Kirche neu denken
Zukunftswerkstatt: Vom "Man müsste mal" zum "Wir machen das"
Zukunftswerkstatt "Kirche neu denken" der Katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz im Fuldaer Land am 30. Mai.
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07.06.2026 / GROßENLÜDER -
Kirche hat Zukunft – und diese Zukunft wird gemeinsam gestaltet. Das wurde bei der Zukunftswerkstatt "Kirche neu denken" der Katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz im Fuldaer Land eindrucksvoll deutlich. Mehr als 40 engagierte Christinnen und Christen – und es waren nicht nur katholische - aus den verschiedenen Kirchorten kamen am 30. Mai 2026 im Lüderhaus zusammen, um Ideen für eine lebendige Kirche von morgen zu entwickeln und erste konkrete Projekte auf den Weg zu bringen.
Bereits der Einstiegsimpuls von Anja Frommann setzte den Ton für den Tag. Unter der Überschrift "Vom Verwalten zum Gestalten" warb sie für einen Perspektivwechsel in der kirchlichen Arbeit. Statt Menschen für starre Ämter und langfristige Verpflichtungen zu suchen, gelte es, die Talente, Interessen und Leidenschaften der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Ausgehend vom paulinischen Gedanken der unterschiedlichen Charismen wurden die Teilnehmenden eingeladen, neu auf ihre eigenen Begabungen und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu schauen.
Pfarrer Joachim Hartel zeigte sich von der Atmosphäre und dem Engagement beeindruckt: "Wir erleben derzeit große Veränderungen in Kirche und Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, dass wir nicht nur verwalten, was war, sondern gemeinsam gestalten, was werden kann. Die Zukunftswerkstatt hat gezeigt, wie viel Kreativität, Glaubenskraft und Bereitschaft zum Mitmachen in unserer Pfarrei vorhanden sind."
Nach einem herzlichen Willkommen und einem unterhaltsamen Kennenlern-Bingo startete die eigentliche Werkstattarbeit. Gemeinsam mit dem Team der Pastoralen Innovation des Bistums Fulda arbeiteten die Teilnehmenden in mehreren Workshop-Phasen an konkreten Ideen für die Zukunft der Pfarrei.
Im Mittelpunkt standen zunächst eine Handvoll fiktive Personen beziehungsweise Personengruppen mit unterschiedlichen Lebenssituationen, Interessen und Bedürfnissen. Die Arbeitsgruppen überlegten, welche Angebote diese Menschen ansprechen könnten und wie Kirche ihnen auf neue Weise begegnen kann. Aus einer Vielzahl kreativer Ideen entstanden schließlich fünf konkrete Projekte, die nun in den kommenden Monaten in einer Experimentierphase umgesetzt werden sollen.
Nach einer gemeinsamen Mittagspause ging es an die praktische Planung. Fragen wie "Was wollen wir tun?", "Wann starten wir?", "Wer übernimmt welche Aufgabe?" und "Welche nächsten Schritte sind notwendig?" standen dabei im Fokus. Susanne Diegelmann, die sich seit Jahren in der Gemeinde im Bereich Kinder und Familie engagiert, freut sich über den offenen Austausch: "Die Zukunftswerkstatt ist super zum Kennenlernen und Vernetzen. Wir müssen uns darauf fokussieren, mit kleinen Schritten vorwärts zu gehen und dabei mit wachem Blick auf die Menschen zugehen, denen Kirche fremd geworden ist. In den Gesprächen tun sich sehr schnell neue Möglichkeiten auf."
Begeistert von der Zukunftswerkstatt ist auch Thomas Bretz von der Fachstelle "Pastorale Innovation im Bistum Fulda", die das Dienstprogramm NEO, für ´Pfarreien die aufbrechen wollen´ begleitet: "Besonders beeindruckend war die Bereitschaft der Teilnehmenden, konkrete pastorale Experimente zu entwickeln und Verantwortung für deren Umsetzung in den nächsten Monaten zu übernehmen. Dabei ging es an dieser Stelle nicht um lange Diskussionen über Strukturen, sondern darum aufzuspüren, wofür mein Herz brennt und ins Tun zu kommen."
Auch Pfarrer Hartel sieht darin einen wichtigen Weg für die Zukunft der Kirche: "Kirche lebt dort, wo Menschen ihre Gaben einbringen und gemeinsam etwas bewegen. Genau das haben wir an diesem Tag erlebt. Die entwickelten Projekte zeigen, dass unsere Pfarrei voller Ideen und Tatkraft steckt."
Welche Angebote konkret entstehen werden, bleibt noch eine kleine Überraschung. Die Verantwortlichen versprechen jedoch, dass ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden und die Ergebnisse der Werkstatt schon bald sichtbar werden. Die Zukunftswerkstatt war dabei bewusst kein einmaliges Ereignis. Vielmehr soll der Prozess fortgesetzt werden. Interessierte sind eingeladen, sich an den nächsten Treffen zu beteiligen.
"Wir haben erlebt, wie aus vielen einzelnen Ideen konkrete zielgruppenspezifische Vorhaben entstehen", betont Thomas Bretz. "Wenn Menschen ihre Talente in sich selbst organisierenden Teams einbringen, kann viel Neues entstehen, um damit zu experimentieren und in Lernschleifen dann auszuwerten. Denn lebendige Pastoral entsteht dort, wo wir unsere Strukturen als Chance nutzen, den christlichen Auftrag aktuell durchzubuchstabieren und umzusetzen."
Die nächsten Termine stehen bereits fest: Am 25. August findet ein Treffen zur Auswertung der bisherigen Projekte und zur Vorbereitung der zweiten Zukunftswerkstatt statt. Die Zukunftswerkstatt 2 ist für Samstag, den 24. Oktober 2026, geplant.
Die Botschaft des Tages war eindeutig: Kirche hat Zukunft – wenn Menschen bereit sind, sie gemeinsam zu gestalten. Der Weg ist eingeschlagen vom "Man müsste mal" in Richtung "Wir machen das". (ems/pm) +++