"Summertime" in Kleinsassen
Drei Ausstellungen, ein Sommerfeuerwerk: Farbe, Licht und Paradiese
Gleichzeitig begannen drei neue, jeweils eigenständige Ausstellungen in der Kunststation Kleinsassen.
Fotos: Hanswerner Kruse
14.06.2026 / HOFBIEBER -
Gleichzeitig begannen drei neue, jeweils eigenständige Ausstellungen in der Kunststation Kleinsassen. Im Studio ist für sechs Wochen Andreas Müller-Bechstein mit seinen "Paradise Notes" (Titel) zu Gast. Diese "Notizen aus dem Paradies" zeigen spannend verfremdete Reise-Landschaften, die direkt vor Ort geschaffen wurden. Der Künstler befindet sich zwar in der Tradition des Malerdorfes Kleinsassen – aber er aquarelliert oder zeichnet mit Kreide keine Abbilder im Stil des 19. Jahrhunderts. Vielmehr schafft er eigenwillige und künstlerisch interpretierte Orte. Einige Arbeiten sind sogar in der der Nachbarschaft der Kunststation entstanden, etwa die Kunststation selbst, Nebel oder Regen am Stellberg und – natürlich – die Milseburg.
In der Schau "Augenlust" sind 13 von der Kunststation ausgewählte Kunstschaffende ein Vierteljahr in gleich zwei Hallen zu Gast, die aus "Farbe, Licht und Glanz" (Untertitel) eine starke Bandbreite unterschiedlicher Werke präsentieren. Man kann nur darüber staunen, was sie für verschiedene und überraschende Lösungen zu diesem Thema finden. Gleich zu Beginn wird man von großen abstrakten Farbkompositionen empfangen. Sogleich danach begegnet man strengen, dreidimensionalen Gebilden aus transparenten Stoffen, denen folgen riesige abstrakte oder ganz kleine Gemälde von verschiedenen Kunstschaffenden mit unterschiedlichen Wirkungen – einige Malerinnen spielen mit Licht und Schatten.
Dazwischen erscheinen stürmische oder sanfte Meere in seltsamen Farben, man wähnt sich an exotischen Küsten, aber nicht an der Ostsee. Eine einfache gemalte Tür, weckt Fantasien wie das Rotweinglas neben brennendem Papier. Wenn man denkt, das waren nun alle Werke der "Augenlust", erreicht man gerade erst die große hintere Halle. Sie wird dominiert von kräftigen bemalten und bedruckten Skulpturen aus Plexiglas. Dazu riesige Wandbilder mit Öl und Harz auf Holz, die wie Glasbilder zum Glänzen gebracht wurden. Oder streng konstruierte dreidimensionale Objekte diverser Künstlerinnen und Künstler aus transluzenten Platten.
Und Willows Schau "On the Road" ist eine Sammlung farbenfroher, teils abstrakt dargestellter oder nur kurz angedeuteter Lebenswelten: Autos. Straßen. Angedeutete Menschen – ebenfalls zu erleben bis Ende August 2026. Der Maler Willow konnte nicht aus Italien zur Vernissage nach Kleinsassen kommen, jedoch holt er seinen Besuch und die eigene Eröffnung am kommenden Sonntag, den 14. Juni, nach. Dort wird Jo Lange dann Saxophon spielen. An den fröhlich-melancholischen Arbeiten des Malers darf man sich aber bereits vorab erfreuen.
"Summertime / And the livin' is easy / Fish are jumpin' / And the cotton is high..." sang Mike Jehn zu seiner Gitarre. Er und der häufig in der Kunststation auftretende Jo Lange auf der Violine spielten sommerlich-leichte Songs in der Vernissage. Später musizierten sie sogar zwischen den Kunstwerken und machten dem Publikum (eigentlich) Lust aufs Tanzen. In ihrer Eröffnungsrede lobte Monika Ebertowski, die Leiterin des Kunsthauses, die wieder einmal gelungene Kuratierung der Ausstellung durch Dr. Elisabeth Heil und bedankte sich bei ihren übrigen Mitarbeitenden für den hervorragenden Aufbau. Anschließend stellte Heil die anwesenden Beteiligten vor und besprach deren künstlerische Objekte mit geradezu sommerlichem Vergnügen, aber auch nachdenklich:
"Eine Ausstellung mit Farbe, Licht und Glanz kann an der Weltlage nichts ändern, sie ist auch keine Weltflucht, aber sie schenkt vielleicht eine kostbare Zeit der Erholung. Hier in der Kunststation bieten wir etwas Seltenes: quirlige Bilder von unterwegs, "On the Road", Eindrücke von paradiesischen Orten – "Paradiese Notes" und vor allem ganz viel "Augenlust"! Gehen Sie fröhlicher aus den Ausstellungen heraus, als Sie hierhergekommen sind. (Hanswerner Kruse) +++