu teilen und Hoffnung zu geben. "Die Krankheit verändert tiefgreifend das Leben der Menschen. Dafür wollen wir das Bewusstsein schärfen und den betroffenen Menschen eine Stimme geben", erklärte Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Vorstandssprecher Klinikum Fulda, in seiner Ansprache. Für alle ist der jährliche Welt-MS-Tag eine Gelegenheit, voneinander zu lernen und einander Mut zu machen. "Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass niemand mit MS alleine ist", appellierte Menzel.

"Ich liebe den Menschen und lasse mich nicht von einer Krankheit abschrecken"

Eine entscheidende Stütze bei diesem Tag ist die Betroffene Tanja Stadler. Im Alter von 38 Jahren hat sie die Diagnose erhalten. Zu diesem Zeitpunkt hat sie mit ihrem Partner das gemeinsame Haus gebaut. Für Ronald bedeutete diese Diagnose eins: "Für mich war das überhaupt kein Thema, ich liebe den Menschen und lasse mich nicht von einer Krankheit abschrecken." Und so gehen die beiden diesen Weg seitdem gemeinsam an.

"Ich habe auf dem Weg viele nette Menschen kennengelernt. Ich bin zwar chronisch krank, aber ich ziehe immer das Positive daraus. Ich bin auch von Anfang an offen damit umgegangen - und genau das hilft vielen Betroffenen", so Stradler im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. In diesem Zusammenhang lobte sie auch die Veranstaltung im Klinikum Fulda, denn der persönliche Austausch sei am entscheidendsten.

Medizin im wichtigen Wandel

Genau dieser Austausch ist auch für Menzel wichtig. "Wir glauben, dass es wichtig ist, über Krankheiten zu reden und daraus kein Tabuthema werden zu lassen. Mit der Veranstaltung können sich Betroffene austauschen und gegenseitig unterstützen. Wir als Klinikum haben eine wirklich sehr gute neurologische Abteilung, bei der die Behandlung im Vordergrund steht. Da hat sich mittlerweile auch viel getan, was wir nutzen können", erklärte der Vorstandssprecher.

Prof. Dr. Tobias Neumann-Haefelin, Direktor der Klinik für Neurologie, und Christoph Preul, Oberarzt sowie Facharzt für Neurologie, gingen auf die Fortschritte der Medizin ein. Genauer sagte Preul gegenüber O|N: "Ein entscheidender Fortschritt kam durch zahlreiche neue Medikamente. Diese kann man stadiengerechter und individueller einsetzen - sei es als tägliche Tablette oder als monatliche Spritze. Es geht auch um Medikamente, die kommen sollen, um diesen Prozess und diese Schübe schleichender zu machen."

"Persönlicher Austausch mit Klinikpersonal und Betroffenen ist essenziell"

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld bedankte sich in seiner Ansprache für das Engagement und hob die Botschaft der Stradler-T-Shirts "Medizin mit 1.000 Gesichtern" dabei hervor. "Der persönliche Austausch mit Klinikpersonal und Betroffenen ist essenziell", lobte Wingenfeld. Dafür braucht es Menschen, die offen über ihren Weg sprechen, um anderen damit beizustehen und eine Perspektive zu geben.

"Es geht darum, dass das Thema MS Aufmerksamkeit findet, aus der Tabuzone herauskommt und Betroffene sich austauschen - auch innerhalb einer Selbsthilfegruppe. Für viele bedeutet das oft noch eine Hemmschwelle, die überwunden werden muss. Die Krankheit ist sehr komplex und umso wichtiger ist das persönliche Beratungsangebot vor Ort", so der Oberbürgermeister.

Am Ende wurde im Klinikum Fulda deutlich, wie wichtig Begegnungen wie diese sind: Sie geben Halt, schaffen Verständnis und zeigen Betroffenen wie Angehörigen, dass sie nicht allein durch die Krankheit gehen müssen. Genau das fasste Menzel zusammen: "Wir begleiten die Patienten sowie ihre Angehörigen und gehen diesen Weg der Krankheit gemeinsam." (mis) +++

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